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Chinas Führung in der Kritik wegen Kampf gegen Virus – Trump lobt Xi

Peking/Shanghai (Reuters) – US-Präsident Donald Trump hat die wegen ihres Krisenmanagements in die Kritik geratene chinesische Führung demonstrativ für ihren Kampf gegen das Coronavirus gelobt.

Chinas Führung in der Kritik wegen Kampf gegen Virus - Trump lobt XiChinas Führung in der Kritik wegen Kampf gegen Virus - Trump lobt Xi

Nach einem Telefonat mit Präsident Xi Jinping twitterte er am Freitag: “Es gibt große Disziplin in China, während Präsident Xi entschlossen eine Operation leitet, die sehr erfolgreich sein wird.” In China löste der Corona-Tod eines 34-jährigen Arztes, der für seine frühen Warnungen vor dem Virus von den chinesischen Behörden gerügt worden war, eine Welle von Trauerbekundungen im Internet aus. Einige Nutzer brachten auch ihren Unmut über die Regierung zum Ausdruck, was eine Seltenheit ist. Die Zahl der Todesopfer stieg den chinesischen Behörden zufolge bis Donnerstag auf über 630.

Xi erklärte in dem Gespräch mit Trump, China tue alles, um den Virusausbruch einzudämmen. Nach und nach seien Erfolge zu erkennen. Der chinesische Präsident zeigte sich zuversichtlich, dass es keine langfristigen wirtschaftlichen Folgen gebe. Trump schrieb auf Twitter, die USA unterstützten China im Kampf gegen die Epidemie. Das Verhältnis zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten war in den vergangenen Monaten vor allem wegen des Handelsstreits erheblich angespannt. Zuletzt hatte China den USA zudem vorgeworfen, mit Überreaktionen auf den Virusausbruch Panik zu schüren. Die USA haben – wie andere Länder auch – ihre Staatsbürger aus Wuhan zurückgeholt. China-Reisende werden unter bestimmten Bedingungen nicht mehr in die USA gelassen.

FORSCHER: SCHUPPENTIER KÖNNTE CORONA-ZWISCHENWIRT SEIN

Während Trump China lobte und Xi den größtmöglichen Einsatz versprach, bewegte viele Chinesen der Tod des Arztes Li Wenliang. In den sozialen Medien wurde er als Held gefeiert. Er wurde unter Androhung von Anklage gezwungen, eine Erklärung zu unterzeichnen, dass er mit seinen Äußerungen “die gesellschaftliche Ordnung ernsthaft gestört” habe. Einige Internetnutzer warfen den chinesischen Behörden Versagen in ihrer ersten Reaktion auf den Krankheitsausbruch vor. Einige Kommentare worden offenbar kurz nach Erscheinen gelöscht.

Auf der Suche nach dem Verbreitung des neuartigen Virus glauben chinesische Wissenschaftler beim Schuppentier auf der richtigen Fährte zu sein. Das Säugetier könnte ein Zwischenwirt in einer Ansteckungskette zwischen Fledermäusen und Menschen sein, erklärte die Südchinesische Agraruniversität. Das Erbgut der neuartigen Viren in Schuppentieren sei zu 99 Prozent identisch mit dem Virus-Erbgut bei infizierten Menschen. Die jüngste Entdeckung werde große Bedeutung haben, um die Verbreitung des Virus zu verhindern, so die Uni.

Die mit Hornschuppen bedeckten Tiere werden illegal gehandelt. Ihr Fleisch gilt in Asien als Spezialität, ihre Schuppen finden Anwendung in der traditionellen Medizin. Der Ausbruch der Corona-Epidemie soll auf einen Markt in Wuhan zurückgehen, wo auch lebende Wildtiere verkauft werden. Doch laut dem Veterinärmediziner Dirk Pfeiffer von der City University in Hongkong ist selbst dieser Ansteckungsweg hin zum Menschen noch nicht gesichert. Die jüngsten Forschungsergebnisse zu den Schuppentieren seien auch noch kein Beweis dafür, dass die Tiere das Virus verbreitet hätten.

Das Virus hat sich seit dem Bekanntwerden der ersten Fälle Ende 2019 in 27 Ländern und Regionen außerhalb Festland-Chinas verbreitet. Nach Reuters-Statistiken auf Basis offizieller Erklärungen liegt die Zahl dieser Fälle bei 320 – darunter laut Bundesgesundheitsministerium 13 in Deutschland. Der Industrieverband BDI bezeichnete das Virus als zusätzlichen Unsicherheitsfaktor für die deutsche Wirtschaft. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte in Berlin, zum jetzigen Zeitpunkt könne man keine Aussagen über mögliche Auswirkungen auf die Konjunktur vornehmen.

In China stieg die Zahl der gemeldeten Infektionen zuletzt auf mehr als 31.000. Von Mittwoch auf Donnerstag kamen den Behörden zufolge 3143 neue Fälle hinzu – weniger als jeweils in den zwei Tagen zuvor. Doch Experten geben noch keine Entwarnung: WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, die Zahlen könnten wieder steigen. Er warnte zudem, es könne weltweit dauerhaft zu Engpässen bei Atemmasken, Schutzanzügen und -handschuhen kommen.

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