Machtkampf in Labour: Burnham-nahe Gruppe fordert Personalwechsel in Downing Street nach Mandelson-Affäre
Premierminister Keir Starmer hat sich bei den Opfern des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein entschuldigt. Grund ist die umstrittene Ernennung von Peter Mandelson zum britischen Botschafter in Washington. Während Starmer betont, von Mandelsons engen Verbindungen zu Epstein nichts gewusst zu haben, fordern interne Kritiker nun Konsequenzen bis in die Spitze.
„Systemversagen“ und Forderung nach radikalen Konsequenzen
Die Labour-internen Druckgruppe „Mainstream“, die vom Manchester-Bürgermeister Andy Burnham unterstützt wird, verlangt einen kompletten personellen Neuanfang in der Downing Street. Der interimistische Rat der Gruppierung, zu dem auch der Abgeordnete Alex Sobel gehört, sprach von einem „Systemversagen“. Die Ernennung Mandelsons sei das „direkte Ergebnis einer korrosiven politischen Kultur, die mit der Wurzel ausgerissen werden muss“.
In einer deutlichen Stellungnahme kritisierten sie eine Kultur, die „Fraktionsloyalität über Integrität stelle, Verbindungen über Charakter werte und gründliche Überprüfungen als lästig ansähe“. Es sei ein „Betrug“ gewesen, Mandelson trotz seiner bekannten Freundschaft zum pädophilen Finanzier Epstein auf einen der mächtigsten diplomatischen Posten der Welt zu berufen. Jeder, der an dem Prozess beteiligt war, müsse zur Verantwortung gezogen werden.
Die Gruppierung warnte davor, dass die Partei der „alten Krankheit von Elite-Privilegien, politischem Spin und giftigem Fraktionismus“ erliegen könnte. „Wahre Verantwortung bedeutet eine totale Überholung des Personals, der Verfahren und der faulen Prioritäten, die uns hierher gebracht haben“, hieß es. Man werde sich mit weniger nicht zufriedengeben.
Starmers Entschuldigung und Oppositionsforderungen
Sir Keir Starmer äußerte sich bei einer Veranstaltung in East Sussex zu dem Skandal, während er um sein Amt kämpft. „Es war seit einiger Zeit öffentlich bekannt, dass Mandelson Epstein kannte, aber niemand von uns kannte die Tiefe der Dunkelheit dieser Beziehung“, sagte der Premierminister. Er entschuldigte sich dafür, „Mandelsons Lügen geglaubt“ zu haben.
Die konservative Oppositionsführerin Kemi Badenoch forderte hingegen persönliche Konsequenzen. Sowohl Starmer als auch sein rechte Hand, Morgan McSweeney, stünden wegen der Affäre „auf der Abschussliste“. Jemand müsse die Verantwortung übernehmen, da die Entscheidung das Land international blamiert und aus sicherheitspolitischer Sicht geschwächt habe. Sie forderte die Veröffentlichung aller Akten, um nachvollziehen zu können, wer die Entscheidung wann getroffen habe. „Sie versuchen, alles auf Peter Mandelson abzuwälzen, aber es liegt nicht alles bei ihm – es liegt auch in der Downing Street“, sagte Badenoch.
Die Mainstream-Gruppe, die als potenzielles Machtzentrum um den langjährigen Starmers-Rivalen Andy Burnham gilt, kritisierte abschließend eine „Politik der Unterwürfigkeit und der Hinterzimmer-Patronage“ und forderte ein Ende „einer Kultur, die interne Herausforderungen fürchtet“. Der Ruf nach einem „sauberen Schnitt“ wird für den Premierminister zu einer weiteren großen Herausforderung im Kampf um seine politische Zukunft.