Press "Enter" to skip to content

Hepatitis-Skandal in Donauwörth: Später Schock für eine Mutter

Ein Anästhesist aus dem Donauwörther Krankenhaus soll Patienten mit Hepatitis C angesteckt haben. Einen Verdacht gab es auch bei einer Mutter, doch ein erster Test gab Entwarnung. Nun gab es ein böses Erwachen – das das Leben der Frau veränderte.

Vor der Mutter liegt das Testergebnis: Hepatitis C positiv. Dabei hatte sie gedacht, sie wäre verschont geblieben.

Erstes Testergebnis war negativ

Wie gut 1.700 andere war Anja (Name geändert) vom Gesundheitsamt Donau-Ries nach einer OP im Donauwörther Krankenhaus angeschrieben worden: Es könnte sein, dass auch sie zu den Patienten gehört, die sich im Krankenhaus infiziert haben. “Ich hatte zwei OPs, mein Immunsystem so schwach, ich hatte keine Antikörper”, berichtet die Mutter. Der erste Test aber war negativ.

Ein Test reicht nicht immer

Anja war also erstmal beruhigt. Dann aber: eine Routineuntersuchung ein Jahr später, im vergangenen November. Diese Mal ist das Ergebnis positiv. Mediziner bestätigen – das passiert selten, aber es kann passieren. Man hätte später noch einen zweiten Test machen müssen. Doch daran hatte keiner gedacht.

“Wie tausend Nadeln”

Deshalb ist sie jetzt noch mitten in der drei Monate dauernden Therapie. Täglich nimmt sie eine Tablette. Das Medikament gibt es noch nicht lange, erst seit etwa fünf Jahren. Laut den Ärzten hat es kaum Nebenwirkungen. Anja kann das nicht bestätigen:

“Meine Hände und Füße sind wie tausend Nadeln, Meine Fingerspitzen pelzig. Ich sitze mit einem Kübel da und meine, ich muss mich übergeben. Körperliche Tätigkeiten – selbst wenn es nur ein Spaziergang ist – ist nur noch die Hälfte möglich. Ich kenne meinen Körper nicht mehr – ich bin ein anderer Mensch.

Das Testergebnis hat ihr Leben verändert

Verändert hat sich seit dem positiven Testergebnis auch ihr komplettes Familienleben, sagt ihr Mann: “Wir passen auf, dass wir nicht vom gleichen Glas trinken – es hat sich alles bisschen geändert, muss ich sagen. Es ist nicht mehr so fröhlich, wie es bei uns mal war zuhause.”

Hepatitis C wird in der Regel durch direkten Blutkontakt übertragen – theoretisch ist sind auch Körperflüssigkeiten infektiös. Kann es sein, dass sie ihre Kinder angesteckt hat? Diese Frage beschäftigt sie – und ihren Mann: “Die Kinder sind noch so jung, haben das ganze Leben vor sich. Ich hab sehr Angst um die Kinder, wenn da was wäre, dass die gemieden werden von den Freunden, auch Sorgen und Kummer.”

Die Familie fühlt sich alleine gelassen

Die Familie fühlt sich allein gelassen, wie auch andere Betroffene. Deshalb treffen sich einige regelmäßig, um sich auszutauschen. Vielen geht es auch nach der Therapie noch schlecht, körperlich wie psychisch.

Vom Gesundheitsamt heißt es, Aufgabe der Behörde sei es, eine Ausbreitung eines solchen Virus zu verhindern – die Ursache zu finden. Auf das Krankenhaus hätten die Betroffenen jederzeit zukommen können, so die Rückmeldung aus der Donau-Ries-Klinik. Die unverschuldet mit Hepatitis C Infizierten hätten sich aber gewünscht, dass aktiv jemand auf sie zukommt.