Letztes atomares Abrüstungsabkommen ausgelaufen: Waffenhandel verschärft globale Spannungen
Die Vereinigten Staaten prüfen Sanktionen gegen Algerien wegen eines umfangreichen russischen Kampfjetkaufs. Diese Entwicklung fällt zeitlich mit einem weltpolitisch gravierenden Ereignis zusammen: In der Nacht zum 6. Februar 2026 ist der New-START-Vertrag, das letzte verbliebene große Atomabrüstungsabkommen zwischen den USA und Russland, ausgelaufen. Damit gibt es erstmals seit über 50 Jahren keine vertraglich bindenden Obergrenzen mehr für die beiden größten Atomarsenale der Welt.
Sanktionsdrohung im Kontext eines nuklearen Vakuums
Das US-Außenministerium kündigte am 4. Februar an, mögliche Strafmaßnahmen gegen Algerien nach dem Gesetz CAATSA zu prüfen. Anlass ist der geplante Kauf von etwa einem Dutzend russischer Su-57E-Tarnkappenjäger. Robert Palladino, Leiter des Nahost-Referats, bekräftigte vor dem Senatsausschuss für auswärtige Beziehungen, man nutze diplomatische Werkzeuge, um „inakzeptable“ Geschäfte zu stoppen. Laut russischen Quellen, die von Zona Militar zitiert werden, haben bereits zwei Su-57E Demonstrationsflüge in Algerien absolviert.
Die US-Sanktionsdrohung ist ernst zu nehmen. Ein Präzedenzfall existiert mit der Türkei, die nach dem Kauf russischer S-400-Luftabwehrsysteme aus dem F-35-Programm ausgeschlossen wurde. Verhandlungen über eine Lösung, möglicherweise durch Übergabe der S-400-Systeme, laufen noch, wie US-Botschafter Tom Barrack im Dezember erklärte. Algeriens Aufrüstung geht weiter: Das Land erwartet auch Lieferungen von Su-35S-Jägern und Su-34-Jagdbombern. Satellitenbilder vom März 2025 zeigten eine Su-35S auf einem algerischen Flughafen.
Dieser regionale Konflikt um Rüstungsexporte entfaltet sich vor einer besorgniserregenden globalen Kulisse. Mit dem Auslaufen von New START sind alle Grenzen für stationierte Atomwaffen und Trägersysteme gefallen. Der Vertrag von 2010 hatte die Anzahl einsatzbereiter Sprengköpfe auf je 1.550 und die Trägersysteme auf je 700 begrenzt. Er sah zudem 18 kurzfristige Vor-Ort-Inspektionen und den zweimal jährlichen Austausch von Daten vor.
Ein Vertrag in Agonie
Seine letzten Jahre waren geprägt von Krisen. Die COVID-19-Pandemie unterbrach das Inspektionsregime, und der russische Angriff auf die Ukraine 2022 ließ eine Rückkehr zur vertrauensbildenden Überprüfung unmöglich erscheinen. Obwohl sich sowohl der russische Präsident Wladimir Putin als auch der frühere US-Präsident Donald Trump zeitweise für eine Verlängerung ausgesprochen hatten, kam es nicht dazu. In einem Interview mit der New York Times im Januar 2026 zeigte sich Trump fatalistisch: „Wenn er ausläuft, dann läuft er aus. Wir machen ein besseres Abkommen.“ Derzeit laufen keine Nachfolgeverhandlungen.
Die unmittelbaren Konsequenzen sind bereits spürbar. Das Bulletin of the Atomic Scientists stellte seine symbolische „Weltuntergangsuhr“ auf 85 Sekunden vor Mitternacht – den je gefährlichsten Stand. Die Begründung: Das Ende von New START entferne „die letzte verbliebene Schutzschiene vor einem ungebremsten nuklearen Wettrüsten der beiden größten Atommächte“.
Ohne vertragliche Beschränkungen können Washington und Moskau nun ihre Arsenale ausbauen, Trägersysteme modernisieren und neue Technologien entwickeln. Der Ukraine-Konflikt wirkt sich bereits auf diese Entwicklungen aus: Die genannten Upgrades für die Su-57, wie ein Panorama-Cockpitdisplay und spezielle Schubdüsen, wurden auch aus dort gewonnenen Erfahrungen abgeleitet.
Experten befürchten, dass das Ende der atomaren Rüstungskontrolle nicht nur ein bilateraler Rückschritt ist, sondern ein globales Signal. Andere Mächte könnten sich in einer zunehmend unsicheren Welt veranlasst sehen, ihre militärischen Optionen auszuweiten. Die Welt stehe an einem Kreuzweg, so der Tenor vieler Analysen. Die Entscheidungen der kommenden Monate werden die Sicherheitsarchitektur für Generationen prägen. Während die alten Schutzschienen verschwunden sind, wachsen die Gefahren – sowohl durch unkontrollierte Atomwaffen als auch durch die Verbreitung hochmoderner konventioneller Waffen in instabilen Regionen.