Press "Enter" to skip to content

Münchner OB-Kandidaten streiten über hohe Mieten und Verkehr

München wächst und wächst. Die Schattenseite des Booms: Volle Busse und Bahnen, überteuerte Wohnungen. Wie kriegt man all das in den Griff? Darüber haben die Spitzenkandidaten für das Oberbürgermeisteramt bei den Kommunalwahlen im März diskutiert.

Rund 800 meist ältere Münchner waren auf Einladung der “Süddeutschen Zeitung” ins Residenztheater gekommen, um sich das erste Aufeinandertreffen der Spitzenkandidaten von SPD, CSU und Grünen für das Amt des Münchners Oberbürgermeisters anzusehen.

Das Publikum konnte einen betont entspannten Dieter Reiter (SPD) erleben, der – eingebettet zwischen seinen Kontrahentinnen – diese immer mal wieder mit spitzbübischen Kommentaren unterbrach und die Zuschauer zum Lachen brachte. Die bestimmt wirkende CSU-Kandidatin Kristina Frank ergriff das Wort öfter als Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Habenschaden, die dem Amtsinhaber mit einem Nicken des öfteren zustimmte.

Verkehr: Das drängendste Thema für die Pendler

Seit über 15 Jahren erlebt München einen fast sprunghaften Bevölkerungsanstieg. Rund 1,5 Millionen Einwohner leben mittlerweile in der Stadt. Das Verkehrssystem wurde hingegen in großen Teilen zu Beginn der 70er Jahre geplant und gebaut. Das führt heute laut CSU-Spitzenkandidatin Kristina Frank zu Problemen, die man schon viel früher hätte angehen hätte müssen.

“Sie stehen am Bahnsteig und die S-Bahn kommt nicht. Sie stehen am U-Bahnsteig und Sie passen nicht mehr in die U-Bahn. Sie stehen an der Haltestelle und der Bus kommt 20 Minuten zu spät.” Kristina Frank, CSU

CSU und Grüne fordern neues Verkehrsgesamtkonzept

Sowohl die CSU als auch die Grünen fordern deswegen ein Gesamtkonzept für die Verkehrsplanung in München. Allerdings unterscheiden sich die beiden Konzepte deutlich voneinander: So möchte die CSU den Autofahrern möglichst wenig Platz wegnehmen. Möglich werden soll das laut Kristina Frank durch ein dreidimensionales Denken bei der Verkehrsplanung, das also verstärkt Tunnel und Brücken miteinbezieht.

Katrin Habenschaden (Grüne) sieht eine Lösung für die Münchner Verkehrsmisere in sogenannten “Superblocks”. Dabei sollen mehrere Straßenblocks zu einem zusammengefasst werden. In diesen Superblocks dürfen sich dann größtenteils nur Busse, Fußgänger und Fahrradfahrer bewegen – Autos müssen draußen bleiben.

SPD: In drei Jahren autofreie Altstadt

Bei Dieter Reiter (SPD) besteht der Verkehr der Zukunft aus Fahrrad und ÖPNV.

“Die Idee, die ich hab, ist: Wenn ein Autofahrer jeden Tag im Stau steht und jeden Tag der Bus an ihm vorbeifährt, dass er irgendwann mal auf die Idee kommt, des probier ich jetzt auch mal.” Dieter Reiter, SPD

Außerdem legte sich Reiter fest: Innerhalb von drei Jahren soll die Altstadt autofrei sein.

Wohnen und Mieten in der Stadt ein teureres Pflaster

Einig waren sich die Kandidaten, dass München ein teures Pflaster ist, wenn es ums Wohnen geht. Bei den Stellschrauben gab es in den Lagern aber Unterschiede:

Seit Mitte 2018 hat die Stadt München Immobilien für rund 350 Millionen Euro aufgekauft. Möglich ist das, weil die Stadt in bestimmten Vierteln ein Vorkaufsrecht hat. Geht es nach Dieter Reiter (SPD) und Katrin Habenschaden (Grüne), soll das städtische Vorkaufsrecht auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden. Eine Entscheidung, die jedoch nicht die Stadt, sondern nur der Bund mit einer Änderung des Baugesetzbuches möglich machen kann.

“Wie können wir bezahlbares Wohnen generieren? Immer dann, wenn wir Einfluss auf den Bodenpreis nehmen. Und der ist mit 70 Prozent der Herstellungskosten [bei Neubauten] der maßgebliche Anteil.” Katrin Habenschaden, Grüne

Während sich sowohl Reiter als auch Habenschaden klar gegen Bodenspekulation positionierten und sich damit für mehr Reglementierung aussprachen, verwies CSU-Kandidatin Kristina Frank darauf, dass der Eingriff ins Eigentum mit der CSU nicht zu machen sei. Außerdem würde durch ein Zuviel an Regulierung der Wohnungsbau ins Stocken geraten. Die Krise auf dem Wohnungsmarkt könne laut Frank nur gemeistert werden, wenn alle miteinbezogen würden.

Audio: Einschätzung zur Diskussion der Münchner OB-Kandidaten

Wem gehören die Wohnungen in Augsburg, München und Würzburg? Wo fließt die Miete hin und wer profitiert von den steigenden Preisen? Gemeinsam mit den Bürger*innen möchten BR und Correctiv den Immobilienmarkt transparenter machen. Helfen Sie mit! Gehen Sie auf unsere Webseite br.de/wemgehoert. Teilen Sie uns Adresse und Eigentümer Ihrer Wohnung mit. Laden Sie einen Beleg, zum Beispiel ein Foto Ihres Mietvertrages, hoch. Eingaben überprüfen und absenden.

!