Londoner Wohnungskrise: Neubauten sinken um 30% in einem Jahr, Fertigstellungen ebenfalls rückläufig
Die Wohnungskrise in London spitzt sich weiter zu, da die Zahl der Neubauten in der Hauptstadt um 30% gefallen ist, was die steigenden Mieten und die hohen Immobilienpreise weiter anheizt.
Offizielle Zahlen zeigen, dass im Jahr bis September 2025 nur 4.220 neue Wohnungen in London begonnen wurden, was einen drastischen Rückgang im Vergleich zu den 6.000 Neubauten im Vorjahr darstellt. Auch die Zahl der fertiggestellten Wohnungen sank um 15%, von 18.720 auf 15.920.
Seit dem Amtsantritt der Labour-Regierung im Juli 2024 wurden in London nur 47.600 neue Wohnungen fertiggestellt – weit unter dem angestrebten Ziel von 88.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Dies steht im Einklang mit dem nationalen Ziel, bis 2029 insgesamt 1,5 Millionen neue Wohnungen zu bauen. Doch das Londoner Ziel scheint zunehmend unerreichbar.
Bauboom bleibt aus: Sektorsorgen und politische Differenzen
Das schwierige Bauumfeld hat auch zu einem Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen im Bausektor in London im ersten Halbjahr 2025 geführt. Die stagnierenden Neubauten in der Hauptstadt treten in scharfem Gegensatz zu einem Bauboom in anderen Teilen des Landes: Im Osten der Midlands stiegen die Neubauten um 43%, während in Yorkshire und im Humber-Gebiet der Anstieg bei 33% lag.
Wohingegen der britische Wohnungsminister Steve Reed anmerkt, dass landesweit ein 18%iger Anstieg bei Neubauten zu verzeichnen sei, kritisiert die Opposition die anhaltend niedrige Zahl von Neubauten in London. Gareth Bacon, Schattenminister für London, macht den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan für den Rückgang verantwortlich. Bacon weist darauf hin, dass die strengen Anforderungen des „London Plans“, der unter anderem auf hohe Quoten für bezahlbaren Wohnraum setzt, das Bauen praktisch unmöglich gemacht habe.
Die Londoner Liberalen äußerten ebenfalls ihre Besorgnis über die Entwicklung. Luke Taylor, Sprecher der Lib-Dems, sagte, dass die sinkenden Neubauten für viele junge Londoner eine schwere Enttäuschung darstellen, da sie auf der Suche nach einem eigenen Heim weiterhin auf unzureichenden Wohnraum angewiesen seien oder sogar gezwungen seien, aus der Hauptstadt wegzuziehen.
City Hall reagierte auf die Kritik, indem sie betonte, dass die Bekämpfung der Wohnungskrise eine „oberste Priorität“ habe. Sie verwies auf die Maßnahmen zur Förderung von Investitionen in den Wohnungsbau, insbesondere das rekordverdächtige 11,7 Milliarden Pfund schwere Programm für bezahlbaren Wohnraum. Diese Investitionen sollen helfen, die soziale und erschwingliche Wohnbauinfrastruktur in der Stadt weiter auszubauen.
Die Regierung unterstützt auch Pläne zur Erweiterung der Docklands Light Railway bis nach Thamesmead, was potenziell 30.000 neue Wohnungen für Londoner auf beiden Seiten des Flusses ermöglichen könnte. Doch die jüngsten Berichte zur Situation im Londoner Wohnungsbau werfen ein düsteres Licht auf die Fortschritte. Einige Projekte wurden aufgrund steigender Baukosten oder anderer Herausforderungen auf Eis gelegt oder ganz abgesagt.
Die Probleme mit dem Wohnungsbau in London bleiben also bestehen, und trotz politischer Versprechungen und neuer Programme zur Bekämpfung der Krise bleibt abzuwarten, ob diese tatsächlich zu einer spürbaren Entspannung des Marktes führen werden.