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US-Kongress erhält ab Montag uneingeschränkten Zugang zu ungeschwärzten Epstein-Akten

Ab Montag, dem 10. Februar 2026, erhalten gewählte Mitglieder des US-Kongresses erstmals Zugang zu den vollständig ungeschwärzten Dokumenten aus den Ermittlungen um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der Justizministerium öffnet dafür einen gesicherten Lesesaal, wie aus einem Schreiben von Assistant Attorney General Patrick Davis hervorgeht, das der Nachrichtenplattform MS NOW vorliegt.

Der Schritt folgt auf massive Kritik an früheren, stark geschwärzten Veröffentlichungen und Verzögerungen. Bislang hat das Ministerium bereits über drei Millionen Seiten mit Ermittlungsdokumenten, E-Mails, tausenden Videos und zehntausenden Bildern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – allerdings in redigierter Form.

Streng bewachtes Leseverfahren und eine Aussage unter Berufung auf das Schweigerecht

Der Zugang für die Abgeordneten unterliegt strengen Auflagen: Nur gewählte Kongressmitglieder selbst dürfen die auf gesicherten Computern hinterlegten Akten einsehen, Mitarbeiter und elektronische Geräte sind verboten. Vor einem Besuch ist eine 24-stündige Voranmeldung erforderlich. Notizen sind nur handschriftlich erlaubt; nichts darf den Raum verlassen außer dem, was im Gedächtnis bleibt oder mit der Hand notiert wurde. Das Ministerium wird alle Besuchszeiten protokollieren.

Parallel zu dieser Akteneinsicht wird Epsteins Mittäterin Ghislaine Maxwell erstmals vor einem Kongressausschuss erscheinen. Die 2021 verurteilte Maxwell soll per Videostream aus dem Bundesgefängnis in Bryan, Texas, vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses aussagen. Ihr Anwalt David Oscar Markus bestätigte jedoch gegenüber MS NOW, dass Maxwell ihr durch den Fünften Verfassungszusatz garantiertes Recht, keine selbstbelastenden Aussagen zu machen, invozieren und somit alle Fragen ablehnen wird.

Die zeitliche Abfolge der Ereignisse ist brisant: Die Einsichtnahme in die ungeschwärzten Akten durch den Justizausschuss des Repräsentantenhauses findet nur wenige Tage vor einer geplanten Befragung von Generalstaatsanwältin Pam Bondi durch denselben Ausschuss statt. Dies gibt den Abgeordneten die Möglichkeit, Bondi mit frischen, ungefilterten Informationen zu konfrontieren.

Die jüngste Veröffentlichungswelle von Dokumenten, zu der auch mehr als 2.000 Videos und 18.000 Bilder gehören, wurde durch den „Epstein Files Transparency Act“ vorgeschrieben und sollte eigentlich bis zum 19. Dezember 2025 abgeschlossen sein. Die schiere Menge und Sensibilität des Materials führt zu andauernden, wellenartigen Veröffentlichungen. In den Dateien werden auch prominente Namen wie der ehemalige Präsident Donald Trump, Handelsminister Howard Lutnick und Unternehmer Elon Musk erwähnt. Es wird jedoch ausdrücklich betont, dass bislang keinerlei Beweise für strafbares Handeln dieser Personen vorliegen und eine Erwähnung keine Schuld impliziert.

Weitreichende Konsequenzen und anstehende Zeugenvernehmungen

Die Enthüllungen haben bereits konkrete Konsequenzen: Wie MS NOW berichtet, traten ein Top-Jurist und ein Kunstwelt-Manager von ihren Posten zurück, nachdem ihre E-Mail-Kontakte mit Epstein in den Akten aufgetaucht waren.

Überlebende von Epsteins Missbrauchsring und ihre Anwälte kritisieren zudem das zunächst schlampige Schwärzungsverfahren des Justizministeriums, durch das Dutzende Namen von bekannten oder mutmaßlichen Opfern versehentlich preisgegeben wurden. Das Ministerium hat Korrekturen zugesagt.

Die Untersuchung des Oversight-Ausschusses wird in den kommenden Wochen weiter intensiviert. Für Ende Februar sind hinter verschlossenen Türen protokollierte Befragungen von früherem Präsidenten Bill Clinton (27. Februar) und der ehemaligen Außenministerin Hillary Clinton (26. Februar) angesetzt. Beide sahen sich in der Vergangenheit mit Fragen zu ihren Verbindungen zu Epstein konfrontiert, es liegen aber keine Beweise für strafrechtliches Fehlverhalten vor. Auch der Milliardär und Einzelhandelsmanager Les Wexner, der für seine enge finanzielle Verbindung zu Epstein kritisch beäugt wird, wird am 18. Februar in Washington D.C. erwartet.

Unter den neu veröffentlichten Dokumenten befindet sich auch eine E-Mail Epsteins an Maxwell aus dem Jahr 2015, die einen Entwurf für eine Verteidigungserklärung in einem Verfahren der Klägerin Virginia Giuffre enthält. Darin erwähnt Maxwell das berüchtigte Foto von Giuffre mit Prinz Andrew und erklärt, es sei in London entstanden, als Giuffre „eine Reihe meiner Freunde traf, darunter Prinz Andrew. Ein Foto wurde gemacht, ich nehme an, sie wollte es Freunden und Familie zeigen.“

Die andauernden Enthüllungen und die kongressinternen Untersuchungen sind eine direkte Reaktion auf den anhaltenden öffentlichen Druck nach Aufklärung und Transparenz in einem Fall, der auch Jahre nach Epsteins Tod in Gewahrsam im Jahr 2019 weiter die amerikanische Öffentlichkeit beschäftigt und von Verschwörungstheorien umrankt bleibt.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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