Rumänien startet landesweites E-SIGUR-Verkehrssystem
Rumänien nimmt eine wichtige Neuerung im Bereich der Verkehrssicherheit und -verwaltung vor: Das landesweite E-SIGUR-Projekt, ein hochmodernes System zur Digitalisierung der Straßeninfrastruktur, wird in den kommenden Jahren eine grundlegende Veränderung in der Überwachung und Verwaltung des Straßenverkehrs bewirken. Das Projekt, dessen Gesamtwert sich auf rund 82,05 Millionen Lei (ohne Mehrwertsteuer) beläuft, wird durch nicht rückzahlbare europäische Mittel aus dem Verkehrsprogramm 2021–2027 finanziert. Laut den Berichten von Profit.ro und anderen lokalen Quellen wird die Umsetzung des Projekts über einen Zeitraum von 22 Monaten erfolgen.
Im Mittelpunkt des E-SIGUR-Systems steht der Einsatz von 400 leistungsstarken Videoüberwachungskameras, die mit Radartechnologie ausgestattet sind und strategisch auf den wichtigsten Nationalstraßen und Autobahnen Rumäniens platziert werden. Zu den Hauptstrecken gehören unter anderem die stark frequentierten Autobahnen A1, A2 und A3. Diese Kameras werden nicht nur die Geschwindigkeitsüberwachung und die automatische Kennzeichenlesung ermöglichen, sondern auch die Kontrolle von Mautzahlungen (Rovinieta) und die Erkennung von Verkehrsverstößen automatisch durchführen.
Ein umfassendes System zur Verkehrskontrolle
Das E-SIGUR-System basiert auf drei Hauptpfeilern: der Installation fortschrittlicher technischer Ausrüstung, der automatischen Verarbeitung von Verkehrsdaten und der manuellen Überprüfung von Vorfällen. Neben der Überwachung und Durchsetzung von Verkehrsregeln wird das System auch die Möglichkeit bieten, die Verkehrsmuster zu analysieren, Notfalleinsätze schneller zu koordinieren und umfassende qualitative sowie quantitative Daten zur Optimierung der Verkehrsinfrastruktur zu sammeln.
Die Daten werden zentral verarbeitet, um Verstöße zu erkennen, während Vorfälle zur manuellen Prüfung weitergeleitet werden, um die Genauigkeit und Fairness zu gewährleisten. Weitere zukünftige Erweiterungen des Systems könnten die Echtzeit-Überwachung zur sofortigen Reaktion auf Unfälle sowie die Validierung von Versicherungen und technischen Inspektionen (ITP und RCA) umfassen.
Das Projekt ist eng mit der Nationalen Verkehrssicherheitsstrategie Rumäniens für 2022–2030 verknüpft. Diese sieht vor, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2050 nahezu auf null zu senken. Das E-SIGUR-System wird als Schlüsselmaßnahme zur Erreichung dieses Ziels angesehen und soll nicht nur zur Durchsetzung der bestehenden Gesetze beitragen, sondern auch die Grundlage für datengestützte, evidenzbasierte politische Entscheidungen bieten.
Obwohl die erste Phase des Projekts den Fokus auf die Geschwindigkeitsüberwachung und die Kontrolle der Mautgebühren legt, ist das System so konzipiert, dass es mit der Zeit um neue Funktionen erweitert werden kann. So können die gesammelten Daten zur Identifizierung von Verkehrsknotenpunkten und Sicherheitslücken genutzt werden, was langfristig zu einer Verbesserung der Straßeninfrastruktur und -sicherheit beitragen soll.
Die ersten Kameras werden voraussichtlich im Jahr 2026 in Betrieb genommen, und mit der laufenden Installation von stationären Radargeräten, die insbesondere in den ländlichen und hochgefährdeten Bereichen außerhalb städtischer Zonen positioniert werden, geht Rumänien einen weiteren Schritt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Bis dahin sind noch einige Herausforderungen zu bewältigen, insbesondere in Bezug auf die Koordination und Integration der Kameras in das nationale Datennetzwerk.
Für das Projekt hat Rumänien das Gesetz Nr. 383/2022 als Grundlage für die integrierte Überwachung des Straßenverkehrs geschaffen, welches die technischen Anforderungen sowie die Bedingungen für den Datenschutz regelt. Dies stellt sicher, dass die Privatsphäre der Bürger gewahrt bleibt, während gleichzeitig eine effektive Verkehrsüberwachung gewährleistet wird.
Mit der Einführung von E-SIGUR verfolgt Rumänien das Ziel, ein Modell für andere Länder in der Region zu schaffen, die ebenfalls ihre Verkehrsinfrastruktur modernisieren wollen. Trotz der Komplexität bei der Umsetzung des Systems und den damit verbundenen Herausforderungen sind die Verantwortlichen zuversichtlich, dass die langfristigen Vorteile weit über die anfänglichen Schwierigkeiten hinausgehen werden.