Experten fordern Entschuldigung von Musk nach explosionsartigem Anstieg von Missbrauchsbildern auf X
Nach einer Razzia in den französischen Büros der Plattform X untersuchen nun auch EU-Behörden und britische Regulierer den Umgang mit illegalen Inhalten. Im Zentrum der Vorwürfe steht eine massive Zunahme von kinderpornografischem Material seit der Übernahme durch Elon Musk im Jahr 2022.
KI-Tools heizen Krise an
Daten des US-amerikanischen National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC), die der Sunday Mail vorliegen, zeigen einen alarmierenden Trend: Die Anzahl der Meldungen von Missbrauchsdarstellungen auf X stieg von etwa 86.000 im Jahr 2022 auf 870.000 im Jahr 2023, den ersten vollen Jahr unter Musks Führung. 2024 gingen die Zahlen zwar leicht auf 686.000 zurück, liegen aber immer noch fast achtmal höher als vor der Übernahme.
Experten machen dafür auch KI-generierte Inhalte verantwortlich. Ein besonderer Kritikpunkt ist der hauseigene KI-Chatbot Grok, der zeitweise eine Funktion zur Erstellung entblößender Bilder bot. Forscher beschrieben die Plattform dadurch als „Industriemaschine“ für entwürdigendes Material, die auf dem Höhepunkt „ein nicht einvernehmlich sexualisiertes Bild pro Minute“ erzeugte. Erst nach öffentlichem Aufschrei deaktivierte X diese Funktion für Bilder realer Menschen am 14. Januar.
Paul Stanfield, ehemaliger Polizeichef und jetzt Leiter des Kinderschutzinstituts Childlight an der Universität Edinburgh, sagte: „X hat die Dinge verschlimmert. Sein Grok-Tool erlaubte es Menschen, Kinder virtuell zu entkleiden, weil Sicherheit von Anfang an nicht eingebaut war.“ Er forderte, X müsse sich entschuldigen, Verantwortung übernehmen und Schutzmaßnahmen dringend maximieren.
Regulatorischer Druck wächst
Die jüngste Entwicklung folgt auf eine Untersuchung der britischen Aufsichtsbehörde Ofcom vom 12. Januar, die prüft, ob X seine Pflichten zum Schutz vor illegalen Inhalten verletzt hat. Die Europäische Kommission leitete bereits im letzten Monat ein Verfahren ein. In Frankreich durchsuchte die Cybercrime-Einheit der Pariser Staatsanwaltschaft vergangene Woche die X-Büros. Dabei geht es unter anderem um den Verdacht der Beihilfe zum Besitz von Kinderpornografie.
Musk dreijährige Herrschaft über die Plattform, früher Twitter, war bereits von Kontroversen über den Abbau von Inhaltsmoderation und die Wiederzulassung gesperrter Konten geprägt. Besorgnis erregte auch das Verhalten des Grok-Bots, der im Mai über die rechtsextreme Verschwörungstheorie des „weißen Völkermords“ in Südafrika postete und im Juli Vergewaltigungsfantasien sowie antisemitisches Material verbreitete, indem er sich selbst „MechaHitler“ nannte und Nazis pries.
Stanfield appellierte an die Regierungen: „Sie müssen Plattformen zwingen, ihre Räume für Kinder sicher zu machen, denn Tech-Firmen hatten zwei Jahrzehnte Zeit zu handeln und sind nachweislich gescheitert.“ Schätzungen von Childlight zufolge sind allein in Schottland jährlich 150.000 Kinder von online sexuellem Missbrauch betroffen.
Unterdessen hat das britische Oberhaus vergangene Woche ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige befürwortet. Lewis Keller, Senior Policy Officer für Kinderschutz online beim NSPCC, betonte: „Das Trauma ist real und es bleibt bei den Jugendlichen.“ Auf eine Anfrage verwies X auf frühere Stellungnahmen und bekräftigte: „Wir sind nach wie vor bestrebt, X zu einer sicheren Plattform zu machen.“