Starmer unter Druck: Berater-Affäre um Mandelsons Epstein-Verbindung
Die Ernennung von Lord Peter Mandelson zum Botschafter in den USA entwickelt sich zur ernsten Krise für Premierminister Sir Keir Starmer. Der Druck auf den Labour-Chef wächst, seinen mächtigsten Berater, Stabschef Morgan McSweeney, zu entlassen, dem zahlreiche Abgeordnete die Verantwortung für die umstrittene Personalie zuschreiben.
Dokumentenflut und Forderungen nach Konsequenzen
Ein Parlamentsbeschluss hat die Veröffentlichung tausender Dokumente zu Mandelsons Ernennung erzwungen. Diese Papiere sollen unter anderem die Vorgänge bei der Sicherheitsüberprüfung des Peers beleuchten, der Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unterhielt. Premierminister Starmer behauptet, die Akten würden beweisen, dass Mandelson während dieser Überprüfung gelogen habe. Gleichzeitig könnte die Offenlegung von Nachrichten zwischen dem Lord und Regierungsmitgliedern der Regierung peinlich werden.
Die Veröffentlichung wird sich jedoch verzögern. Das parlamentarische Geheimdienstkomitee muss zunächst alle Dokumente prüfen, die die Regierung aus Sicherheitsgründen zurückhalten möchte. Die Metropolitan Police hat ebenfalls um Zurückhaltung bestimmter Akten gebeten, um eine laufende strafrechtliche Untersuchung nicht zu gefährden. Diese untersucht den Vorwurf, Mandelson habe als Wirtschaftsminister nach der Finanzkrise 2008 marktsensible Informationen an Epstein weitergegeben.
Unterdessen mehren sich die Rufe nach personellen Konsequenzen in Starmers engstem Umfeld. Der einfache Abgeordnete Simon Opher forderte im BBC-Programm „Today“ eine „grundliche Sauberkeit in der Nummer 10“ und merkte an: „Wenn mein Stabschef das getan hätte, glaube ich, wäre er auf Jobsuche.“ Weitere Labour-Abgeordnete wie Clive Efford und Patrick Hurley schlossen sich der Forderung nach McSweeneys Abgang an.
Premier unter Beschuss, doch Rückhalt bröckelt
Die Kritik folgt auf einen Vorstoß der ehemaligen Labour-Vizechefin Baroness Harriet Harman. Sie warnte, Starmer müsse einen „echten Neuanfang“ in der Downing Street erwägen, andernfalls könnte seine Amtszeit gefährdet sein. Ein gutes Dutzend Labour-Abgeordnete unterstützte zudem einen Aufruf der linken Abgeordneten Nadia Whittome für eine volle öffentliche Untersuchung der Epstein-Verbindungen ins britische Establishment. Die Mehrheit der Parlamentarier fordert jedoch weiterhin nicht den Rücktritt des Premierministers selbst, sondern betont ihre Unterstützung für ihn, während sie einen Wechsel im Beraterstab verlangen.
Ein Regierungssprecher bekräftigte, Sir Keir habe „vollstes Vertrauen“ in Stabschef McSweeney. In einer Rede am Donnerstag hatte sich Starmer bereits verteidigt, Mandelson des Lügens bezichtigt und sich bei Epsteins Opfern dafür entschuldigt, dessen „Lügen“ geglaubt zu haben. Er beteuerte: „Keiner von uns wusste von der Tiefe der Dunkelheit“ in Mandelsons Verhältnis zu Epstein zum Zeitpunkt der Ernennung.
Lord Mandelson selbst hat sich öffentlich noch nicht geäußert. Der BBC liegt jedoch das Verständnis vor, dass er darauf beharrt, nicht strafrechtlich gehandelt zu haben und nicht aus persönlicher Bereicherung gehandelt zu haben. Die Regierung betont unterdessen ihre „Verpflichtung zu Transparenz“ und arbeitet an der Zusammenstellung der umfangreichen Dokumente, die wohl stückweise veröffentlicht werden.