Mordanklage gegen indische Fabrik nach tödlichem Gas…

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HYDERABAD, Indien – Die indische Polizei erhob am Freitag Anklage wegen schuldhaften Mordes an einer südkoreanischen Chemiefabrik, in der 12 Menschen getötet und mehr als tausend Menschen krank wurden.

Das chemische Styrol, aus dem Kunststoff und Gummi hergestellt wurden, lief am Donnerstag aus dem LG Polymers-Werk von LG Chem aus, während sich die Arbeiter auf den Neustart der Anlage vorbereiteten, nachdem eine Coronavirus-Sperrung gelockert worden war.

Die Ursache für das Leck in der Stadt Visakhapatnam im Bundesstaat Andhra Pradesh sei noch unklar, teilten Beamte am Freitag mit.

Ein Staatsverwalter, Vinay Chand, sagte, die Behörden hätten Chemikalien aus einem Nachbarstaat eingeflogen, um das Gas vollständig zu neutralisieren, bevor die Menschen in ihre Häuser zurückkehren könnten.

Chand sagte, 316 Menschen würden immer noch in Krankenhäusern behandelt und seien in einem stabilen Zustand. Der Staatspolizeipräsident Damodar Gautam Sawang sagte, 800 Menschen seien nach der Behandlung am Donnerstag freigelassen worden.

Styrolgas, ein Neurotoxin, kann Menschen innerhalb von Minuten nach dem Einatmen immobilisieren und bei hohen Konzentrationen tödlich sein.

Die Polizei beschuldigt die Betreiber der Anlage, die Öffentlichkeit durch Fahrlässigkeit gefährdet zu haben. Nach indischem Recht wird schuldhafter Mord als Mord ohne Mord eingestuft. Die Strafen reichen von 10 Jahren Gefängnis bis zu lebenslanger Haft.

Indiens oberstes Umweltgericht forderte LG Polymers India außerdem auf, eine Strafe in Höhe von 6,6 Millionen US-Dollar wegen „Schäden an Leben, öffentlicher Gesundheit und Umwelt“ zu zahlen. Das National Green Tribunal sagte, die Fabrik habe offenbar gegen die Umwelt- und Sicherheitsvorschriften verstoßen.

Das Gericht bildete ein Komitee, um den Unfall zu untersuchen und Fehler zu identifizieren.

Choi Sang-kyu, ein hochrangiger Sprecher von LG Chem, sagte, LG Polymers India betreibe die Anlage “unter Einhaltung der Umweltvorschriften”.

Videos und Fotos nach dem Leck am Donnerstag zeigten Dutzende von Menschen, die bewusstlos auf der Straße lagen und weißen Schaum aus dem Mund hatten. Die Menschen flohen zu Fuß, auf Motorrädern und in offenen Lastwagen, als Polizisten, einige mit Gasmasken, eilten, um die Menschen aus ihren Häusern zu holen.

Die Szene weckte bittere Erinnerungen an ein Gasleck aus einer Pestizidanlage von Union Carbide in der indischen Stadt Bhopal im Jahr 1984, bei dem nach Angaben der Regierung mindestens 4.000 Menschen getötet und weitere 500.000 verletzt wurden, von denen viele immer noch gesundheitliche Probleme haben.

LG Chem Ltd. ist Südkoreas größtes Chemieunternehmen und produziert eine Reihe von Industrieprodukten, darunter Petrochemikalien, Kunststoffe und Batterien für Elektrofahrzeuge. Es ist Teil des in Familienbesitz befindlichen LG Corp.-Konglomerats, das auch über einen Elektronikarm verfügt, der weltweit Smartphones, Fernseher und PCs verkauft.

Das südkoreanische Außenministerium sagte am Freitag, sein Botschafter in Indien habe Bedauern und Beileid über das Gasleck geäußert. In einer Erklärung des Ministeriums heißt es, dass die südkoreanische Regierung die Bemühungen zur Bewältigung der Folgen genau überwacht.

LG Chem nahm 1997 den Betrieb der Anlage in Vishakhapatnam auf. Der indische Betrieb ist einer der führenden Hersteller von Polystyrol im Land. Das Werk in Vishakhapatnam beschäftigt rund 300 Mitarbeiter.

Die Küstenstadt ist ein Industriezentrum, das für häufige Gasleckunfälle bekannt ist. Im Dezember 2019 wurden bei einem Leck eines Pharmaunternehmens zwei Menschen getötet.

___ Assoziierte Presseschreiber Kim Tong-hyung aus Seoul, Südkorea, und Aniruddha Ghosal aus Neu-Delhi haben zu diesem Bericht beigetragen.

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