Schottischer Richterin benötigt Zeit für komplexes Urteil zu Trans-Gefangenen
Fall-by-Fall versus starre Regel
Die schottische Richterin Lady Ross hat die Verhandlung über die Unterbringung von Transgender-Häftlingen nach dreitägiger Anhörung vertagt. Sie kündigte an, dass eine Entscheidung in dem komplexen Rechtsstreit nicht „sehr schnell“ zu erwarten sei. Die Kampagnengruppe For Women Scotland (FWS) fordert in ihrem Antrag auf gerichtliche Überprüfung ein Ende der aktuellen Praxis des Scottish Prison Service (SPS), einige Trans-Frauen in der Frauenhaftanstalt unterzubringen.
Gerry Moynihan KC, der Anwalt der schottischen Regierung, verteidigte vor dem Court of Session in Edinburgh den fallweisen Einzelfall-Ansatz der Minister. Er argumentierte, dass etwa 75 Prozent der Trans-Gefangenen bereits entsprechend ihrem biologischen Geschlecht untergebracht seien. Ein starres Verbot für die verbleibenden Fälle wäre eine „fundamentale Aberkennung ihrer Geschlechterwahl“, die nur auf Semantik beruhe, so Moynihan. Besonders verwies er auf die Menschenrechte und die Pflicht des Staates, Suizidrisiken ernst zu nehmen, die bei Unterbringung nach dem Geburtsgeschlecht entstehen könnten.
Hintergrund: Bryson-Urteil und Supreme Court
Der aktuelle Rechtsstreit wurde durch den Aufschrei um die verurteilte Vergewaltigerin Isla Bryson – früher Adam Graham – befeuert. Bryson war zunächst 2023 in das Frauengefängnis Cornton Vale in Stirling eingewiesen worden, bevor ein Transfer in eine Männeranstalt erfolgte.
For Women Scotland beruft sich auf einen Erfolg vor dem Obersten Gerichtshof des Vereinigten Königreichs vom April des Vorjahres. Dieses hatte klargestellt, dass der Begriff „Frau“ im Gleichstellungsgesetz eine biologische Frau bezeichne. Der Anwalt der Gruppe, Aidan O’Neill KC, griff in seiner Argumentation die Sorge der Regierung vor Suizidrisiken an. Er verwies auf eine eidesstattliche Erklärung der ehemaligen Gefängnisdirektorin Rhona Hotchkiss, wonach eine spezielle Einheit für Trans-Gefangene „ziemlich leicht“ eingerichtet werden könnte.
Richterin Lady Ross dankte den Parteien für ihre Ausführungen und bat um Geduld. „Ich hoffe, es wird verstanden, dass es angesichts der vorgebrachten Argumente und der Komplexität einiger zugrundeliegender Fragen eine Weile dauern wird“, sagte sie. Sie versprach, die Angelegenheit so schnell wie vernünftig und verantwortungsvoll zu behandeln. Ein Urteil würde jedoch nicht in Kürze erwartet werden können.