Schottlands Einkaufsstraßen verlieren zahlreiche bekannte Geschäfte und Gastronomiebetriebe
Die schottische Einkaufslandschaft hat im vergangenen Jahr einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Eine Reihe etablierter Einzelhändler und Restaurantketten musste Filialen schließen oder ist vollständig vom Markt verschwunden. Experten sehen in dieser Entwicklung eine Fortsetzung eines anhaltenden Trends, der durch hohe Kosten und verändertes Konsumverhalten angetrieben wird.
Filialsterben und Rettungsversuche
Besonders auffällig waren die massiven Umstrukturierungen bei der Billigkette Poundland. Nach der Übernahme durch die Investmentfirma Gordon Brothers im Juni 2025 reduzierte das Unternehmen seine Filialen von 800 auf 651 bis Ende des Jahres. In Schottland schlossen dauerhaft Geschäfte in Broxburn, Port Glasgow, Dundee, Edinburgh, Kilmarnock und Perth. Einige andere Standorte, wie etwa in Coatbridge und Livingston, konnten durch Mietverhandlungen gerettet werden.
Ebenfalls nur knapp der Insolvenz entgangen ist der Modehändler River Island. Das Unternehmen schloss bis Ende Januar 2026 insgesamt 33 seiner britischen Filialen, darunter sechs in Schottland: Perth, Kilmarnock, Falkirk, Kirkcaldy, Edinburgh und Cumbernauld. Der Plan umfasste zudem drastische Mietreduzierungen bei 71 Läden, wobei 24 Geschäfte vorübergehend sogar mietfrei weiterbetrieben werden sollen.
Die Modekette Quiz, 1993 in Glasgow gegründet, fiel bereits im vergangenen Jahr in die Insolvenz und schloss 23 Läden. Betroffen waren unter anderem Standorte in Dundees Overgate, Falkirks Howgate und Glasgows Forge. Nun sucht das Unternehmen erneut nach einem Rettungspaket, um den Kollaps seiner verbliebenen 40 Filialen abzuwenden.
Völlig vom Markt verschwunden ist die Drogeriekette Bodycare. Nach gescheiterten Rettungsbemühungen der Eigentümer ging das Unternehmen im September 2025 in die Verwaltung und schloss alle 147 britischen Filialen. Gründe waren steigende Kosten und Finanzierungsengpässe, die zu Lieferproblemen führten.
Betriebe in Verwaltung und ungewisse Zukunft
Mehrfach von Krisen getroffen wurde der Accessoires-Händler Claire’s. Nach einem ersten Insolvenzverfahren Ende 2025 und der Schließung von 145 Läden, darunter 16 in Schottland, meldete das Unternehmen nur wenige Monate später erneut Insolvenz an. Schwache Verbrauchernachfrage und hohe Kosten belasten die verbliebenen 154 britischen Filialen.
In eine ähnliche Situation geriet The Original Factory Shop, das ebenfalls zum Modella-Capital-Portfolio gehört. Nach einer Restrukturierung mit 22 Schließungen im Jahr 2025, die sechs schottische Städte traf, steht nun die Zukunft weiterer 29 Filialen in Schottland auf dem Spiel. Probleme mit einem Logistikpartner belasteten zusätzlich den Umsatz.
Die Revolution Bar Group startete ins Jahr 2026 mit der Ankündigung, 21 Standorte zu schließen, was 591 Arbeitsplätze kostete. In Schottland betraf dies bereits den Rev de Cuba in Aberdeen und die Revolution Bar in Glasgows Renfield Street. Die Marken wurden jedoch von der Neos Hospitality Group übernommen.
Weitere namhafte Schließungen gab es im Gastronomie- und Dienstleistungsbereich. Die amerikanische Restaurantkette TGI Fridays schloss sofort 16 Filialen, darunter die in der Edinburgh Castle Street und am Aberdeen Beach Boulevard. Die Sushikette YO! Sushi gab ihr Flaggschiff in Glasgows West George Street auf, nachdem bereits ein Standort in der Princes Street in Edinburgh geschlossen worden war. Damit verbleiben nur noch zwei Filialen in ganz Schottland.
Selbst der französische Sportartikelhändler Decathlon überraschte mit der Schließung seines einzigen Geschäfts in Aberdeen. Die leerstehende Fläche im Union Square Shopping Mall wird jedoch bald von einem neuen IKEA übernommen, der am 1. März dort eröffnen soll.
Die Krebshilfeorganisation Cancer Research UK kündigte an, innerhalb von zwei Jahren 190 ihrer Charity-Shops zu schließen. Die erste Welle bis Mai 2026 betrifft 88 Läden, darunter neun in Schottland. Ein Geschäft auf Glasgows Victoria Road schloss bereits im November 2025. Bis April 2027 sollen weitere 100 folgen.
Einen herben Verlust für Familien bedeutete die Schließung des einzigen The Entertainer-Spielzeugladens in Dundee zu Jahresbeginn. Für den nächsten reinen Markenstore müssen Kunden nun 65 Kilometer bis nach Dunfermline fahren. Als Grund nannte das Management den schwachen Kundenverkehr im Wellgate Shopping Centre.
Auch die Filialnetze der Banken schrumpfen weiter. Santander schloss 2025 insgesamt 76 Niederlassungen, darunter in schottischen Städten wie Arbroath, Glasgow und Peterhead. Zudem wurden bei 36 weiteren Filialen die Öffnungszeiten reduziert.
David Lonsdale vom British Retail Consortium kommentierte die Entwicklung: „Angesichts dieser schwierigen Umstände überrascht es kaum, dass Läden schließen und einige Unternehmen in die Insolvenz gehen“, sagte er. Er forderte die politischen Parteien in Schottland auf, vor der anstehenden Wahl wirtschaftliches Wachstum zu priorisieren und die Geschäftskosten niedrig zu halten.
Als zentrale Gründe für die Krise des Einzelhandels werden allgemein die hohe Inflation, steigende Mieten und Lohnkosten, erhöhte Unternehmensabgaben sowie die anhaltende Verlagerung des Konsums in den Online-Handel genannt. Diese Faktoren setzen die traditionellen Einkaufsstraßen weiter unter Druck, ein Trend, der sich voraussichtlich auch in 2026 fortsetzen wird.