Trump knüpft Milliarden für Bahnprojekt an Umbenennung von Flughafen und Bahnhof
Die Arbeit am Gateway-Tunnel, dem dringendsten Infrastrukturprojekt der USA, liegt seit dem 6. Februar 2026 still. Grund ist ein erbitterter Streit zwischen der Bundesregierung und den Bundesstaaten New York und New Jersey, der nun vor Gericht ausgefochten wird. Im Zentrum des Konflikts steht eine ungewöhnliche Forderung von Präsident Donald Trump: Die Freigabe der rund 12 Milliarden Dollar an Bundesmitteln für das 16-Milliarden-Dollar-Projekt sei an die Umbenennung von Washington Dulles International Airport und New Yorks Penn Station nach ihm geknüpft worden.
Projektstopp und Klagen
Die Gateway Development Commission, die für den Bau des neuen zweigleisigen Tunnels unter dem Hudson River verantwortlich ist, hat diese Woche Klage gegen die US-Regierung eingereicht. Sie fordert 205 Millionen Dollar an ausstehenden Zahlungen. Parallel reichten die Bundesstaaten eine separate Klage ein. Der vollständige Stopp der Bauarbeiten gefährdet nach Angaben der Kommission etwa 1.000 Arbeitsplätze. Bisher wurden bereits über eine Milliarde Dollar in das Projekt investiert.
Auf der Baustelle in Manhattan herrschte zuletzt eine düstere Stimmung. Gewerkschaftsvertreter Guido Rivieccio schilderte, wie die Teams Kräne ablegten und Versorgungsleitungen leerlaufen ließen, um Frostschäden zu verhindern – ungewiss, ob die Pause Tage oder Monate dauern wird.
Die offizielle Begründung des Verkehrsministeriums für den seit Oktober 2025 bestehenden Förderstopp ist eine Überprüfung der Projektverträge auf Einhaltung neuer Vorschriften zu Vielfalt und Inklusion. Politiker aus der Region vermuten jedoch politische Motive. Der Stopp fiel mitten in eine 43-tägige Haushaltssperre.
Namensforderung als Bedingung
Wie aus Kreisen um die Verhandlungen bekannt wurde, soll der Senatsminderheitsführer Chuck Schumer im Januar 2026 im Weißen Haus mit Trump zusammentrafen. Dabei sei ihm mitgeteilt worden, die eingefrorenen Gelder würden fließen, wenn er die Umbenennung der beiden Verkehrsknotenpunkte unterstütze. Schumer lehnte dies ab. Er hat keine direkte Entscheidungsgewalt über die Einrichtungen: Penn Station gehört der Bahngesellschaft Amtrak, der Flughafen Dulles untersteht einem regionalen Gremium.
Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, warf Trump daraufhin vor, eine „Rachetour“ zu unternehmen. „Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Milliarden an wirtschaftlichem Nutzen sind gefährdet. Alles, weil Donald Trump Rache übt“, zitierte die New York Times sie.
Die Senatorin Kirsten Gillibrand kritisierte die Taktik scharf. „Diese Namensrechte sind nicht verhandelbar, ebenso wenig wie die Würde der New Yorker“, erklärte sie in sozialen Medien und forderte den Präsidenten auf, „die Menschen in den Vordergrund zu stellen“.
Das Weiße Haus und das Verkehrsministerium haben sich nicht direkt zu den internen Gesprächen geäußert. Die Regierung macht ihrerseits die Demokraten für den Stillstand verantwortlich und verweist auf deren Verweigerung in anderen politischen Fragen wie der Einwanderung.
Der Gateway-Tunnel gilt als kritisch für die gesamte US-Volkswirtschaft. Die bestehenden, 116 Jahre alten Röhren sind marode und ein Nadelöhr auf dem Nordost-Korridor, der wichtigsten Zugstrecke des Landes. Ein Ausfall hätte massive Folgen für Pendler und Güterverkehr.
Der Vorschlag zur Umbenennung, ursprünglich von Punchbowl News und der New York Times berichtet, passt zu Trumps Bestreben, seinen Namen mit öffentlichen Projekten zu verbinden. Erst kürzlich wurden das Kennedy Center und das US-Institut für Frieden nach ihm benannt, zudem startete die Initiative „TrumpRx“ für günstigere Medikamente. Im Dezember 2025 wurden außerdem Angebote für eine Renovierung des Dulles Flughafens eingeholt.
Ein von republikanischen Abgeordneten eingebrachter Gesetzentwurf zur Umbenennung des Flughafens Dulles ist im Kongress bislang nicht vorangekommen. Solange die juristischen und politischen Schlachten andauern, bleibt das Schicksal des Gateway-Projekts und der Arbeitsplätze in der Schwebe.