Minister und Moderator liefern sich im TV-Schlagabtausch über Mandelson-Affäre
Ein hitziger Streit über die Rolle von Premierminister Keir Starmer in der Mandelson-Affäre hat die morgendliche Fernsehsendung „Good Morning Britain“ überschattet. In einem zunehmend gereizten Wortwechsel warfen sich der Moderator Richard Madeley und der britische Minister für Gemeinden, Steve Reed, gegenseitig vor, die Wahrheit zu verdrehen.
Vorwurf: Starmer wusste von Mandelsons Epstein-Kontakten
Im Zentrum der Auseinandersetzung stand die umstrittene Ernennung von Lord Peter Mandelson zum Botschafter in den USA durch Starmer. Madeley beharrte darauf, dass der Premierminister zum Zeitpunkt der Ernennung sehr wohl gewusst habe, dass Mandelson eine enge Beziehung zu dem verurteilten pädophilen Finanzier Jeffrey Epstein unterhielt. „Er wusste das. Das war kein Rückblick. Er wusste das und hat es ignoriert“, so der Moderator.
Minister Reed wies diese Darstellung kategorisch zurück. Er argumentierte, Mandelson habe während des offiziellen Überprüfungsverfahrens gelogen und seine Verbindungen zu Epstein vertuscht. „Wir können keine Gesetze gegen Lügner erlassen, die lügen“, sagte Reed. Die eigentliche Leistung Starmers sei sein entschlossenes Handeln, als die Täuschung aufflog: „Sobald wir entdeckten, was wirklich passiert war, wurde Mandelson entlassen.“ Er verwies auf das dramatische Detail, dass Starmer Mandelson um 5 Uhr morgens angerufen und gefeuert habe.
Die Regierung plant, die sogenannten Mandelson-Akten über seine Botschafterernennung zu veröffentlichen. Sie erhofft sich davon, die angeblichen „Lügen“ des Peers öffentlich zu machen und den Druck auf Starmer zu verringern. Dieser Druck war zuletzt gewachsen, nachdem die ehemalige stellvertretende Premierministerin Angela Rayner eine Revolte anführte, weil einige der Dokumente zurückgehalten wurden.
Hintergrund: Polizei ermittelt wegen Amtsmissbrauchs
Hintergrund des Eklats sind schwere Vorwürfe gegen Lord Mandelson. Ihm wird vorgeworfen, als Wirtschaftsminister in Gordon Browns Regierung zwischen 2009 und 2010 marktsensible Finanzinformationen an Jeffrey Epstein weitergegeben zu haben. Dies soll Details zu Euro-Rettungsaktionen und Verkäufen von Staatsvermögen umfasst haben.
Die Metropolitan Police hat aufgrund dieser Vorwürfe eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet. Sie prüft den Verdacht auf Amtsmissbrauch. Die politischen Folgen für Premierminister Starmer sind beträchtlich. Er sieht sich mit dem Zorn vieler Labour-Abgeordneter konfrontiert, die seine Entscheidung, Mandelson trotz der bekannten Epstein-Verbindung zu ernennen, scharf kritisieren. Reed verteidigte die ursprüngliche Entscheidung dennoch als „rational“, mit Verweis auf Mandelsons Erfahrung als Wirtschaftsminister und EU-Handelskommissar.
Der TV-Auftritt zeigte jedoch die tiefen Gräben in der Bewertung der Causa. Während Reed betonte, man müsse Starmer an seinem Handeln beim Auffliegen der Lügen messen, insistierte Madeley auf der anfänglichen Verantwortung. Die Regierung hofft nun, dass die anstehende Veröffentlichung der Akten die Debatte zu ihren Gunsten wendet und die Bedrohung für Starmers Regierungsführung mildert.