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Zugunglück von Bad Aibling – eine Katastrophe mit Folgen

Zwölf Tote und 89 Verletzte – das ist die Bilanz des Zugunglücks von Bad Aibling am 9. Februar 2016. Zwei Züge stoßen damals auf der eingleisigen Strecke frontal zusammen. Mit den Folgen kämpfen Opfer und Hilfskräfte bis heute.

Das schreckliche Zugunglück von Bad Aibling, es hat Deutschland erschüttert. Vor vier Jahren starben zwölf Menschen, 89 wurden verletzt, viele von ihnen schwer.

Frontal-Kollision zweier Nahverkehrszüge

Am 9. Februar 2016 prallen zwei Meridianzüge auf der eingleisigen Strecke zwischen Bad Aibling und Kolbermoor zusammen. Sofort sind die Hilfskräfte vor Ort, unter ihnen vor allem Feuerwehrleute aus Bad Aibling, wie Julian Schneider.

“Es lag einfach alles kreuz und quer. Man hat auch Leichenteile gesehen. Wenn man durch den Zug gelaufen ist, wenn man es laufen nennen kann, eher gerutscht durch Öle, Säuren und vielleicht auch Blut, war es relativ schwierig da drin zu arbeiten. Es war nichts mehr da, wo es eigentlich hingehört.” Julian Schneider, damals Feuerwehrmann im Zug

Fahrdienstleiter durch Computerspiel abgelenkt

Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass die bahntechnischen Anlagen an der Unfallstrecke und im Stellwerk sowie der Funktechnik keine technischen Mängel hatten. Stattdessen hatte der Fahrdienstleiter Spiele auf seinem Handy gespielt. Und das, obwohl die Vorschriften der Deutschen Bahn die private Nutzung von Smartphones im Dienst verbieten.

Vom Spielen abgelenkt stellt der Fahrdienstleiter im Stellwerk mehrere Signale falsch. Technische Schutzvorrichtungen setzt er dadurch außer Funktion. Daraufhin fahren die beiden Züge aufeinander zu.

Notruf misslingt

Der Versuch des Fahrdienstleiters, über Funk einen Notruf an die Zugführer abzusetzen, misslingt. Der Mann drückt eine falsche Taste. Wegen des Bedienungsfehlers können die Zugführer nicht mehr rechtzeitig gewarnt werden. Der Frontalzusammenstoß ist unabwendbar.

Dreieinhalb Jahre Haft für Fahrdienstleiter

Nach dem Zugunglück wird der Fahrdienstleiter zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Traunstein sieht es als erwiesen an, dass der Bahnmitarbeiter der fahrlässigen Tötung schuldig ist. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Haft gefordert, die Verteidigung auf eine Bewährungsstrafe oder maximal zweieinhalb Jahre Gefängnis plädiert. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

Technik hätte Unfall vermeiden können

Unfallermittler zeigen nach dem Unglück einige technische und organisatorische Mängel auf, die die Fehler des Fahrdienstleiters begünstigt haben. Eine technische Komponente, die in dem Stellwerk längst hätte installiert sein sollen, hätte die Kollision vielleicht verhindern können, so der damalige Bericht der Untersuchungsstelle.

Trauer – auch Jahre nach dem Unglück

Die Katastrophe reißt die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer aus ihrem bisherigen Leben. Für Anne-Maria Schulze bleibt am 9. Februar die Zeit stehen. Ihr Lebensgefährte Ronny starb bei dem Zugunglück von Bad Aibling. Der Lokführer war in einem der beiden Triebwagen. Seit dem Unglück wachsen ihre Tochter und ihr Sohn ohne ihren Vater auf.

Präventionsarbeit nach dem Unfall

Das Unglück beschäftigt den damaligen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Bad Aibling, Wolfram Höfler, noch immer. Er war Einsatzleiter nach dem Unfall. Seitdem wird er zu Vorträgen eingeladen – unter anderen vor Vertretern von Feuerwehren, THW und Rettungsdienst in bisher sieben europäischen Ländern. So kann er seine Erlebnisse, Erfahrungen und Tipps immer wieder an Hilfskräfte weitergeben.