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Liberal Democrats setzen Lord Rennard aus und eröffnen neue Untersuchung

Die Liberal Democrats haben den langjährigen Parteiarbeiter Lord Rennard suspendiert. Grund ist eine neue Untersuchung zu Vorwürfen sexueller Belästigung, die vier Frauen bereits 2013 erhoben hatten. Die Partei erklärte, sie habe juristischen Rat erhalten, wonach die damalige Untersuchung in mehreren Punkten mangelhaft gewesen sei.

Drei der betroffenen Frauen begrüßten die Entscheidung als „erste Anzeichen für einen Wandel“. In einer gemeinsamen Erklärung sagten Alison Smith, Bridget Harris und Alison Goldsworthy, sie hätten sich 2013 zu Wort gemeldet, damit zukünftige Generationen von Frauen sicher an der Politik teilhaben könnten. Sie hätten jedoch nicht erwartet, dass eine faire Untersuchung so lange dauern würde.

Parteichef Davey will Rennard aus Oberhaus drängen

Die Parteisprecherin teilte mit, Lord Rennard sei sowohl die Parteimitgliedschaft als auch das Fraktionsmandat im Oberhaus entzogen worden. Parteichef Sir Ed Davey habe klargemacht, dass er glaube, Rennard sollte kein Mitglied des House of Lords sein. Davey setze sich zudem dafür ein, dass es leichter werde, Peers wegen schweren Fehlverhaltens aus der Kammer auszuschließen.

Lord Rennard, ehemaliger Generalsekretär der Liberaldemokraten, wies die Vorwürfe zurück und verwies auf eine Reihe früherer Untersuchungen. Die Metropolitan Police habe 2013 nach einer „gründlichen und professionellen“ Prüfung keine Anklage erhoben. Eine unabhängige Untersuchung durch den Anwalt Alistair Webster im selben Jahr kam zu dem Schluss, dass die Beweislage für eine Verurteilung „jenseits vernünftiger Zweifel“ unter 50 Prozent lag. Webster hatte jedoch auch festgestellt, es gebe „im Großen und Ganzen glaubwürdige“ Beweise für ein Verhalten, das die persönliche Distanz und Autonomie der Beschwerdeführerinnen verletzt habe.

Rennard betonte, Websters Bericht habe das Wort „glaubwürdig“ nicht enthalten und eine weitere Untersuchung 2014 habe keinerlei Grundlage für disziplinarische Schritte gesehen. Die Partei hatte diese Schlussfolgerung damals akzeptiert und das Verfahren beendet.

Die neue Entscheidung der Liberaldemokraten stellt diese früheren Entlastungen nun in Frage und zeigt den anhaltenden Druck auf politische Institutionen, historische Vorwürfe neu zu bewerten. Die Partei muss in ihrer erneuten Prüfung den Spagat zwischen dem Recht auf ein faires Verfahren und dem Anspruch auf eine lückenlose Aufklärung möglichen Fehlverhaltens bewältigen.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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