Weil Erinnerungsarbeit am Stadttheater wichtig ist

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Weil Erinnerungsarbeit am Stadttheater wichtig ist

Die Musicalproduktion der Moreth Company schildert Schicksale während der Belagerung von Sarajevo.

Weil es wichtig ist, Erinnerungsarbeit zu leisten

Die Belagerung Sarajevos durch die bosnisch-serbische Armee von 1992 bis 1996 war die längste des zwanzigsten Jahrhunderts. Der aktuelle Bezug ergibt sich aus der Verurteilung von Ratko Mladic als “Schlächter von Srebrenica”. Aber wollen wir wirklich, dass uns die Schrecken dieses Konflikts und das Leid der Menschen im ehemaligen Jugoslawien noch einmal vor Augen geführt werden? Erinnerungsarbeit ist jedoch unerlässlich. So war das Stadttheater Landsberg bei der Wiederaufnahme der Theateraktivitäten ausgebucht. Die Moreth Company unter der Regie von Konstantin Moreth, der auch der Schöpfer des Stücks ist, führte “Sarajevo – die Toten tanzen noch” auf, mit Kompositionen und Bühnenmusik von Juri Kannheiser.

Moreth hat mit “Sarajevo” ein Musiktheaterstück geschaffen, das die Schwere und den Ernst des Themas würdigt, Einzelschicksale offenbart und eindringlich vermittelt, was die Jahre der Belagerung für die Bewohner der bosnischen Hauptstadt bedeuteten. Vor diesem Hintergrund erscheint manches gegenwärtige Corona-Gejammer beschämend. The Moreth Company nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch das belagerte Sarajevo. Er trifft Soldaten und Zivilisten, einen Scharfschützen, eine Frau, die sich weigert, ungeschminkt erschossen zu werden, eine Tochter, die ihr Leben riskiert, um Medikamente für ihren zuckerkranken Vater einzuschmuggeln, Menschen, die trotz allem jung sind und sich verlieben, und Menschen, die alles vergessen und mit selbstgebranntem Schnaps feiern wollen. Menschen, von denen viele durch Explosionen und Scharfschützenbeschuss sterben.

Die Musik von Juri Kannheiser hilft, diesen harten Stoff annehmbarer zu machen. Alle Darsteller sind sowohl Band als auch Gesangsensemble. Kannheiser selbst spielt sehr abwechslungsreich auf dem Cello, mal gezupft im Bukowina-Stil, mal fungiert das Cello als Bass, wie in dem umgeschriebenen Song “The Time Walk”, eigentlich aus der Rocky Horror Show. Aber hier lautet der Refrain “Let’s do the shell shock again”. Kannheiser gelingen wirkungsvolle musikalische Arrangements mit minimalistischen Mitteln – Cello, Gitarre, Schlagzeug, Trompete, miteinander und mit A-cappella-Parts kombiniert. Das beschwingte Lied “Uns geht es prima hier” mit seinem beißenden Sarkasmus erinnert fast ein wenig an Brecht/Weill-Produktionen. Der wehmütige, einsame Gesang einer Frauenstimme, zu der sich ein… Dies ist eine kurze Zusammenfassung. Lesen Sie eine weitere Nachricht.

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