Press "Enter" to skip to content

Leerstand in Augsburg: Wenn Wohnungen nicht fertig werden

Das Proviantbachquartier in Augsburg: Überall schön sanierte Gebäude. Bis auf drei heruntergekommene Mehrfamilienhäuser. Sie gehören der German Property Group und sollten schon vor Jahren renoviert werden – doch bis heute ist keine Wohnung fertig.

Das Proviantbachquartier ist ein denkmalgeschütztes Wohnviertel aus dem 19. Jahrhundert, mittlerweile liebevoll saniert: Aber die drei Mehrfamilienhäuser der Firma German Property Group, ehemals Dolphin, warten seit Jahren auf Renovierung. Abgeriegelt hinter Bauzäunen, verfallen die Gebäude. Passanten und Anwohner ärgern sich über den Schandfleck in ihrer Mitte.

Die German Property Group, eine Immobilienfirma aus Hannover, hatte angekündigt, hier 33 Wohnungen zu schaffen. Die Fertigstellung war für Ende 2014 geplant. Seit über einem Jahr recherchiert das Politikmagazin Kontrovers bereits zum Geschäftsgebaren der German Property Group. Und auch in Augsburg stellt sich die Frage: Welche Interessen verfolgt diese Firma mit dem Aufkauf von Wohnungen?

Jahrelanger Baustopp

Martin Karl ist Landschaftsarchitekt. Er hat in einem der Häuser eine Zwei-Zimmer-Wohnung gekauft, bereits mehr als 70.000 Euro investiert. Er würde sich wünschen, dass hier endlich Menschen wohnen können. Ein Generalunternehmer begann mit der Renovierung, doch dann stoppten die Baumaßnahmen:

“Es hat sich herausgestellt, dass die gepfuscht haben und dann war Baustopp. Dann ging erstmal gar nichts. Gut, dann sagt man sich selber, kann ja sein, ist ja schön, dass dann da gestoppt wird und nicht einfach so weitergemacht wird.” Martin Karl, Wohnungseigentümer

Doch seitdem geht wenig voran. Martin Karl bekommt zwar seit 2015 monatliche Mietersatzzahlungen von der German Property Group, aber die Kommunikation mit der Firma ist schwierig:

“Der Schriftwechsel an sich, die Informationspolitik ist mangelhaft. Es kamen immer nur alle Vierteljahr mal Informationen und auch nur sehr spärlich. Eigentlich müsste das viel professioneller aufgezogen werden.” Martin Karl, Wohnungseigentümer

Kontrovers-Anfrage: Bauarbeiten sollen 2020 abgeschlossen sein

Das Politikmagazin Kontrovers hat bereits im Mai 2019 zu den Hintergründen der German Property Group recherchiert: Damals hieß sie noch Dolphin Trust und warb auf ihrer Website damit, Marktführer im Bereich Ankauf und Sanierung von denkmalgeschützten Häusern zu sein. Doch statt sanierter Altbauten ist Kontrovers oft auf heruntergekommene, baufällige Gebäude in ganz Deutschland gestoßen, auch in Bayern. Warum nicht saniert wird, ist unklar. Zu den Häusern in Augsburg teilt die Firma damals auf Kontrovers-Anfrage mit, dass die Bauarbeiten 2020 abgeschlossen sein sollen. Als Landschaftsarchitekt kennt Martin Karl sich mit Bauprojekten aus und wundert sich, wie wenig bis jetzt passiert ist – nicht mal einen neuen Bauzeitenplan gebe es:

“Eigentlich gibt es immer Bauzeitenpläne, die Firmen stehen alle fest. Da steht jede Firma drin und jede Woche und jeder Tag und was sie genau zu tun haben. Sonst funktioniert das gar nicht.” Martin Karl, Wohnungseigentümer

Proviantbachquartier ist kein Einzelfall in Augsburg

Wir fragen bei der German Property Group nach – es antwortet eine Anwaltskanzlei mit einem elf Seiten langen Schreiben. Zitieren darf Kontrovers daraus nicht. Wegen der Insolvenz eines Generalunternehmers und eines Beweissicherungsverfahrens hätten sich die Bauarbeiten verzögert. Es hätten aber zwischenzeitlich Besichtigungstermine mit Fachingenieuren stattgefunden.

Die Häuser im Proviantbachquartier sind nicht die einzige Dauerbaustelle der Firma in Augsburg. In einem Haus mitten in der Innenstadt sollten 14 Wohnungen seit Jahren fertig sein. Laut German Property Group befinden sich möglicherweise Kampfmittel im Boden – bis zu einer Freigabe könne aktuell nicht weitergebaut werden.

Verfallenes Haus auch in Bamberg

Bei der Recherche zur German Property Group wurden mittlerweile unterschiedlichste Gründe genannt, warum Häuser nicht saniert werden können – oder gar nicht erst damit begonnen wird. Bei einem einsturzgefährdeten Haus in Bamberg ließ man eine Baugenehmigung auslaufen und beantragte dann einen Teilabriss. Die Stadt war entsetzt und kaufte das Haus, vom Investor war man enttäuscht:

“Wenn Sie die Expertise ansprechen, die der Bauherr angeblich hat, dann hätte man das längst unter Beweis stellen können. Es gibt intelligente und technisch gute Möglichkeiten, ein solches Einzeldenkmal zu erhalten. Es ist nicht zwingend dem Abriss freizugeben.” Andreas Starke, Oberbürgermeister von Bamberg im Oktober 2019

Stadt Augsburg hat keinen Kontakt zum Investor

In Augsburg ist der Immobilienmarkt angespannt, Wohnungen werden hier dringend benötigt. Wie reagiert die Stadtpolitik auf solche Investoren? Ein Interview lehnt das Rathaus trotz mehrmaliger Anfrage ab. Mit dem Investor sei man nicht im Gespräch. Dabei geht es um fast 50 Wohnungen. Auf Nachfrage heißt es von German Property Group, ab Ende Februar werde im Proviantbachquartier weitergebaut. Martin Karl hofft, dass das nicht nur eine weitere Ankündigung ist:

“Und da bleibe ich jetzt in kürzeren Abständen dran und werde immer wieder nachhaken, um zu sehen, wie glaubwürdig ist denn das.” Martin Karl, Wohnungseigentümer

Damit endlich auch in den letzten Teil des Proviantbachquartiers Menschen einziehen können.

💡 Bürgerrecherche: Wem gehört die Stadt?

Wem gehören die Wohnungen in Augsburg, München und Würzburg? Wo fließt die Miete hin und wer profitiert von den steigenden Preisen? Gemeinsam mit den Bürger*innen möchten BR und Correctiv den Immobilienmarkt transparenter machen. Helfen Sie mit! Gehen Sie auf unsere Webseite br.de/wemgehoert. Teilen Sie uns Adresse und Eigentümer Ihrer Wohnung mit. Laden Sie einen Beleg, zum Beispiel ein Foto Ihres Mietvertrages, hoch. Eingaben überprüfen und absenden.