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Kohleausstieg dürfte Industriestrom günstiger machen

Gegner des Kohleausstiegs warnen oft vor steigenden Strompreisen. Doch das wird laut der Denkfabrik Agora nach der Energiewende noch sinken – zumindest für Industriekunden. Haushalte müssten jedoch leicht draufzahlen.

Bei den Verhandlungen über ein Gesetz für den Kohleausstieg wird oft vor stark steigenden Stromkosten gewarnt. Nach Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende ist dieses Argument teilweise falsch.

Wenn der Kohleausstieg so umgesetzt wird, wie es die zuständige Kommission vorschlägt, dann wird der Börsenpreis, zu dem viele Großverbraucher ihren Strom beziehen, noch niedriger liegen als der Kohleausstieg, schreiben die Experten, die regelmäßig die Regierung in Energiewendefragen beraten.

Konkret soll der Strom im Jahr 2030 dann um 0,5 Cent je Kilowattstunde günstiger sein als ohne Kohleausstieg, heißt es in einer Studie von Agora Energiewende.

Hauptgrund dafür: Wind- und Solaranlagen, die meistens deutlich kostengünstiger sind.

Für die energieintensive Industrie sei der Kohlekompromiss auch noch vorteilhaft, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Er sei eine gute Versicherung gegenüber hohen Strompreisen.

Private Haushalte indes dürften durch den Kohlekompromiss leicht draufzahlen, heißt es in dem Papier. Denn sie bekommen ihren Strom nicht zu Großhandelspreisen, sondern zu den deutlich höheren Kosten, die ihr Energieversorger verlangt.

Im Jahr 2030 dürfte die Kilowattstunde Strom für sie schätzungsweise 0,4 Cent mehr kosten als heute. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden müsste monatlich rund 1,20 Euro mehr zahlen.

Größter Kostenpunkt bei den Strompreisen bleiben laut der Analyse der Netzentgelte. Über diesen finanzieren Verbraucher den Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes mit. Für den Transport immer größerer Ökostrommengen sind diese Maßnahmen unerlässlich.

Laut Ausstiegsfahrplan der Kohlekommission werden in Deutschland 2030 noch Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 17 Gigawatt laufen, aktuell sind es 41 Gigawatt. Die CO2-Emissionen im Stromsektor sollen dadurch von 319 Millionen auf 182 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sinken – vorausgesetzt, die notwendigen Gesetze zum Kohleausstieg werden zeitnah auf den Weg gebracht.

Die Große Koalition wird bis spätestens Jahresende ein Gesetz zum Klimaschutz und zum Kohleausstieg vorlegen. Sie haben angekündigt, den Empfehlungen der Kohlekommission weitgehend zu folgen.

Am 20. September kommt das Klimakabinett zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Werner Brandt war ebenfalls Umweltbeauftragter von Svenja Schulze (SPD) mehr Tempo bei der Umsetzung des Gesetzes gefordert.