Schigellen-Ausbruch und Todesfälle alarmieren britische Touristen in Kap Verde
Der paradiesische Ruf von Kap Verde als günstige Alternative zu den Karibikinseln geriet in den letzten Monaten ins Wanken, nachdem mehrere britische Touristen während ihres Aufenthalts in den Resorts des Landes erkrankten und starben. Vier Briten – Elena Walsh, Karen Pooley, Mark Ashley und David Smith – verloren innerhalb von nur drei Monaten ihr Leben, nachdem sie sich bei einem Urlaub in den beliebten Riu-Hotels auf den Kapverdischen Inseln mit der hoch ansteckenden Schigellen-Bakterieninfektion infizierten. Die Todesfälle und die landesweiten Ausbrüche dieser Krankheit haben Besorgnis ausgelöst und verstärkten die Forderungen nach Verbesserungen im Gesundheitswesen des Archipels, das zunehmend mehr internationale Touristen anzieht.
Medizinische Mängel und unzureichende Versorgung
Der Fall von Elena Walsh, einer 64-jährigen Rentnerin aus Birmingham, war der erste, der Schlagzeilen machte. Walsh reiste Anfang August 2022 mit ihrer Familie nach Kap Verde, um ihre bevorstehende Pensionierung und die Verlobung ihres Sohnes zu feiern. Doch was als freudiger Urlaub begann, endete in einer Tragödie, als Walsh innerhalb weniger Tage nach der Ankunft erkrankte und an Herzversagen starb, nachdem sie in einem lokalen Krankenhaus versorgt worden war. Die Ärzte hatten zunächst eine Blinddarmentzündung vermutet, doch nach einer Obduktion stellte sich heraus, dass die eigentliche Todesursache ein Herzversagen war, während gastrointestinale Probleme als sekundär aufgeführt wurden.
Walshs Tod war jedoch kein Einzelfall. In den Monaten danach erkrankten auch Karen Pooley (64), Mark Ashley (55) und David Smith (54), die alle während ihres Aufenthalts in den Riu-Hotels ernsthaft erkrankten und aufgrund unzureichender medizinischer Versorgung starben. Während Pooley, die an Zerebralparese litt, eine Oberschenkelfraktur erlitt und tagelang ohne dringend notwendige Operation in einem der lokalen Kliniken ausharrte, starb David Smith, ein Diabetiker, an den Folgen einer schweren Magen-Darm-Erkrankung, ohne rechtzeitig in ein besser ausgestattetes Krankenhaus verlegt werden zu können.
Die britischen Gesundheitsbehörden reagierten auf den Anstieg der Schigellen-Fälle, einer bakteriellen Infektion, die schwere Magen-Darm-Probleme verursacht, und warnten vor einem Ausbruch, der besonders britische Touristen betraf. Von Oktober bis Dezember 2022 wurden 137 Fälle registriert, von denen etwa 80 Prozent der Betroffenen kürzlich von Kap Verde zurückgekehrt waren. Ein ähnlicher Anstieg wurde in anderen europäischen Ländern wie Schweden, Irland und Frankreich festgestellt, die alle mit Reisen nach Kap Verde in Verbindung standen.
Während des Ausbruchs gab es Berichte über mangelnde Information und unzureichende Hygienemaßnahmen in den Hotels. Jess Richards, eine frisch verheiratete 31-jährige Britin, die während ihrer Hochzeitsreise in einem der Riu-Hotels erkrankte, berichtete, dass sie von der Gefahr der Schigellen-Infektionen vor ihrer Reise nichts wusste. Nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien wurde bei ihr Schigellen diagnostiziert, was zu einer Entschädigung in Höhe von 4.000 Pfund durch den Reiseveranstalter Tui führte. Richards warnte andere Touristen: „Geht nicht nach Kap Verde. Eure Gesundheit und das Geld, das ihr dafür ausgebt, sind das Risiko nicht wert.“
Am 15. Dezember 2022 gab das britische Außenministerium schließlich eine offizielle Gesundheitswarnung für Kap Verde heraus. Es wurde empfohlen, regelmäßig die Hände zu waschen, nur frisch zubereitetes, heißes Essen zu essen und das Schwimmbadwasser zu meiden. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Schwangere und Reisende mit bestehenden Gesundheitsproblemen.
Die verstärkten Sicherheitsbedenken führten zu einer Klagewelle gegen den Reiseveranstalter Tui, dem vorgeworfen wurde, seine Pflicht zur Sicherstellung der Lebensmittelsicherheit und der Hotelbedingungen verletzt zu haben. Mehrere Klagen beinhalteten Diagnosen wie E. coli, Salmonellen und Schigellen, nachdem die betroffenen Touristen aus den Riu-Hotels zurückgekehrt waren. Obwohl Tui und die Riu-Hotels das Bedauern über die Vorfälle äußerten, bestritten sie jegliche Haftung.
Die steigende Zahl von Touristen, die in Kap Verde erkranken oder sterben, hat auch die weltweiten Gesundheitsstandards und die medizinische Infrastruktur des Landes in den Fokus gerückt. Es gab wiederholte Berichte über chaotische Bedingungen in den lokalen Kliniken, die von vielen Betroffenen als „Kriegszone“ beschrieben wurden. In den letzten Jahren hat die Zahl der Touristen, insbesondere aus Großbritannien, deutlich zugenommen, was die Belastung der ohnehin schon überlasteten Gesundheitseinrichtungen noch verstärkt hat.
Die britischen Familien, die ihre Angehörigen verloren, fordern nun nicht nur Entschädigungen, sondern auch grundlegende Verbesserungen der Infrastruktur und der medizinischen Versorgung in Kap Verde. Diese tragischen Vorfälle werfen einen Schatten auf die wachsende Popularität des Urlaubsparadieses, das als Alternative zu den teureren Karibikinseln galt. Experten warnen, dass die schnell steigende Zahl von Touristen und die mangelnden Gesundheitsressourcen in Kap Verde ein gefährliches Ungleichgewicht darstellen, das dringend behoben werden muss.