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Neues Stellwerk soll Münchner S-Bahn-Probleme lösen

Das Stellwerk München Ost ist im komplizierten S-Bahnsystem München immer wieder Ursache für Großstörungen. Parallel zu den Bauarbeiten für die zweite Münchner Stammstrecke soll deswegen ein neues elektronisches Stellwerk gebaut werden.

Im Stellwerk “München Ost”, welches aus den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts stammt, drängte sich heute die Prominenz von Bahn und Freistaat. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bahnvorstand Ronald Pofalla waren vor Ort. Bayerns neue Verkehrsministerin Kerstin Schreyer und die Münchner Kommunalreferentin Kristina Frank (beide CSU) berichteten den Gästen vom aktuellen Fortschritt beim Großprojekt “Umbau Stellwerk Münchnen Ost”.

Gigantisches Umbauprojekt

Mehr als 1.000 Weichen und Signale werden von den Pulten im Stellwerk gesteuert, auch in den Minuten als die Politiker dort zu Gast waren. Im Mai 2023 soll es fertig sein, zu einem Preis von 220 Millionen Euro.

“Das ist das Hirn des öffentlichen Bahnverkehrs. Es wird ein halbes Jahr schneller fertig sein als geplant. Es ist von den ganzen Maßnahmen im kommenden Jahrzehnt die erste, die fertig sein kann. Da sind wir ganz dankbar dafür.” Markus Söder (CSU), Ministerpräsident

Von diesem Stellwerk aus wird der Bahnverkehr östlich und südöstlich von München gesteuert. Das betrifft Regionalbahnen, Fernverkehr und natürlich die Münchner Stammstrecke der S-Bahn. Hier ist das alte Relaisstellwerk viel zu oft die Achillesferse. Beinahe wöchentlich sind Störungen, auch wenn sie nicht immer gravierend sind, Grund für mehrstündiges Chaos auf allen S-Bahn-Linien in und um München. Daran erinnerte der Technikvorstand der Bahn, Ronald Pofalla.

Bislang bremste Stammstreckenplanung die Erneuerung aus

Pofalla verweist auf die Ziele der Bahn, die Anzahl der Fahrgäste in den nächsten Jahren stark zu erhöhen. Das neue elektronische Stellwerk biete dazu die Möglichkeit.

“Die Digitalisierung ist der nächste Schritt. Wir achten darauf, dass das alles aufwärts kompatibel ist. Das ist wichtig, weil es uns bis zu 30 Prozent mehr Kapazität bringt, ohne einen Gleiskilometer zusätzlich zu verbauen.” Ronald Pofalla, Vorstand Deutsche Bahn

Tatsächlich ist das Stellwerk München Ost schon länger erneuerungsbedürftig. Eigentlich könnte es schon seit zehn Jahren fertig sein. Aber dadurch, dass über viele Jahre über Finanzierung und Baubeginn für die 2. Stammstrecke gestritten wurde, hat sich nichts bewegt.

OB Reiter zeigt sich “dankbar”, aber fordert “schnellere Fertigstellung”

Beim heutigen Termin konnte Münchens OB Dieter Reiter (SPD) wegen Krankheit nicht dabei sein, in einer Presseerklärung begrüßt er, dass Ministerpräsident Söder seine dringende Bitte zur Chefsache gemacht habe, und die Sanierung des Stellwerks nun vorgezogen wird. Reiter hätte sich aber “eine frühere Fertigstellung” gewünscht.

“Stammstreckensperrung wegen einer Stellwerksstörung am Ostbahnhof …” – Das in die Jahre gekommene Stellwerk ist ein tägliches Ärgernis, weshalb ich das Thema in meinem ersten persönlichen Treffen mit dem Ministerpräsidenten angesprochen habe. Die Zuverlässigkeit der S-Bahn und damit eines Großteil des Münchner Personennahverkehrs hängt maßgeblich von diesem Stellwerk ab.” Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister München

Während der Bauarbeiten muss die alte Technik weiter funktionieren und zwar besser. Wartung ist wichtig und Bahnvorstand Pofalla sicherte dafür Millionen zu. Geld ist offenbar für den Nahverkehr vorhanden. Bayern erhält einen großen Anteil der Bundesmittel, einfach auch deswegen, weil der Freistaat über das größte Schienennetz bundesweit verfügt.

Wenn durch das neue Stellwerk der Bahnverkehr digital gesteuert werden kann, soll der S-Bahn-Betrieb zuverlässiger werden. Tatsächlich ist die Digitaltechnik robuster. Die Bahn wird zudem weniger Personal benötigen.

Digitalisierung für mehr Betriebssicherheit

Pofalla nannte die Digitalisierung die Antwort der Bahn auf den demografischen Wandel. Kämen nicht flächendeckend nach und nach elektronische Stellwerke, würden der Deutschen Bahn entsprechend viele Fahrdienstleiter und Mitarbeiter fehlen. Ein reibungsloser Betriebsablauf wäre dann unmöglich. Auch die neue bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer fährt seit Jahren privat mit der S-Bahn.

“Wenn man das privat kennt, ist das nicht überraschend und wir müssen es angehen. Ich bin sehr zuversichtlich, wenn jetzt die Bahn kommt und sagt, das geht schneller, dann ist das eine tolle Sache.” Kerstin Schreyer (CSU), Verkehrsministerin

Sie erklärt die Verzögerung auch mit der Klagefreudigkeit von Bürgerinitiativen. Wenn es in München um Grundstücksfragen gehe, dann werde immer geklagt. Deshalb habe sich der Bau verzögert.

Söder sieht notwendige Reformen beim Planungs- und Baurecht

Damit das “System S-Bahn”, mit der täglich rund 850.000 Menschen in Oberbayern unterwegs sind, besser wird, müssen Planungen beschleunigt werden. Söder versprach Vereinfachungen und Beschleunigungen beim Planungs- und Baurecht. Wenn die ambitionierten Ziele einer Verkehrswende erreicht werden sollen, darf nicht jede Baumaßnahme ein Jahrzehnt Vorlauf benötigen, bis sie umgesetzt werden kann.