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Warum die Polizei in Kenia aufgelöst werden muss

Der kenianische Polizeidienst hat sich von einer ursprünglich schützenden Institution zu einer Bedrohung für die eigene Bevölkerung gewandelt. Reformen, die immer wieder versprochen werden, sind lediglich ein Pflaster für eine schwerkranke Struktur – die einzige Lösung ist eine vollständige Auflösung und ein Neuanfang.

Ein System der Besatzung

Die Beziehung zwischen der kenianischen Polizei und der Bevölkerung ist nicht mehr die einer Dienstleistung, sondern die einer Besatzungsmacht. In den Slums von Mathare und Kondele agieren die Polizeikräfte nicht als Hüter des Gesetzes, sondern als Eindringlinge, die durch Erpressung vom Armenviertel profitieren und durch extralegale Tötungen die öffentliche Ordnung aufrechterhalten. Die Polizei schützt nicht die Bürger, sondern die Machthaber, die das Land plündern, während die Polizei die Türen der Elite bewacht.

„Die Polizei schützt das Regime, nicht den Bürger“, erklärt der Sultan in seiner wöchentlichen Kolumne. „Wenn die Polizei die Bevölkerung als Feind sieht, wird sie nicht länger zum Hüter des Gesetzes, sondern zum Soldaten im Krieg gegen das eigene Volk.“

Warum eine Auflösung notwendig ist

Das Modell einer völligen Auflösung der Polizei ist keineswegs neu. Nach den Unruhen von 2007 wurde die Wahlkommission aufgelöst, ebenso wie die alte Verfassung, um Platz für Reformen zu schaffen. Warum sollte die Polizei als unantastbar gelten? Der Vorschlag mag radikal erscheinen, doch er ist notwendig: Die gesamte Polizeikraft muss nach Hause geschickt und von Grund auf neu aufgebaut werden. Neue Bewerber sollten strengen psychologischen Prüfungen und höheren Bildungsanforderungen unterzogen werden, und die Kommando-Struktur muss vollständig von der kolonialen paramilitärischen Tradition entkoppelt werden.

Ein erfolgreiches Beispiel liefert Georgien, das seine gesamte Verkehrspolizei über Nacht entließ. Die Folge war keine Zunahme der Kriminalität, sondern ein dramatischer Rückgang der Korruption. Solche Maßnahmen erfordern jedoch politischen Mut, den die kenianischen Führer bislang vermissen lassen.

Das Ende der Straflosigkeit

Ein großes Problem innerhalb der Polizei ist die „Blue Code of Silence“, ein ungeschriebenes Gesetz, das es den Beamten verbietet, gegen ihre Kollegen auszusagen. Diese Kultur der Straflosigkeit lässt sich von innen heraus nicht bekämpfen – sie muss von außen zerstört werden. Der fortlaufende Mord an Unschuldigen, der täglich stattfindet, während die Polizei „modernisiert“ wird und immer besser ausgestattet ist, zeigt die Dringlichkeit dieser Maßnahme.

Der politische Wille zur Veränderung fehlt jedoch, und jedes weitere Zögern bedeutet das Fortbestehen des gewaltsamen Apparats, der den normalen Kenianer unterdrückt. Mehrere Milliarden Schillinge werden in die „Modernisierung“ investiert – gepanzerte Fahrzeuge und neue Waffen, die letztlich nur dazu dienen, das Volk noch effizienter zu unterdrücken.

Die Polizei sollte die öffentliche Ordnung wahren, doch wessen Ordnung wird hier wirklich aufrechterhalten? Es ist die Ordnung der korrupten Eliten, die das Land ausplündern, während die Polizei ihre Tore bewacht. Eine Auflösung der Polizeikräfte ist kein Aufruf zu Anarchie, sondern der einzige Weg, zu einer Gesellschaft zu gelangen, in der „Utumishi Kwa Wote“ – Dienst an allen – mehr ist als ein leerer Spruch.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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