Mahmood kündigt radikale Reformen der Polizeiarbeit an
Die britische Innenministerin Shabana Mahmood wird am Montag ihre weitreichenden Pläne zur Reform der Polizeiarbeit im Parlament vorstellen. Die angekündigten Änderungen sollen als die bedeutendsten in den letzten 200 Jahren gelten.
In ihrer Rede vor dem Unterhaus wird Mahmood die Schaffung eines neuen Nationalen Polizeidienstes (NPS) vorschlagen, der größere Verbrechen, wie etwa grenzüberschreitende und internationale Kriminalität, bekämpfen soll. Gleichzeitig ist vorgesehen, die Zahl der regionalen Polizeikräfte drastisch zu reduzieren.
„Diese Reformen sollen auf die wachsende Epidemie alltäglicher Kriminalität reagieren“, erklärte die Ministerin, die als Beispiel Delikte wie Ladendiebstahl und Handydiebstahl anführt, die häufig nicht verfolgt würden.
Erneuerung des Polizeimodells
Die Innenministerin versprach ein „neues Modell der Polizeiarbeit“, das einerseits auf die Bekämpfung lokaler Straftaten fokussiert, andererseits aber mit dem NPS eine britische Entsprechung des FBI darstellt, um schwerwiegendere Verbrechen zu bekämpfen.
Ein weiteres Element der Reformen ist die Einführung einer „Lizenz zur Ausübung“ für Polizeibeamte. Damit soll sicherstellt werden, dass die Beamten weiterhin qualifiziert und fit für ihre Aufgaben sind. Zudem soll Bürokratie abgebaut werden, um den Fokus auf die Streifenpolizei und die Bekämpfung von Kriminalität auf der Straße zu legen.
Ein weiterer Baustein ist die Verbesserung der Verantwortlichkeit der Polizeiführung. Künftig soll es der Innenministerin möglich sein, inkompetente Polizeichefs zu entlassen. Auch werden strengere Vorgaben zur Reaktionszeit bei Notfällen eingeführt.
Am Wochenende wurde außerdem eine Investition von sieben Millionen Pfund angekündigt, um Ladendiebstahl und kriminelle Banden zu bekämpfen. Darunter fallen fünf Millionen Pfund für das Programm „Operational Opal“, eine nationale Datenbank zur Bekämpfung von Ladendiebstählen.
Die Ministerin für Polizeiarbeit, Sarah Jones, kritisierte, dass organisierte Kriminalität zu lange den Einzelhandel ausbeutet, ohne dass Polizeikräfte konsequent eingreifen. „Die Kriminellen haben nun keinen Ort mehr, an dem sie sich verstecken können“, sagte sie.
Im Rahmen der Reformen ist auch eine Rekrutierungsinitiative für freiwillige Sonderpolizisten geplant, deren Zahl von mehr als 20.000 im Jahr 2012 auf gerade einmal 5.534 im letzten Jahr gesunken ist.
Mehr Technologiefachleute zur Bekämpfung von Digitalverbrechen
Die Polizei soll außerdem gezielt Fachkräfte einstellen, die digitale und cyberkriminelle Aktivitäten überwachen können. Mit der zunehmenden Nutzung neuer Technologien wie Deepfakes und künstlicher Intelligenz durch Kriminelle sehen die Reformen die Notwendigkeit, die Polizei mit entsprechendem Wissen auszustatten.
„Die Kriminalität hat sich weiterentwickelt, aber die Polizei hat sich nicht in gleichem Maße angepasst“, erklärte Mahmood. „Betrüger und Bandenchefs im Bereich organisierte Kriminalität überlisten die Polizeibehörden regelmäßig.“
Mit den geplanten Strukturänderungen sollen nicht nur die Sicherheitsstandards verbessert, sondern auch Kosten gesenkt werden, da weniger Polizeikräfte auf administrativen Aufgaben sitzen. Damit soll mehr Geld für die operative Arbeit freigesetzt werden.
Die ersten Reaktionen auf die Reformpläne sind gemischt. Während viele Polizeiführer die Schaffung des neuen Nationalen Polizeidienstes begrüßen, äußerte sich die Polizeiföderation skeptisch zu der geplanten Reduzierung regionaler Polizeikräfte. Es wird befürchtet, dass weniger Polizeikräfte nicht zwangsläufig zu einer besseren Kriminalitätsbekämpfung führen.