s’Maximilianäum: Ein Kabarettist auf der Flucht

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s’Maximilianäum: Ein Kabarettist auf der Flucht

Martin Frank tritt zweimal an einem Abend im Stadttheater auf. Corona ist das Hauptmotiv.

Mitten in der Sperrstunde: Ein Kabarettist auf der Flucht

Endlich mal ein Publikum, bei dem man spürt, wie ein Programm ankommt: Ein bekannter Kabarettist wie Martin Frank tritt trotz hoher Kartennachfrage aus purer Begeisterung zweimal hintereinander am selben Abend in der gleichen Stadt auf, damit alle Vorschriften wie Abstände und Auftrittsdauer eingehalten werden.

Die Kleinkunstbühne im Landsberger s’

Maximilianeum hat es geschafft, die letzte Vorstellung der Saison 2020/2021, die vor Corona angesetzt war, so zu gestalten, dass alle Interessierten Kabarett live im Stadttheater genießen konnten. Sie wurden nicht enttäuscht: Das Publikum erlebte einen jovialen, kommunikativen Martin Frank, der sein Programm “Einer für alle – alle für keinen” ohne Unterbrechung und, wohl entgegen dem Zeitdruck, ganz auf der Bühne vortrug.

Worum es genau geht? Eigentlich um alles, sogar um das Leben selbst: Martin Frank redet sich durch die Seltsamkeiten und Abgründe des menschlichen Daseins, verwebt Geschichte, Gegenwart und Zukunft zu einem wirren Teppich, der auf dem Bauernhof seiner niederbayerischen Heimat ausgelegt wird, wie man vermuten könnte. Vor allem aber geht es um Corona und Lockdown und die damit einhergehenden Veränderungen, die vor allem die Kulturszene zu spüren bekam. Ist sie systemrelevant? “Unsere Künstler sind es nicht, aber lasst die Bundesliga in Ruhe!” Martin Frank spricht über Gurkenhobel-Erziehung, Homeschooling mit Cousins und Neffen und Hausarbeit. Schließlich lässt sich mit einem “Homeoffice in der Unterhose” kein Geld verdienen, meint zumindest Franks Vater. Für bezahlbare Arbeit müssten sie in ihre Gummistiefel schlüpfen.

Frank erzählt vom Kochen, Fensterputzen und Geschirrspüler einräumen und hat sich über alles Mögliche Gedanken gemacht – nicht nur über Vegetarier und die Bedeutung von Fleisch oder die Datenschutzblüten, die Klassenfotos unmöglich machen. Das Ergebnis. “Die Leut san empfindlich worn.” Es mangelt an einem gewissen Maß an Empathie. Heilbar durch einen Perspektivwechsel? Möglich, zumindest führt Frank einige Beispiele an, die zum Teil komisch, aber alle durchaus plausibel sind. Dass Martin Frank sich zu Beginn der Vorstellung als “Florian Silbereisen des Kabaretts” ankündigt – ist das mehr oder weniger gelungen? Das bleibt dem Publikum überlassen.

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