Ehemaliger Wildhüter wegen Mordes an Kollegen vor Gericht
Vor dem High Court in Perth hat der Prozess gegen einen 77-jährigen ehemaligen Wildhüter begonnen, der beschuldigt wird, einen früheren Kollegen erschossen zu haben. David Campbell soll Brian Low (65) am 16. Februar 2024 auf einem Weg bei Aberfeldy in der Region Perth and Kinross mit einer Schrotflinte getötet haben.
Die Anklage wirft Campbell vor, gezielt gehandelt zu haben: Er habe zunächst Überwachungskameras an einem Haus in der Crieff Road außer Gefecht gesetzt, um seine Anwesenheit zu verschleiern. Anschließend habe er auf Low geschossen, der an den Folgen der Schussverletzungen an Hals und Brust noch am Tatort starb.
Vorwurf der Beweisvernichtung
Neben dem Mordvorwurf muss sich Campbell auch wegen Versuchs der Vereitelung der Justiz verantworten. Die Staatsanwaltschaft behauptet, er habe die Tatwaffe an einem unbekannten Ort entsorgt. Zudem ließ er laut Anklage am Tag der Tat zwei Reifen an einem E-Bike wechseln, das er benutzt haben soll, und warf eine Kiste sowie eine Patronentasche im Recyclingzentrum von Aberfeldy weg.
Ebenfalls entsorgt habe er eine Luftpistole, die er über sieben Jahre hinweg regelmäßig auf dem Grundstück Tigh Na Caorann abgefeuert habe. Campbell bestreitet alle Vorwürfe und brachte eine Alibi-Verteidigung vor: Zur Tatzeit sei er nicht am Tatort Leafy Lane, sondern zu Hause in Aberfeldy gewesen.
Beide Männer hatten lange auf dem Edradynate Estate bei Aberfeldy gearbeitet – Campbell von 1984 bis 2018, Low von 2000 bis 2023 – und in zugehörigen Häusern gelebt. Die Anklage führt an, Campbell habe Low gegenüber bereits zuvor „Bosheit und Übelwollen“ gezeigt.
Zeuge schildert aggressive Begegnung
Als erster Zeuge trat der ehemalige Polizeibeamte Alan Stewart (78) auf. Er war in seiner Rolle als Wildtierverbrechens-Beauftragter mit Campbell aneinandergeraten, als er Vorwürfe des Vogelvergiftens auf demselben Anwesen untersuchte. Stewart bestätigte eine angespannte Beziehung.
Er schilderte dem Gericht eine Begegnung auf einer Jagdmesse im Sommer 1995 im Scone Palace. Als sie sich in einem Gang begegneten, habe Campbell ihn angesehen und gesagt: „Es ist erstaunlich, was für Ungeziefer man sieht, wenn man keine Waffe dabei hat.“ Stewart war mit Ehefrau und Enkelin vor Ort.
„Es war kein Witz. Es wurde mit einer gewissen Bosheit gesagt“, so der Zeuge. Seine Familie sei darüber sehr beunruhigt gewesen. In der Kreuzverhandlung räumte Campells Verteidiger, Anwalt Tony Lenehan, ein, dass sein Mandant an jenem Tag „etwas Unangenehmes“ gesagt habe.
Campbell sieht sich zudem mit fünf weiteren Anklagen wegen Störung der öffentlichen Ordnung konfrontiert, die auf Vorfälle zwischen Juli 1995 und September 2012 zurückgehen. Ihm wird vorgeworfen, drei Männer und zwei Frauen in einen „Zustand der Angst und Alarmbereitschaft“ versetzt zu haben.
Der Prozess unter Vorsitz von Lord Scott wird voraussichtlich drei Wochen dauern.