Untersuchung des Stonehaven-Unglücks: Zugführer erhielt Freigabe für Normalgeschwindigkeit kurz vor Entgleisung
Der Zugführer des tragischen Stonehaven-Unglücks, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, wurde nur wenige Minuten vor der Entgleisung angewiesen, die normale Geschwindigkeit beizubehalten. Dies wurde bei einer Untersuchung des tödlichen Vorfalls im schottischen Aberdeenshire im Jahr 2020 bekannt. Der Zug hatte eine Schotterablagerung auf den Gleisen getroffen und war nach dem Aufprall gegen ein Brückengeländer geprallt.
Am 12. August 2020 war Zug 1T08, der von Aberdeen nach Glasgow unterwegs war, auf einer besonders gefährdeten Strecke nahe Stonehaven unterwegs, als er gegen 9:37 Uhr entgleiste. Der Zugführer, Brett McCullough (45), hatte nur Minuten zuvor die Anweisung erhalten, auf dem Abschnitt zwischen Carmont und Stonehaven mit normaler Geschwindigkeit weiterzufahren, trotz der wetterbedingten Gefährdung.
Untersuchung und kritische Fehler
Im Verlauf der Untersuchung kam heraus, dass McCullough, der zuvor angehalten worden war, um ein Gleiswechselproblem zu klären, mit dem Signalmann über mögliche Geschwindigkeitsbegrenzungen sprach. Der Signalmann versicherte ihm, dass die Strecke zwischen den beiden Punkten sicher sei. Kurz nach der Freigabe beschleunigte der Zugführer den Zug, obwohl er durch die starken Regenfälle, die den vorherigen Tag beeinträchtigten, auf der Strecke gefährliche Bedingungen vorfand.
Der Zwischenfall wurde erstmals um 9:37 Uhr gemeldet, als der Zug die Störung erlebte. Laut dem Bericht des Rail Accident Investigation Branch (RAIB) gab es Hinweise darauf, dass die Entgleisung unmittelbar nach der Durchfahrt des Zuges durch die Stelle der Schotterablagerung eintrat. Der Zug war dabei langsamer unterwegs als an einem durchschnittlichen Tag, was jedoch nicht ausreichte, um das Unglück zu verhindern.
Weitere Untersuchungen ergaben, dass das Wetterereignis, welches die Schotterablagerung auf die Gleise spülte, zwischen 8:15 und 9:00 Uhr stattfand. Die Behörden fanden heraus, dass kein spezielles extremwetterbedingtes Krisenteam (EWAT) aktiviert worden war, um die Gefahren durch die widrigen Wetterbedingungen zu überwachen. Trotz der ernsten Natur der Wetterereignisse war das „Gold-Kommandostruktur“-System erst nach dem Unglück aktiv, wodurch die erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen verspätet in Gang gesetzt wurden.
Der Vorfall wurde auf die extrem hohe Arbeitsbelastung im Kontrollraum an jenem Morgen zurückgeführt. Es gab zahlreiche wetterbedingte Zwischenfälle im ganzen Land, was dazu führte, dass das Personal die nötige „situative Wahrnehmung“ vermisste, um Risiken für die einzelnen Züge richtig einzuschätzen. Zudem wurden die verfügbaren Technologien zur Überwachung von Wetterbedingungen, wie das National Rail Weather System, nicht optimal genutzt, obwohl es bereits seit 2015 existiert.
Die Untersuchung zur Entgleisung des Zuges in Stonehaven geht weiterhin, und die Verantwortlichen prüfen nun, wie das Risikomanagement und die Reaktionsstrategien in solch extremen Wetterlagen verbessert werden können, um ähnliche Katastrophen in Zukunft zu verhindern.