Serienmörder Steve Wright wegen Mordes an Teenager erneut zu lebenslanger Haft verurteilt
Ein Londoner Gericht hat den als „Suffolk Strangler“ bekannten Serienmörder Steve Wright wegen des Mordes an der 17-jährigen Victoria Hall zu einer weiteren lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der 67-Jährige hatte sich schuldig bekannt, das Mädchen im September 1999 entführt und getötet zu haben. Die Verurteilung bringt nach über 25 Jahren späte Gerechtigkeit für die Familie des Opfers.
Ein Fall mit verheerenden Versäumnissen
Die Verhandlung am Old Bailey offenbarte schwere polizeiliche Fehler. Am Tag vor Victorias Verschwinden hatte Wright bereits versucht, die 22-jährige Emily Doherty zu entführen. Sie konnte fliehen und erstattete Anzeige. In einer Opferaussage sagte Doherty, sie sei „wütend“, dass die Polizei sie damals wie ein „albernes kleines Mädchen“ behandelt und den versuchten Kidnapping nicht ernst genommen habe. „25 Jahre lang habe ich mich gefragt: Was wäre, wenn sie meine Aussage ernst genommen hätten? Könnte Victoria dann noch am Leben sein?“, fragte sie das Gericht.
Die Staatsanwaltschaft kündigte an, über Format und Umfang einer Untersuchung der mutmaßlich verpassten Chancen der Suffolk Police werde nach der Verhandlung entschieden.
Das Verbrechen und die späte Aufklärung
Victoria Hall war in der Nacht zum 18. September 1999 nach einem Diskobesuch in Felixstowe mit einer Freundin unterwegs nach Hause. Gegen 2.20 Uhr trennten sich ihre Wege. Kurz darauf hörte die Freundin „zwei hohe, weibliche Schreie“, als Wright das Mädchen in seinen burgunderroten Ford Granada Scorpio zwang. Wright ermordete und missbrauchte Victoria sexuell, bevor er ihre Leite, bis auf ihren Schmuck entkleidet, in einem Entwässerungsgraben bei Creeting St Peter ablegte – etwa 40 Kilometer vom Tatort entfernt.
Ein Spaziergänger fand die Leiche sechs Tage später; sein Hund hatte ihn auf das Objekt aufmerksam gemacht, das wie eine „lebensgroße Gummipuppe“ aussah. Wright verkaufte daraufhin sein Auto und reiste nach Thailand.
Der Durchbruch in dem lange kalten Fall gelang erst 2021 durch modernisierte DNA-Analyse. Wrights Erbgut war bereits nach einer Verurteilung wegen Diebstahls im Jahr 2001 in die nationale Datenbank gelangt. Dieser Eintrag führte auch zu seiner Verurteilung im Jahr 2006 für den Mord an fünf weiteren Frauen in Ipswich, für die er bereits eine lebenslange Haft ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung verbüßt.
Richter Mr. Justice Bennathan verhängte nun eine weitere lebenslange Strafe mit einer Mindestverbüßungszeit von 40 Jahren. Er sagte, keine Strafe könne den „Verlust und die Trauer“ der Familie wettmachen. Ein Ende der Haft sei „außerordentlich unwahrscheinlich“. Victorias Bruder Steven Hall, der bei der Tat 15 Jahre alt war, sagte dem Gericht: „Es sind 26 Jahre vergangen, aber die Zeit heilt nicht. Man muss einfach lernen, damit zu leben.“
Die Familie hatte zusätzliches Leid ertragen müssen, als ein Jahr nach dem Mord ein völlig unschuldiger 25-jähriger Geschäftsmann angeklagt und von einer Jury freigesprochen wurde. Victorias Mutter Lorinda starb im Dezember, noch bevor Wright für diesen Mord zur Rechenschaft gezogen wurde.