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ROUNDUP 2/Machtkampf bei Credit Suisse entschieden: Thiam geht – Rohner bleibt

(Neu: Reaktionen, Interview-Aussagen Rohner, Aktienkurs)

ZÜRICH (dpa-AFX) – Entscheidung im Machtkampf bei der Schweizer Großbank Credit Suisse : Der seit Mitte 2015 amtierende Konzernchef und wegen einer Beschattungsaffäre unter Druck stehende Tidjane Thiam tritt zum 14. Februar zurück, wie die Credit Suisse am Freitag in Zürich mitteilte. Er werde die Bank nach der Präsentation der Ergebnisse für 2019 verlassen. Thiams Nachfolger werde Thomas Gottstein. Unterstützung bekam der ebenfalls umstrittene Chef des Verwaltungsrats, Urs Rohner. Er habe den Verwaltungsrat während der turbulenten Zeit in anerkennenswerter Weise geführt. Das Aufsichtsgremium spricht seinem Präsidenten zudem sein volles Vertrauen aus und erwartet, dass dieser sein Amt bis April 2021 ausübt.

Mitte der Woche hatten sich noch zwei Großaktionäre für Thiam starkgemacht. Sie hatten Rohner aufgefordert, Thiam in dem seit Monaten grassierenden Skandal um die Überwachung von Spitzenbankern öffentlich zu unterstützen – oder sein Amt niederzulegen. David Herro von Harris Associates, einem der größten Anteilseigner der Bank, bekräftigte diese Forderung am Freitag nach Bekanntwerden von Thiams Abtritt. Herro hatte dem Verwaltungsratschef zuvor in einem Interview mit der Nachrichten-Website “The Market” vorgeworfen, er wolle Thiam vom Posten des Bankchefs entfernen.

Unterstützung bekam Herro vom Großaktionär Silchester International Investors, der nach eigenen Angaben etwas mehr als drei Prozent der Credit-Suisse-Anteile hält. Rohner solle seinen Posten vor Vertragsende verlassen, wenn er Thiam nicht unterstütze. Herro hatte in einem Interview mit “Bloomberg TV” gesagt, es sehe nach einem abgestimmten Versuch aus, Thiam etwas anzuhängen. Beweggründe vermutete er im Neid möglicher Rivalen oder der Tatsache, dass Thiam der erste Schwarze an der Spitze der Schweizer Bank ist.

Kritik gab es auch von anderer Seite. Auch der Stimmrechtsberater Ethos forderte am Freitag, Rohner solle vorzeitig abtreten. “Der Verwaltungsrat hat auch eine Verantwortung”, sagte Ethos-Chef Vincent Kaufmann auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Auch die Finanzaufsicht Finma führt die Untersuchung gegen die Großbank weiter. Die Beschattungsaffäre schwelt damit weiter. Rohner betonte hingegen in einem Interview, dass er viel Unterstützung von den Investoren habe.

An der Börse sorgten die Turbulenzen an der Bankspitze für deutliche Abschläge. Der Kurs sackte zeitweise um bis zu fünf Prozent ab, erholte sich aber zuletzt wieder etwas. Seit dem Bekanntwerden der Spitzelaffäre im Herbst 2019 hat die Credit-Suisse-Aktie rund vier Prozent verloren, während der Sektor um rund acht Prozent zulegte. Überhaupt war die Zeit Thiams bei der Credit Suisse am Kapitalmarkt keine Erfolgsbilanz. Seit seinem Amtsantritt Mitte 2015 sackte der Kurs um fast die Hälfte ab und damit deutlich stärker als der Branchenindex Stoxx 600 Banks.

Die Credit Suisse hatte im Dezember einen weiteren Fall der Beschattung führender Mitarbeiter eingeräumt. So sei Anfang 2019 der damalige Personalchef im Auftrag der Bank von einer Drittfirma beschattet worden. Es gebe aber keine Hinweise, dass Konzernchef Thiam, andere Mitglieder der Konzernleitung oder Mitglieder des Verwaltungsrates davon gewusst hätten. Auch von der bereits früher bekannt gewordenen Bespitzelung des Vermögensverwalters Iqbal Khan habe Thiam nichts gewusst, hatte Verwaltungsratschef Rohner damals gesagt.

Thiam betonte im Zuge seines Rückzugs, dass er keinerlei Kenntnis von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen hatte. “Zweifellos hat dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt. Ich bedauere das Vorgefallene und es hätte nie passieren dürfen”, wird er in der Mitteilung zitiert. Thiams Nachfolger Gottstein ist seit mehr als 20 Jahren bei der Credit Suisse und seit 30 Jahren in der Branche. Er hatte leitende Funktionen im Investmentbanking als auch im Private Banking inne. Zuletzt war er für das Geschäft in der Schweiz verantwortlich./zb/stw/jha/