Passagiere verlieren jährlich 80 Millionen Pfund an Entschädigung für Zugverspätungen
Im Vereinigten Königreich verlieren Bahnreisende aufgrund von Schwierigkeiten bei der Beantragung von Entschädigungen für verspätete Züge jährlich mehr als 80 Millionen Pfund. Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung hervor, die auf Probleme im „Delay Repay“-System hinweist, mit dem Fahrgäste Entschädigungen für verspätete Züge beantragen können.
Petition fordert ein vereinfachtes Rückerstattungssystem
Der sogenannte „Delay Repay“-Plan ermöglicht es den Passagieren, je nach Verspätung einen Teil oder den gesamten Fahrpreis zurückzufordern. Bei Fernverkehrszügen wie Avanti West Coast können Reisende 25 Prozent des Ticketpreises zurückbekommen, wenn der Zug 15 Minuten verspätet ist, 50 Prozent bei einer Verspätung von 30 Minuten und 100 Prozent bei einer Stunde Verspätung.
Jedoch wird Passagieren, die ihre Tickets über unabhängige Ticket-Websites wie Trainline gekauft haben, die Möglichkeit zur automatisierten Rückerstattung verwehrt. Sie müssen stattdessen eine manuelle Entschädigungsanfrage stellen, was die Verfahren unnötig verkompliziert. Das führt dazu, dass viele Reisende, die berechtigt sind, eine Entschädigung zu erhalten, diese nicht einfordern, weil der Prozess zu aufwendig ist.
Eine Petition auf Change.org fordert die Regierung dazu auf, das „Delay Repay“-System fairer und benutzerfreundlicher zu gestalten und es auf unabhängige Anbieter wie Trainline auszudehnen. Bisher haben mehr als 13.000 Menschen die Petition unterzeichnet.
Schätzungen zufolge kaufen etwa 26 Prozent der Fahrgäste ihre Tickets über Drittanbieter-Apps oder -Websites. Diese Nutzer sind von der einfacheren, „One-Click“-Rückerstattung, die direkt auf den Websites der Bahnunternehmen angeboten wird, ausgeschlossen. Laut Trainline schätzen die Betreiber, dass jährlich rund 220 Millionen Pfund an Entschädigungen für verspätete Züge fällig sind, aber weniger als 140 Millionen Pfund tatsächlich beansprucht werden.
Im Zeitraum von Juli bis Oktober letzten Jahres bearbeiteten die Zugbetreiber insgesamt 2,1 Millionen Entschädigungsansprüche, von denen etwa 80 Prozent genehmigt wurden. Ein erheblicher Teil dieser Anträge betraf Verspätungen bei Avanti West Coast und Great Western Railway, mit mehr als 350.000 Ansprüchen bei beiden Unternehmen.
„Es ist nicht hinnehmbar, dass Passagiere nach einer verspäteten Zugfahrt sechs Minuten mit dem Ausfüllen von Formularen verbringen müssen“, sagte Jody Ford, CEO von Trainline. „Wir haben beim Ticketkauf enorme Fortschritte gemacht, aber die Entschädigungsanforderung muss genauso einfach sein, wenn Reisen gestört werden.“
Ford betont, dass das Ziel sei, das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Bahnsystem wiederherzustellen, indem es für die Passagiere fairer wird. Auch Anthony Smith, Vorsitzender der Independent Rail Retailers, unterstützt die Forderung nach einer vereinfachten Rückerstattung und betont, dass ein „One-Click“-System für unabhängige Ticketanbieter ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des Systems wäre.