Eltern von Lucy Letby kritisieren Netflix-Dokumentation als massive Privatsphärenverletzung
Die Eltern der verurteilten Kindermörderin Lucy Letby haben sich scharf gegen eine neue Netflix-Dokumentation über ihre Tochter ausgesprochen. Sie bezeichnen die Produktion als „vollständigen Eingriff in die Privatsphäre“. Besonders empört zeigen sich Susan und John Letby darüber, dass Aufnahmen aus dem Inneren ihres Hauses gezeigt werden, die den Moment der Verhaftung ihrer Tochter im Jahr 2018 festhalten.
In einer Stellungnahme gegenüber der Sunday Times äußerte das Paar die Befürchtung, ihr Zuhause könne nun zu einer „Touristenattraktion“ werden. „Wir werden sie nicht ansehen – es würde uns wahrscheinlich umbringen, wenn wir es täten“, sagten sie. Die Dokumentation mit dem Titel „The Investigation of Lucy Letby“ war am vergangenen Mittwoch auf der Streaming-Plattform erschienen.
Bedrohungen und unerschütterlicher Glaube an Unschuld
Der ehemalige Krankenhauschef des Countess of Chester Hospital, Tony Chambers, sagte gegenüber einem öffentlichen Untersuchungsausschuss aus, dass John Letby ihn während der Ermittlungen bedroht habe. „Er drohte damit, mich an die Ärztekammer (GMC) zu melden“, so Chambers. „Er sagte, er halte mir eine Pistole an den Kopf.“ Auf die Frage, ob Lucy Letby manipulativ gewesen sei, antwortete Chambers, es scheine eher der Vater gewesen zu sein, „der die Fäden zog“.
Trotz der überwältigenden Beweislage und der lebenslangen Haftstrafe für ihre Tochter bestehen die Eltern weiterhin auf deren Unschuld. In einer Erklärung an „Good Morning Britain“ betonten sie: „Unser Herz blutet für alle betroffenen Familien. Wir können uns den unerträglichen Schmerz, den sie täglich durchmachen, nicht vorstellen. Nichtsdestotrotz ist unsere Tochter unschuldig, und hier ist ein schrecklicher Justizirrtum geschehen.“
Während des zehnmonatigen Prozesses zogen die Eltern von Hereford nach Manchester, um näher bei ihrer Tochter zu sein, und besuchten täglich die Verhandlungen am Manchester Crown Court. Als das Schuldurteil verkündet wurde, rief Susan Letby laut Daily Mail aus: „Das kann nicht wahr sein. Das kann nicht richtig sein.“ Der Verhandlung zur Urteilsverkündung, in der die lebenslange Haft ohne Möglichkeit vorzeitiger Entlassung verhängt wurde, wohnten sie laut Berichten nicht bei.
Bereits 2017 hatten sich die Eltern in einer E-Mail an die Krankenhausleitung gewandt und ein dringendes Treffen gefordert. Sie argumentierten, das Prinzip der Unschuldsvermutung gelte für ihre Tochter nicht. Bei der Verhaftung Lucy Letbys im Juli 2018 soll Susan Letby den anwesenden Polizisten laut MailOnline zugerufen haben: „Ich war es, nehmen Sie mich stattdessen.“
Luxemburger Medienberichten zufolge ist John Letby als Manager in der Möbelbranche tätig, Susan Letby arbeitet als Buchhalterin. Lucy Letby ist ihr einziges Kind; Susan brachte sie im Alter von 29 Jahren zur Welt, John war damals 44. Das Paar hatte sechs Monate zuvor geheiratet.