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Neue WHO-Daten zeigen: Kampf gegen Genitalverstümmelung verläuft zu langsam

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer stillen Pandemie: Weltweit leben heute mehr als 230 Millionen Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt wurden. Jährlich kommen etwa vier Millionen Mädchen hinzu, die dem Risiko dieser Praxis ausgesetzt sind. Die neuen Zahlen verdeutlichen, dass die internationale Gemeinschaft ihr erklärtes Ziel, die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) bis 2030 zu beenden, bei weitem nicht erreichen wird.

Ein Rennen gegen die Zeit

Die Frist der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen rückt näher, doch der Fortschritt ist laut WHO-Bericht alarmierend langsam. Um das Ziel einer Abschaffung bis 2030 noch zu erreichen, müsste das Tempo der Veränderung siebenundzwanzigmal schneller sein als derzeit. „Wir sprechen von vier Millionen gestohlenen Kindheiten jedes Jahr“, betonte eine WHO-Sprecherin. „Das ist ein Notfall.“

Die Praxis ist tief in kulturellen Normen und ungleichen Geschlechterverhältnissen verwurzelt. In vielen Gemeinschaften gilt sie als Initiationsritus oder als Voraussetzung für eine Heirat, was den Teufelskreis schwer zu durchbrechen macht. Der Anstieg der absoluten Zahl der Überlebenden ist teilweise auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen, doch das individuelle Risiko für Mädchen bleibt laut dem Bericht beharrlich hoch.

Die gesundheitlichen Folgen sind verheerend und reichen von chronischen Schmerzen und Infektionen über Komplikationen bei der Geburt bis hin zu tödlichen Blutungen. Die WHO bezeichnet FGM als eine Form der Folter und eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte.

Widerstand und falsche Legitimierung

Besorgniserregend ist für die Experten der Trend zur sogenannten Medikalisierung. Dabei wird der Eingriff von medizinischem Personal vorgenommen, was ihm einen falschen Anschein von Legitimität und Sicherheit verleiht. Die WHO warnt ausdrücklich davor, da dies die Abschaffungsbemühungen untergrabe.

Für einen dauerhaften Erfolg seien drei Faktoren entscheidend: eine deutlich verstärkte Investition in Aufklärung, Rechtsdurchsetzung und Unterstützung für Überlebende, die Bekämpfung der Medikalisierung und vor allem ein wirklicher Wandel von innen. Während Gesetze bestrafen können, ist es der Dialog in den Gemeinschaften, der langfristig Einstellungen und Traditionen verändert.

Die Zahlen sind ein deutlicher Weckruf. Sie zeigen, dass trotz jahrzehntelanger Aktivitäten, Gesetze und globaler Zusagen das Messer immer noch schneller ist als der Fortschritt. Die Welt kennt das Ausmaß des Problems. Die Frage ist, ob sie auch den Willen hat, es zu beenden. Für die vier Millionen Mädchen, die in diesem Jahr bedroht sind, kann die Antwort nicht schnell genug kommen.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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