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Sternekoch Ben Murphy eröffnet 74 Charlotte Street mit Fokus auf Zugänglichkeit

Der preisgekrönte Koch Ben Murphy hat mit „74 Charlotte Street“ in London ein neues Restaurant eröffnet, das bewusst auf formelle Fine-Dining-Etikette verzichtet. Das Lokal in der ehemaligen Location von Monica Galettis „Mere“ bietet Platz für 80 Gäste auf zwei Ebenen.

Neuanfang nach Launceston Place

Murphy, der 2022 zum National Chef of the Year gewählt wurde, verließ Ende 2024 das Kensington-Restaurant Launceston Place nach sieben Jahren. Eigentlich wollte er eine längere Auszeit nehmen, doch das Angebot von Alessandro Fasoli, Geschäftsführer von WSH Restaurants, führte zu einer schnellen Neugründung. Bereits Ende Oktober 2024 öffnete das nach seiner Adresse benannte „74 Charlotte Street by Ben Murphy“.

Interessant ist die Wahrnehmung seines vorherigen Wirkungsorts: Viele Gäste gingen fälschlicherweise davon aus, dass Launceston Place unter Murphys Leitung einen Michelin-Stern trug. „Das war die Wahrnehmung der Gäste, aber nein“, korrigiert Murphy. Ein Stern bleibe ein persönlicher Wunsch, doch er wolle nicht riskieren, das jetzt Geschaffene dadurch zu verderben.

Sein Konzept ist ein kalkulierter Gegenentwurf zur klassischen Sterneküche. „Ich möchte mich von diesem ‚Fine-Dining‘-Begriff entfernen. Er ist einschüchternd und weckt Erwartungen, die ich nicht haben möchte“, erklärt der 35-Jährige. Stattdessen strebt er eine Atmosphäre mit „großartigen Cocktails, guter Stimmung, guter Musik“ und einem entspannten Service an.

Refinierte, aber zugängliche Küche

Die Speisekarte spiegelt diesen Ansatz wider. Sie bietet eine Mischung aus Klassikern wie Beef Wellington und Hummerpastete sowie kreativen Gerichten wie einem „Fish and Chip Taco“. Murphy bezeichnet dies als „verfeinerte, aber zugängliche“ Küche. Die Preispolitik unterstreicht dies: Ein zweigängiges Menü zum Mittag kostet 30 Pfund, drei Gänge 35 Pfund. Dieses Angebot gilt auch freitags und samstags zwischen 17 und 19:30 Uhr.

Besonderes Augenmerk legt Murphy auf die Beziehung zu seinen Lieferanten, mit denen er täglich spricht. Der Verlust dieser Kontakte in den letzten Monaten bei Launceston Place, veranlasst durch die damalige Restaurantgruppe D and D, war ein Hauptgrund für seinen Weggang. Ein weiterer Grund war die Erschöpfung: „Ich wollte mich normal fühlen, nicht nur ständig müde.“

Dennoch arbeitet der Koch mit ungebrochener Energie. Um 6:30 Uhr beginnt er seinen Tag mit dem Brotbacken, um Konsistenz zu gewährleisten. „Ich gedeihe bei den langen Stunden“, gesteht er. Diese Haltung wird durch den neuen Namen an der Tür bestärkt.

Um Barrieren abzubauen, setzt Murphy auf unkonventionelle Maßnahmen: Ein A-Board vor der Tür lädt spontane Gäste ein, es gibt DJ-Nächte und eine spezielle Kindermenü für 16 Pfund inklusive Auswahl vom Eiscreme-Wagen – eine Hommage an die Ice Cream Factory von Pizza Hut. „Wir hatten 70 Gäste an einem kalten Donnerstag im Januar, Leute haben getanzt“, berichtet er.

Die Resonanz scheint das Konzept zu bestätigen. Murphy verrät, dass es bereits Stammgäste gibt, die das Restaurant innerhalb der ersten zwölf Wochen fünf- oder sechsmal besucht haben. Für die Zukunft sind leichte Änderungen an der Bar und neue Kunstwerke geplant. Sein Hauptaugenmerk bleibt jedoch auf Produktqualität und Gästezufriedenheit: „Wenn sie gehen, wollen sie dann zurückkehren? Und, toi toi toi, wir hatten bisher keine Beschwerden.“

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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