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Fränkischer Bocksbeutel als Auslaufmodell?

Grün und bauchig sieht sie aus, die typische Bocksbeutel-Flasche. Doch nur noch ein Viertel des Frankenweins wird in dieser Flasche verkauft. Das sind zehn Prozent weniger als noch vor fünf Jahren. Steht das fränkische Kulturgut vor dem Aus?

Der Bocksbeutel gehört zu Mainfranken wie Plätzchen zu Weihnachten. Doch die charakteristische, bauchige, grüne Flasche steht immer seltener in den Weinregalen im Supermarkt. Nur noch gut ein Viertel des Frankenweins kommt im Bocksbeutel auf den Markt. Das ist amtlich. Denn die Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken hat diese Zahl bekanntgegeben und sich überrascht gezeigt.

Beim 2013er Jahrgang lag die Quote noch bei 34 Prozent, also über einem Drittel. Fünf Jahre später waren es nur noch 26 Prozent. Müssen wir uns also Sorgen machen um den Bocksbeutel? Und damit um ein markantes und exklusiv fränkisches Kulturgut?

Juliusspital Würzburg will am Bocksbeutel festhalten

Im Juliusspital in Würzburg, dem zweitgrößten Weingut Deutschlands, kann davon keine Rede sein. In der Abfüllanlage werden pro Stunde 3.000 Bocksbeutel-Flaschen mit Silvaner gefüllt. Das sind 20.000 Bocksbeutel pro Tag. Rund 40 Prozent seiner Weine füllt das Juliusspital in die bauchige Flasche – und Weingutsleiter Horst Kolesch will daran festhalten.

Weingut aus Frickenhausen hat auf andere Flaschen umgestellt

Das Familienweingut Meintzinger in Frickenhausen (Lkr. Würzburg) hatte in den vergangenen Jahren ihre Weine ausschließlich in Bocksbeutel-Flaschen verkauft. Doch die Glasindustrie kam mit der Produktion nicht nach. Vom Bocksbeutel gebe es zu viele Sondermodelle: Braun, grün, weiß – bauchig oder flach – mit oder ohne Schraubverschluss, so Michaela Meintzinger.

“Wir waren gezwungen, auf Schlegelflaschen umzustellen”, erklärte Michaela Meintzinger. Die schmale Flasche mit dem langen Hals sei leichter zu bekommen und koste weniger als die Hälfte. Lediglich einen Silvaner füllt die Winzerfamilie noch in die bauchigen Flaschen.

Schlegelflasche ist praktischer für die Gastronomie

Die Schlegelflasche entspreche gerade dem Zeitgeist, sagte Weinbaupräsident Artur Steinmann. “Diese schlanke Form ist gerade sehr angesagt bei den Gastronomen und bei den Weinhändlern. Die sperrige Bocksbeutel-Flasche braucht zu viel Platz im Regal”, so Steinmann. Er macht sich aber keine Sorgen um den Fortbestand des Bocksbeutels. “Es geht uns nicht um die Menge der Flaschen, sondern um die Qualität des Weins. Die Bocksbeutel-Flasche muss immer ein Qualitätsversprechen sein. Wir werden weiter am Image des Bocksbeutels arbeiten”, betonte der Weinbaupräsident.