“Wie kann man nur die Kirche verpassen?”, sagte Mindelheims bekanntester Pfarrer.

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“Wie kann man nur die Kirche verpassen?”, sagte Mindelheims bekanntester Pfarrer.

Rainer Maria Schießler, Münchens berühmtester Pfarrer, wollte in Mindelheim sprechen. Corona konnte dies verhindern. Jetzt äußert der feurige Katholik im Interview mit der MZ, was er ihnen gerne persönlich gesagt hätte.

In einem Interview sagte Münchens bekanntester Priester: “Wie kann man mit dem Schwänzen der Kirche durchkommen?”

Herr Schießler, Sie sind seit 1987 katholischer Priester und derzeit der bekannteste Seelsorger Münchens. Sie haben eine konstante Anhängerschaft, obwohl sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden. Was machen Sie unter anderem anders?

Rainer Maria Schießler: Vielleicht bin ich direkter, verständlicher in meinen Äußerungen, und mein Ton ist nicht so distanziert. Viele meiner Mitarbeiter sitzen im gleichen Boot. Aber noch etwas ist mit mir passiert: mein Status als öffentliche Person. Das geschah nicht mit Absicht. Es ist ähnlich, wie die Liebe einen findet. Vor fünfzehn Jahren bewarb ich mich als Volunteer bei der Fußball-WM 2006 in München. Ich bin seit meiner Geburt ein Löwen-Fan. In meiner Nachbarschaft bekam man Prügel, wenn man ein Roter war. (lacht) Ich wurde 1966 eingeschult. Die Löwen waren gerade zum ersten und einzigen Mal Meister geworden.

Natürlich bemerkten die Medien, dass ein Priester zu den Freiwilligen gehörte. Dieser Überraschungseffekt machte mich sehr beliebt. Wer würde schon einen Kirchenmann in der Welt des Fußballs erwarten? Und dann kam mein erster Wiesn-Einsatz als Wiesn-Begleiter im Herbst desselben Jahres. Das hat natürlich alles getoppt!

Schießler ist als WM-Volunteer und als “Wiesnbedienung” bekannt geworden.

Sie scheuen also nicht den Kontakt mit den Medien?

Schießler: Die Medien sind das perfekte Transportmittel. Ich wäre ja dumm, wenn ich mich ihnen verweigern würde. Die Zeit ist vorbei, in der es reicht, wenn man die Glocken läutet und die Leute kommen und wir erzählen ihnen, was los ist. Man muss bei den Menschen selbst sein. Ich kann auch nicht verstehen, warum heute keiner mehr Priester werden will. Der Zölibat ist wirklich nicht das Entscheidende, oder die Hierarchie. Diese Leidenschaft für diesen Beruf, die mich schon in jungen Jahren gepackt hat, ist immer noch da, völlig unverbraucht. Diese unglaubliche Kreativität, die in diesem Beruf steckt, ist schon unglaublich!

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