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Sainsbury’s entschuldigt sich nach falscher Festnahme durch Gesichtserkennung

Eine falsche Identifizierung durch ein Sicherheitssystem hat in einem Londoner Sainsbury’s-Markt zu einem demütigenden Vorfall für einen Stammkunden geführt. Warren Rajah wurde fälschlicherweise als Dieb behandelt und aus der Filiale Elephant and Castle eskortiert.

Dem Mann wurde von Mitarbeitern befohlen, seinen Einkauf zurückzulassen und das Geschäft zu verlassen. Auf Nachfrage verwiesen sie laut Berichten lediglich auf ein Schild, das über den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie informiert. „Es war der demütigendste Moment meines Lebens, vor den Augen meiner Gemeinschaft aus dem Geschäft gebracht zu werden, in dem ich seit zehn Jahren einkaufe“, sagte Rajah dem „Metro“.

Sainsbury’s und der beteiligte Software-Anbieter Facewatch stufen den Vorfall jedoch nicht als Technikfehler ein. Facewatch gab an, es habe „keine Vorfälle oder Warnmeldungen“ im Zusammenhang mit Rajah gegeben. Das Unternehmen entschuldigte sich dennoch und verwies auf Standardverfahren zur Identitätsprüfung.

Menschliches Versagen oder Systemproblem?

Ein Sprecher von Sainsbury’s erklärte, man habe sich bei Herrn Rajah aufrichtig entschuldigt. „Es handelte sich nicht um ein Problem mit der eingesetzten Gesichtserkennungstechnologie, sondern darum, dass die falsche Person im Geschäft angesprochen wurde“, so die offizielle Stellungnahme. Als Entschädigung bot der Supermarkt-Riese dem Kunden einen 75-Pfund-Gutschein an.

Der Vorfall wirft Fragen zur Transparenz und zum Datenschutz auf. Rajah kritisierte gegenüber „The Standard“, dass die Kunden nicht ausreichend über ihre Rechte informiert würden. „Sie haben den Menschen nicht einmal ein klares Verständnis für das Verfahren vermittelt, das man befolgen kann“, monierte er.

Um seinen Namen zu klären, musste er sein Foto und eine Kopie seines Reisepasses an Facewatch senden – ein Vorgang, bei dem er auch die Sicherheit der Daten infrage stellt.

Hintergrund und geplante Ausweitung

Sainsbury’s testet die Gesichtserkennungssoftware Facewatch seit September des letzten Jahres in ausgewählten Filialen, um auf steigende Diebstähle im Einzelhandel zu reagieren. Die Technologie kommt derzeit in fünf Londoner Geschäften zum Einsatz: in Elephant and Castle, Dalston, Ladbroke Grove, Camden und Whitechapel, sowie in Sydenham und Bath Oldfield Park. Das Unternehmen hat sein Ziel bekräftigt, die Systeme in Zukunft weiter auszurollen.

Laut Sainsbury’s weist das eingesetzte System eine Genauigkeitsrate von 99,98 Prozent auf und alle Meldungen würden von geschulten Mitarbeitern überprüft, bevor Maßnahmen ergriffen werden. Rajah hinterfragt diese Zahlen: „Was sind die Daten hinter diesen Zahlen? Wie können wir die Richtigkeit dieser Behauptungen überprüfen?“

Gesichtserkennung wird in London bereits an vielen Orten genutzt und hat beispielsweise zur Ergreifung eines Serientäters in der Oxford Street beigetragen. Der Fall in Elephant and Castle zeigt jedoch die potenziellen menschlichen und systematischen Fallstricke hinter den präzise klingenden Statistiken auf.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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