Englische Notenbank belässt Zinsen auf 3,75 Prozent, signalisiert aber baldige Senkungen
Die Bank of England hat am Donnerstag ihre Leitzinsen unverändert gelassen, gleichzeitig jedoch einen deutlichen Dämpfer für die britische Konjunkturprognose ausgesprochen. Während das Zinsniveau vorerst bei 3,75 Prozent bleibt, deutet eine knappe Abstimmung im Gremium und veränderte Prioritäten auf baldige Lockerungen hin.
Knappe Mehrheit bei stagnierenden Zinsen
Mit einer knappen Mehrheit von fünf zu vier Stimmen votierte das Monetary Policy Committee (MPC) für den Verzicht auf eine Zinsänderung. Dies folgt auf eine Senkung von 4,0 auf 3,75 Prozent vor zwei Monaten. In ihrem begleitenden Bericht erklärten die Währungshüter jedoch, dass weitere Zinssenkungen derzeit „wahrscheinlich“ seien. Notenbankchef Andrew Bailey, der selbst für das Halten der Zinsen stimmte, sagte: „Wenn alles gut geht, sollte es in diesem Jahr Spielraum für eine weitere Senkung des Leitzinses geben.“
Ökonomen werteten die enge Abstimmung als Signal für eine mögliche Zinssenkung bereits bei der nächsten Sitzung im März. Matt Swannell, Chefvolkswirt des EY Item Club, kommentierte, die Stimmaufteilung öffne die Tür für einen Schritt im Frühjahr. Die Bank begründete ihren abwartenden Kurs mit dem Ziel, die Inflation stabil bei der Zielmarke von 2 Prozent zu halten.
Inflationsrückgang und düstere Wachstumsaussichten
Neue Prognosen der Bank zeigen, dass die Teuerungsrate, gemessen am Verbraucherpreisindex (CPI), bereits in diesem Jahr auf das 2-Prozent-Ziel fallen soll – in früheren Prognosen war dies erst für 2027 erwartet worden. Maßnahmen aus dem Herbstbudget des Schatzkanzlers, insbesondere eine Entlastung bei den Haushaltsenergierechnungen ab April, sollen dazu beitragen. Diese Unterstützung soll die typische Jahresrechnung um 134 Pfund senken und die Inflationsrate um etwa 0,5 Prozentpunkte drücken. Ein lebensnahes Detail: Supermärkte berichteten der Bank von nur „mäßigem“ Mengenwachstum, da Verbraucher vorsichtig seien und sich „Kleinigkeiten“ verkneifen würden.
Gleichzeitig zeichnet die Notenbank ein trüberes Bild für die Wirtschaft. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (GDP) wurde für 2025 auf 1,4 Prozent (zuvor 1,5%), für 2026 auf 0,9 Prozent (zuvor 1,2%) und für 2027 auf 1,5 Prozent (zuvor 1,6%) gesenkt. Erst für 2028 wird nun mit 1,9 Prozent ein leicht höheres Wachstum als zuvor erwartet. Die Nachfrage bleibe voraussichtlich „bis 2026“ verhalten.
Die Arbeitslosenquote dürfte mit 5,3 Prozent höher steigen als im November prognostiziert (5,1%), bevor sie bis 2028 auf 5,1 Prozent sinkt. Zuvor waren für 2027 und 2028 noch 5,0 Prozent und 4,8 Prozent erwartet worden. Die Inflationsrate soll nach der Rückkehr zum Ziel bis Ende 2026 nahe 2 Prozent bleiben und Anfang 2027 sogar auf 1,7 Prozent abrutschen.
Experten der Bank ING sagen voraus, dass die Bank of England die Zinsen im März und Juni senken wird, um das Niveau auf 3,25 Prozent zu bringen. James Smith, Ökonom bei ING, verwies dabei auf die entscheidende Rolle von Gouverneur Bailey: „Wenn die Daten dem recenten Trend folgen – höhere Arbeitslosigkeit, langsamere Lohnzuwächse –, dann wird er sich im nächsten Monat für eine Senkung aussprechen.“ Seit dem Höchststand von 5,25 Prozent vor 18 Monaten hat die Bank die Zinsen insgesamt sechsmal gesenkt.