Kirchenverkauf in Schottland bringt Rekordgewinne
Die Kirche Schottlands steht vor einer beispiellosen Immobilienverkäufen, die der Institution voraussichtlich 30,6 Millionen Pfund einbringen werden – ein Rekordbetrag für ein einziges Jahr. Mehr als 160 Gebäude wurden im letzten Jahr zum Verkauf angeboten, und die Kirche geht davon aus, dass viele dieser Objekte den vollen Verkaufspreis erzielen werden.
Verkauf von Kirchen und historischen Gebäuden
Die Liste der zum Verkauf stehenden Immobilien umfasst eine Vielzahl von Objekten, von kleinen Dorfgemeinden bis hin zu imposanten Kirchen im Kathedralenstil und historischen Gebäuden. Die Preise reichen dabei von lediglich 20.000 Pfund bis hin zu fast einer Million Pfund. Die Kirchenführung erklärte, dass die Tausenden von Immobilien im Besitz der Kirche weit über das hinausgehen, was für die lokalen Gemeinden notwendig sei.
Ein Sprecher der Kirche Schottlands erklärte, dass die sich wandelnden Bevölkerungsstrukturen, rückläufige Mitgliederzahlen, weniger Menschen, die sich für den Dienst ausbilden lassen, und sinkende finanzielle Beiträge die Notwendigkeit bedingen, die Anzahl der Gebäude zu verringern, um die finanzielle Situation der Kirche zu stabilisieren.
Er fügte hinzu, dass die Zahl der Verkäufe zwar weiter sinken werde, wenn neue Kirchenvereinigungen durchgeführt werden, aber der aktuelle Prozess noch nicht abgeschlossen sei.
Doch nicht alle sind mit der Entwicklung einverstanden. In vielen schottischen Gemeinden gibt es Besorgnis über den Verlust spiritueller Kulturgüter, die seit Generationen als zentrale Treffpunkte für Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen dienten.
Die Kirche Schottlands besitzt mittlerweile mehr als 5000 Immobilien, was sie nach dem National Trust for Scotland zur zweitgrößten privaten Eigentümerin von historischen Gebäuden im Land macht. Die Kirche betonte, dass die Anzahl der Verkäufe künftig zurückgehen werde, da die neuen Kirchenvereinigungen Wirkung zeigen werden.
Doch Kritiker werfen der Kirche vor, dass diese Verkäufe oftmals schnell und ohne ausreichend Rücksicht auf die Gemeinschaften stattfinden, was es diesen erschwert, selbst ein Angebot abzugeben.
Ein Beispiel für einen solchen Verkauf war der historische Culross Abbey in Fife, der für mehr als 35.000 Pfund angeboten wurde und aufgrund von internationalem Interesse im Zusammenhang mit der beliebten Fernsehserie „Outlander“ hohe Wellen schlug. Während die Dorfgemeinschaft versuchte, das Gebäude zu kaufen, konnte der Kauf nicht realisiert werden, da ein anonymer Käufer den Zuschlag erhielt.
Auch die Arbuthnott Church in Aberdeenshire, die als Inspiration für den berühmten Roman „Sunset Song“ diente, wurde für 45.000 Pfund zum Verkauf angeboten. Trotz Unterstützung durch Persönlichkeiten wie die Schauspielerin Vivien Heilbron scheiterten die Versuche einer Gemeinschaftsoffensive.
In anderen Teilen Schottlands, etwa in Troon in Ayrshire und Maryhill im Norden Glasgows, gab es jüngst Unruhen, als Kirchengebäude verkauft werden sollten. In Troon versuchten die Bewohner, 200.000 Pfund zu sammeln, um die Troon Old Parish Church zu kaufen, doch sie kamen nur auf 20.000 Pfund. In Maryhill wehrten sich die Anwohner gegen den Verkauf der Gairbraid Church, die für mehr als 120.000 Pfund angeboten wurde, doch die Kirche ließ den Verkauf nicht stoppen.
Der Reverend Dr. Richard Frazer, Minister der Greyfriars Kirk in Edinburgh, warnte, dass die Kirche Schottlands in einer Generation oder zwei möglicherweise nicht mehr existieren könnte, wenn der Trend anhält.