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RMT-Gewerkschaft droht mit Streik bei der Londoner U-Bahn gegen Vier-Tage-Woche


Neue Arbeitszeitmodelle spalten die Belegschaft

Die Londoner U-Bahn steht vor neuerlichen Streikunruhen. Die Gewerkschaft RMT lässt ihre Mitglieder über Arbeitskampfmaßnahmen abstimmen, um ein geplantes Pilotprojekt für eine freiwillige Vier-Tage-Woche zu blockieren. Nach Angaben der RMT schließt das Angebot der Verkehrsgesellschaft Transport for London (TfL) längere tägliche Schichten ein und könnte zu Personaleinsparungen führen.

Das Votum der RMT-Mitglieder läuft bis zum 24. Februar. Bei einer Zustimmung könnte es ab Mitte März zu Streiks oder anderen Aktionen kommen. Ein vollständiger Stillstand des Netzes ist jedoch unwahrscheinlich, da nicht alle der etwa 10.400 RMT-Mitglieder im U-Bahn-System teilnehmen könnten. Dennoch wären erhebliche Behinderungen zu erwarten.

Die Situation ist ungewöhnlich, da sich die beiden großen Gewerkschaften der U-Bahn-Fahrer in der Frage unversöhnlich gegenüberstehen. Während die RMT, angeführt von Eddie Dempsey, das Vorhaben ablehnt, unterstützt die konkurrierende Vereinigung Aslef die Pläne nachdrücklich. Aslef bezeichnet die Vier-Tage-Woche als die größte Verbesserung der Arbeitsbedingungen für U-Bahn-Fahrer seit Jahrzehnten, die mehr als einen Monat zusätzliche Freizeit im Jahr bedeute.

Konkret sieht der Vorschlag vor, dass die vertragliche Wochenarbeitszeit von 35 auf 34 Stunden bei vier Arbeitstagen sinkt. Die tägliche Schichtdauer würde jedoch um 48 Minuten auf acht Stunden und 30 Minuten steigen, inklusive einer erstmals bezahlten 30-minütigen Pause. Derzeit arbeiten die Fahrer, die ein Jahresgehalt von etwa 75.000 Pfund verdienen, typischerweise 36 Stunden pro Woche, wobei unbezahlte Pausen eine Gesamtanwesenheit von 38,5 Stunden ergeben.

Zahlenspiegel und zugrundeliegende Konflikte

Die Haltung der Gewerkschaften spiegelt sich in internen Abstimmungen wider. Bei einer RMT-Umfrage unter Fahrern lehnten etwa 90 Prozent der Abstimmenden die Vier-Tage-Woche ab. Im Gegensatz dazu stimmten bei Aslef fast 70 Prozent der teilnehmenden Mitglieder dafür. Hochgerechnet auf alle abgegebenen Stimmen beider Gewerkschaften lehnten 58 Prozent der Fahrer die derzeit vorgeschlagene Regelung ab, wobei diese Zusammenfassung rechtlich keine Bedeutung hat.

Neben der Arbeitszeitfrage gibt es weitere Reibungspunkte. Die RMT rät ihren Mitgliedern auch, von TfL angebotene iPads zur Vereinfachung der Schichtanmeldung nicht anzunehmen und wehrt sich gegen Pläne, die Zeit für die Zugabnahme vor Fahrtantritt zu kürzen. Zudem kritisiert die Gewerkschaft, dass ihr im „Trains Council“ von TfL nur drei Sitze gegenüber sechs für Aslef zugestanden werden.

TfL plant, das Modell zunächst auf der Bakerloo Line zu testen, bevor es auf andere Linien ausgeweitet wird. Vier-Tage-Wochen sind im nationalen Bahnverkehr bereits verbreitet und auch auf der London Overground und der Elizabeth Line etabliert. Für andere U-Bahn-Mitarbeiter als Fahrer ist die Regelung derzeit nicht vorgesehen.

Hintergrund des Streits ist auch die Befürchtung der RMT, die Veränderungen könnten zu einem reduzierten Personalbestand führen. In einer Mitteilung an die Mitglieder kritisierte Dempsey, TfL habe in zentralen Punkten wie den Auswirkungen längerer Schichten auf die Müdigkeit der Fahrer nicht nachgegeben. Man werde nur dann Streikmaßnahmen ergreifen, wenn es notwendig sei, um die Interessen der Mitglieder zu verteidigen. Ein RMT-Sprecher warf London Underground vor, Verhandlungen zu verweigern.

Die Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund eines bereits bestehenden Drei-Jahres-Lohnabkommens. Dieses sieht für die rund 16.500 U-Bahn-Beschäftigten eine Gehaltserhöhung von 3,4 Prozent für 2025/26 vor, gefolgt von steigerungsorientierten Anpassungen in den Folgejahren. Durch diese Vereinbarung könnten die Gehälter der Fahrer bis gegen Ende des Jahrzehnts auf 80.000 Pfund steigen.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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