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Steve Wright nach 26 Jahren für Mord an Victoria Hall verurteilt

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach den Verbrechen ist der als „Suffolk Strangler“ bekannte Steve Wright für den Mord an der 17-jährigen Victoria Hall im Jahr 1999 schuldig gesprochen worden. Das Londoner Old Bailey verurteilte den bereits inhaftierten Mörder am Dienstag zu einer weiteren lebenslangen Haftstrafe mit einer Mindestverbüßungszeit von 40 Jahren.

Spätes Geständnis nach Fortschritten in Forensik

Der Durchbruch in dem jahrzehntealten Fall gelang durch moderne DNA-Analysen. Wrights Erbgut, das seit 2001 aufgrund anderer Straftaten in der Datenbank gespeichert war, konnte mit Spuren am Leichnam von Victoria Hall abgeglichen werden. Angesichts der erdrückenden Beweislage und der Aussicht, dass seine früheren Verbrechen in einem Prozess der Jury vorgelegt würden, änderte Wright sein Plädoyer. Am 2. Februar 2026 gestand er den Mord – sein erstes Geständnis überhaupt.

Die 17-jährige Victoria Hall war in der Nacht zum 19. September 1999 verschwunden, nur 300 Meter von ihrem Zuhause in Trimley St Mary entfernt. Fünf Tage später wurde ihre Leiche in einem Graben in Creeting St Peter, 40 Kilometer entfernt, gefunden. Die Obduktion ergab, dass sie innerhalb Stunden nach ihrer Entführung erstickt worden war.

Bereits in der Nacht zuvor hatte Steve Wright versucht, eine andere junge Frau, Emily Doherty, zu entführen. Sie konnte fliehen und die Polizei alarmieren. Doherty sagte später aus, sie sei „nie so verängstigt“ gewesen und fühlte, „dass ihr Herz explodieren würde“. Ihre Anzeige wurde damals jedoch nicht ernst genommen.

Obwohl Wright weniger als eine Meile vom Tatort entfernt wohnte und auf das Täterprofil passte, identifizierte die Suffolk Police ihn damals nicht als Verdächtigen. Ein anderer Mann wurde angeklagt, aber freigesprochen.

Jahrzehntelanges Leiden der Familie

Für die Familie des Opfers bedeutet das Urteil einen späten, aber schmerzhaften Schlusspunkt. „Wir haben 26 Jahre Hölle durchlitten, die von heute an und für immer weitergehen wird“, sagte Graham Hall, Victorias Vater, außerhalb des Gerichts. Tragischerweise starb Victorias Mutter, Lorinda Hall, im Dezember 2025, nur wenige Wochen vor Wrights Geständnis.

Richter Mr. Justice Bennathan räumte ein, dass das neue Urteil angesichts der bereits gegen Wright verhängten lebenslangen Haftstrafe „kaum einen Unterschied“ mache. Es sei jedoch seine Pflicht, ein angemessenes Strafmaß zu verhängen, auch wenn dies „den Verlust und die Trauer der hinterbliebenen Familie niemals heilen könne“. Die Einzelstrafen – 40 Jahre für Mord, 12 für Entführung und 9 für versuchte Entführung – laufen gleichzeitig.

Wrights kriminelle Karriere war 2006 mit dem Mord an fünf Frauen in Ipswich grausam eskaliert, was zu seiner ersten Verurteilung und einer lebenslangen Haftstrafe führte. Der Richter sagte zu Wright: „Aus Gründen, die nur Sie kennen, haben Sie sie weggeschnappt und dieses junge Leben zerstört.“

Der Fall hat neue Fragen zu polizeilichen Ermittlungen bei ungelösten Verbrechen aufgeworfen. Die Staatsanwältin Jocelyn Ledward KC teilte dem Gericht mit, die Suffolk Police werde über Form und Umfang einer möglichen Untersuchung zu verpassten Gelegenheiten entscheiden. Wrights Ex-Frau und sein Bruder fordern zudem, ihn mit weiteren ungelösten Morden und Vermisstenfällen in Verbindung zu bringen, darunter das Verschwinden der Maklerin Suzy Lamplugh im Jahr 1986.

Für die Familie Hall und die Gemeinschaft in Suffolk bleibt ein bitterer Trost: der Mörder ist endgültig zur Rechenschaft gezogen. Doch das Vermächtnis dieses Falls – geprägt von Verlust, Durchhaltevermögen und unbeantworteten Fragen – wird noch lange nachhallen.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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