Wortbruch der Staatsgewalt: Matiang’i verurteilt Chaos in Othaya Kirche
Der ehemalige Innenminister Fred Matiang’i hat die gewaltsame Stürmung einer Kirche in Othaya durch die Polizei scharf verurteilt und bezeichnete das Teergaswerfen auf Gläubige als „Entweihung“ des Heiligen Ortes. Er warnt vor einer gefährlichen Entwicklung hin zu einem Rechtsstaat, in dem Gewalt zunehmend gegen die religiöse Freiheit eingesetzt wird.
In einer überraschenden Rückkehr auf die politische Bühne kritisierte der ehemalige Innenminister Fred Matiang’i die Regierung scharf für die gewaltsame Zerschlagung einer Gottesdienstversammlung in Othaya. In einer Erklärung, die Wellen im politischen Spektrum schlug, bezeichnete er das Teergas-Feuer auf die Gläubigen als „Schandtat“ und als Zeichen für den moralischen Verfall des Landes.
Am Sonntagmorgen, als die ruhige Atmosphäre in der ACK Witima Kirche im Bezirk Nyeri von einem erschütternden Vorfall gestört wurde, war der ehemalige stellvertretende Präsident Rigathi Gachagua zu Gast. Augenzeugen berichteten, dass Polizisten das Kirchengebäude blockierten und Tränengas in die versammelte Gemeinde warfen. Der Vorfall führte zu einer Panik und mehreren Verletzten, darunter auch ältere Menschen, die unter den Reizgasen litten, und weinende Kinder. Diese Szene hat nicht nur in Othaya, sondern landesweit Entsetzen ausgelöst.
„Der Altar ist heilig“
„In unserer afrikanischen Tradition und dem christlichen Glauben ist der Altar ein Zufluchtsort“, erklärte Matiang’i in seiner scharfen Kritik aus Nairobi. „Es ist nicht nur ein Befehlsausfall, einen Gottesdienst mit Waffen und Tränengas zu stürmen – es ist eine Entweihung. Wenn eine Regierung ihre Waffenkraft gegen das Gebet richtet, hat sie eine rote Linie überschritten, von der es oft kein Zurück gibt.“
Matiang’i, der für seinen entschlossenen Sicherheitsansatz während seiner Amtszeit als „Super-CS“ bekannt war, verglich den Vorfall mit den Prinzipien der Disziplin der Sicherheitskräfte. Er kritisierte, dass die nationale Polizei zunehmend in politische Machtkämpfe hineingezogen werde, wodurch ihr Vertrauen und ihre Unabhängigkeit gefährdet seien. „Die Polizei existiert, um Leben und Eigentum zu schützen, nicht, um politische Rechnungen auf der Kanzel zu begleichen“, fügte er hinzu.
Der Vorfall selbst scheint mit der Anwesenheit von Rigathi Gachagua zusammenzuhängen, der in der Region Mount Kenya unterwegs ist, um seine politische Basis zu festigen, während Spannungen innerhalb der regierenden Koalition wachsen. Es wird spekuliert, dass Gachagua als Ziel der polizeilichen Repression ins Visier geraten ist, was den Vorfall weiter politisiert.
Reaktionen und politische Folgen
Der Vorfall hat in den Reihen der religiösen Führer landesweit Empörung ausgelöst. Diese fordern eine öffentliche Entschuldigung von der Polizei und des Inspektors der Polizei und warnen vor den gefährlichen Folgen eines solchen Präzedenzfalls. Einem führenden Mitglied einer kirchlichen Organisation zufolge könnte dieses Ereignis als Wendepunkt in der politischen Landschaft des Landes gelten, bei dem die staatliche Gewalt in einem immer intensiveren politischen Klima gegen die Zivilgesellschaft eingesetzt wird.
Politische Analysten warnen, dass der Vorfall in Othaya nicht isoliert ist, sondern Teil eines zunehmenden Trends der Intoleranz gegenüber abweichenden politischen Stimmen ist. „Wenn sie in der Lage sind, einen ehemaligen stellvertretenden Präsidenten in der Kirche mit Tränengas zu bekämpfen, was bedeutet das dann für den gewöhnlichen Bürger auf der Straße?“, fragte ein Mitglied des Gemeinderats von Nyeri, der den Vorfall miterlebte.
Für die Einwohner von Othaya wird das Bild von Tränengas, das durch die Kirchenbänke zog, schwer zu vergessen sein. Während das Land mit wirtschaftlichen Problemen kämpft, könnte die zusätzliche Belastung durch politische Gewalt das ohnehin fragile soziale Gefüge destabilisieren. Matiang’is Eingreifen könnte eine stärkere Opposition zusammenführen, die sich um den Schutz der Bürgerrechte und der Religionsfreiheit schart.
Die Verantwortung liegt nun beim Innenministerium, um zu erklären, welche operativen Anweisungen zu der Störung des Gottesdienstes geführt haben. Bis eine Erklärung erfolgt, bleibt das Bild eines von Tränengas ergriffenen Altars ein starkes Symbol der tiefen politischen Spaltungen im Land.