Justizakten enthüllen Epsteins Netzwerk und neue Missbrauchsvorwürfe
Eine umfangreiche neue Veröffentlichung von Dokumenten des US-Justizministeriums wirft ein grelles Licht auf die anhaltenden Verbindungen des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu milliardenschweren Finanziers und einflussreichen Persönlichkeiten. Die Akten, die am 4. Februar 2026 freigegeben wurden und Millionen Seiten umfassen, zeigen nicht nur, wie Epstein seinen Umgang mit der globalen Elite auch nach seiner Verurteilung im Jahr 2008 pflegte, sondern enthalten auch verstörende neue Missbrauchsvorwürfe gegen den Private-Equity-Milliardär und MoMA-Kurator Leon Black.
Detaillierte Vorwürfe und ein chiffriertes Tagebuch
Laut den Dokumenten, über die unter anderem Hyperallergic berichtete, wurden Vorwürfe gegen den ehemaligen JPMorgan Chase Manager Jes Staley von Bundesstaatsanwälten geprüft. Ein interner Vermerk von Dezember 2019 beschreibt den Vorwurf einer nicht identifizierten Frau, Staley habe sie in Epsteins New Yorker Residenz vergewaltigt.
Im Zentrum der neuen Enthüllungen stehen jedoch die Anschuldigungen gegen Leon Black. Die Akten enthalten gescannte Bilder eines Tagebuchs mit persönlichen Schilderungen mutmaßlicher Gewalt durch Black. Die Einträge, teilweise in kodierter Form verfasst, spiegeln eine Zivilklage aus dem Jahr 2023 wider. Darin wirft eine als Jane Doe bekannte Frau Black vor, sie 2002 im Alter von 16 Jahren in Epsteins Manhattan-Wohnung vergewaltigt zu haben. Die Klage gibt an, dass Jane Doe Autismus und eine seltene Form des Down-Syndroms hat und ihr Entwicklungsalter damals auf 12 Jahre geschätzt wurde.
Ein entschlüsselter Tagebucheintrag schildert eine gewaltsame Begegnung: „Er warf mich auf den Boden und Blut war über Jeffreys Teppich… Wer zum Teufel beißt jemanden? Krank!“ Die Akten enthalten zudem E-Mails der Kanzlei Wigdor LLP, die Jane Doe und ein weiteres mutmaßliches Opfer, das ehemalige Model Guzel Ganieva, vertrat. Eine Anwältin schreibt darin, beide Beschuldigerinnen hätten nahezu identische „Biss-Rituale“ durch Black beschrieben – gewaltsames Beißen auf Vulva, Labien und Klitoris.
Eine weitere Nachricht vom 16. Oktober 2018, die in den DOJ-Akten enthalten ist, beschuldigt Black direkt: „Leon. Du hast mich sexuell belästigt, mit mir Sexhandel betrieben, mich vergewaltigt und schließlich auf eine schwarze Liste gesetzt.“
Anhaltende Kontakte zur Elite
Die Dokumente zeigen, dass Epsteins Netzwerk weit über Black hinausreichte. Bloomberg und Haaretz berichten von Verbindungen zu weiteren prominenten Figuren. Demnach unterhielt der pro-Trump-Milliardär Marc Rowan, der in den Vorstand für den Gaza-Wiederaufbau berufen wurde, enge Kontakte zu Epstein. E-Mails belegen auch freundschaftliche Kommunikation und Treffeplanungen mit Richard Branson, Gründer der Virgin Group, aus dem Jahr 2013, in denen auch scherzhaft über weibliche Begleitung gesprochen wurde.
Bemerkenswert sind die anhaltenden Kontakte sogar nach Epsteins zweiter Verurteilung 2019. Laut MixVale tauschte Elon Musk Nachrichten mit Epstein über Termine für gesellschaftliche Ereignisse und mögliche Besuche auf Epsteins Privatinsel Little St. James aus. Auch US-Handelsminister Howard Lutnick korrespondierte 2012 über einen Familienbesuch auf der Insel um Weihnachten, obwohl er einen früheren Besuch in Epsteins Villa später als „sofortigen Abscheu“ auslösend beschrieb.
Ein kleiner, aber bezeichnender menschlicher Detail: Der New Yorker Immobilienmogul Andrew Farkas, der mit Epstein einen Yachthafen gemeinsam besaß, schickte diesem noch 2018 herzliche Nachrichten.
Die Enthüllungen stellen auch das Museum of Modern Art (MoMA) erneut in Frage, in dessen Kuratorium Black nach wie vor sitzt. Künstler fordern seit langem seinen Rücktritt, nicht zuletzt weil Epstein Zahlungen von Black in Höhe von 158 Millionen US-Dollar erhielt. Das Museum hat sich zu den neuen Vorwürfen nicht öffentlich geäußert.
In einer Stellungnahme an Hyperallergic wies Blacks Anwältin Susan Estrich alle Vorwürfe entschieden zurück. Sie verwies auf eine unabhängige Untersuchung der Kanzlei Dechert, die zu dem Schluss kam, Black habe Epstein nur für Nachlassplanung und Steuerberatung bezahlt. Estrich bezeichnete Jane Doe als „Betrügerin“ und gab an, dass die Wigdor-Kanzlei die Vertretung eingestellt habe. Man beantrage die Einstellung des Verfahrens und Sanktionen wegen falscher Ansprüche.
Die weitreichenden Dokumente führten bereits zu Konsequenzen: David A. Ross, ehemaliger Leiter des MFA-Programms an der School of Visual Arts, trat nach Enthüllungen über seinen Briefwechsel mit Epstein zurück. Der Künstler Jeff Koons wurde als Gast auf einer Dinnerparty in Epsteins Haus Jahre nach dessen Verurteilung identifiziert.
Mit Millionen Seiten nun in der Öffentlichkeit werden die schwierigen Fragen nach Verantwortung, Mittäterschaft und dem anhaltenden Einfluss von Reichtum und Verbindungen immer drängender. Der Fall bleibt im globalen Rampenlicht.