Handelsstreit und Technologiekonflikt gefährden US-Südkorea-Allianz
In Washington hat der Justizausschuss des Repräsentantenhauses am 5. Februar 2026 eine offizielle Untersuchung gegen Südkorea eingeleitet. Der Vorwurf: Das Land nutze seine Gesetze und Behörden, um gezielt US-Unternehmen zu benachteiligen. Als konkretes Beispiel wird der Umgang mit dem E-Commerce-Riesen Coupang angeführt, der in Südkorea wegen eines Datenlecks von fast 34 Millionen Kunden unter scharfer Beobachtung steht. Der Ausschuss hat Coupang bereits eine Vorladung zugestellt, um Dokumente und Zeugenaussagen über die Erfahrungen mit südkoreanischen Aufsichtsbehörden wie der Korea Fair Trade Commission zu erhalten.
Eine Krise mit mehreren Fronten
Die parlamentarische Untersuchung ist nur ein Symptom einer rapiden Verschlechterung der Beziehungen zwischen den langjährigen Verbündeten. Den dramatischsten Schritt unternahm die US-Regierung letzte Woche, als Präsident Donald Trump Südkorea vorwarf, ein im Oktober 2025 geschlossenes Handelsabkommen nicht einzuhalten. Seine Administration verhängte überraschend neue Zölle von 25 Prozent auf südkoreanische Importe. Dies traf Seoul völlig unvorbereitet, da die Ratifizierung des Abkommens durch die Nationalversammlung für Ende Februar oder März erwartet worden war und Südkorea bereits signalisiert hatte, Zölle von 15 Prozent auf Schlüsselexporte wie Autos und Pharmazeutika zu akzeptieren. Im Gegenzug hatte Seoul Investitionen in Höhe von 350 Milliarden US-Dollar in den USA zugesagt.
Die plötzliche Erhöhung auf 25 Prozent wird für viele südkoreanische Unternehmen ernste Probleme verursachen. „Die 15 Prozent Zölle waren schon schlimm genug, aber diese nun auf 25 Prozent anzuheben, wird ernste Probleme für viele koreanische Firmen verursachen“, warnte Park Jung-won, Juraprofessor an der Dankook University. Hinzu kommt, dass das US-Finanzministerium den südkoreanischen Won auf seine Beobachtungsliste für mögliche Währungsmanipulation gesetzt hat.
Als Reaktion auf die wachsenden Spannungen und globalen Unsicherheiten ging Südkorea unterdessen an die Kapitalmärkte. Am 5. Februar platzierte die Regierung Dollar-Anleihen im Wert von 3 Milliarden US-Dollar. Die Erlöse aus dem Verkauf der drei- und fünfjährigen Anleihen, die mit Aufschlägen von 9 bzw. 12 Basispunkten über vergleichbaren US-Staatsanleihen gehandelt wurden, fließen in den Währungsstabilisierungsfonds des Landes.
Diplomatische Verstimmungen und ein Datenleck
Parallel zum Handelskrieg eskalieren Konflikte im Technologiebereich. Der Fall Coupang hat sich zu einem diplomatischen Zündstoff entwickelt. Nachdem der koreanische Ableger des in Seattle ansässigen Konzerns im November 2025 das massive Datenleck bekannt gegeben hatte, trat der bisherige CEO Park Dae-jun zurück und wurde durch Harold Rogers aus den USA ersetzt. Die Ermittlungen verliefen kontrovers; Rogers wurde am 2. Februar zwölf Stunden lang wegen des Verdachts der Beweismittelvernichtung befragt, Park einen Tag später wegen möglichen Meineids im Parlament.
Besondere Empörung in Südkorea löste eine Intervention von US-Vizepräsident JD Vance aus. Er warnte Ministerpräsident Kim Min-seok am Tag nach der Zollerhöhung davor, Coupang und andere US-Tech-Firmen zu „bestrafen“. Eine Editorial der Korea Times wertete dies als „beunruhigende Eskalation“ und einen plumper Versuch, ein mächtiges Unternehmen vor legitimer Strafverfolgung zu schützen. Viele Bürger empfanden sowohl Wut als auch Verzweiflung angesichts einer als arrogant wahrgenommenen Haltung des interimistischen Coupang-CEOs gegenüber koreanischen Gesetzgebern.
Südkoreas Außenminister Cho Hyun reiste eilig nach Washington, um am 3. Februar mit US-Außenminister Marco Rubio zu sprechen und den Ratifizierungsprozess zu erläutern. Ob dies die US-Administration besänftigen kann, ist ungewiss. Beobachter wie Hyobin Lee von der Sogang University sehen die Wurzel des Problems in Trumps unberechenbarem Stil. „Für die koreanische Regierung ist der Umgang mit einem Individuum wie Trump, der außerhalb vorhersehbarer institutioneller Normen operiert, zweifellos belastend“, so Lee. „Er ist nicht immer logisch und höchst unberechenbar, was es schwer macht, ihm zu vertrauen.“
Während beide Seiten ihre Positionen verhärten, bleibt die Zukunft der wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen ungewissen. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um zu sehen, ob gemäßigtere Kräfte die Oberhand behalten oder diese angespannte Phase eine Zeitenwende in einer der wichtigsten Partnerschaften Asiens markiert.