Direkte Gespräche zwischen den USA und dem Iran über Atomfragen beginnen unter hoher Spannung
Die USA und der Iran treffen an diesem Freitag, dem 7. Februar 2026, zu direkten Atomgesprächen in der omanischen Hauptstadt Maskat zusammen. Die Verhandlungen folgen auf eine hochgefährliche militärische Konfrontation im vergangenen Juni und finden in einer Atmosphäre tiefer gegenseitiger Skepsis statt. Das Treffen zwischen dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff wurde durch massiven Druck arabischer Staaten auf die US-Regierung ermöglicht.
Agenda als Streitpunkt
Ein zentraler Konfliktpunkt ist bereits im Vorfeld der Gespräche sichtbar: Während Teheran die Agenda strikt auf Atomthemen und die Aufhebung von Sanktionen begrenzen will, besteht Washington darauf, auch Irans Raketenprogramm, die Unterstützung für Milizen im Nahen Osten und Menschenrechtsverletzungen zu thematisieren. Außenminister Marco Rubio nannte diese Punkte ausdrücklich als Teil der US-Forderungen. Die Verhandlungen wurden kurzfristig von Istanbul nach Maskat verlegt, nachdem der Iran auf dem neutralen Gastgeber Oman bestand.
Die Hintergründe der Krise sind vielfältig. Auslöser der jüngsten Eskalation war ein israelischer Angriff auf iranische Atomanlagen im Juni 2025, der einen zwölftägigen Krieg nach sich zog. Die USA bombardierten anschließend weitere iranische Ziele, woraufhin Teheran vorübergehend seine Urananreicherung stoppte. Dennoch beläuft sich der iranische Uranvorrat laut der Internationalen Atomenergiebehörde aktuell auf etwa 9.870 Kilogramm. Ein Teil davon ist auf 60 Prozent angereichert, weit über der im Atomabkommen von 2015 festgelegten Grenze von 3,67 Prozent, aus dem die USA 2018 einseitig ausgestiegen waren.
Die diplomatischen Bemühungen wurden von gewaltsamen innenpolitischen Unruhen im Iran begleitet. Seit Ende Dezember 2025 kommt es zu landesweiten Protesten, die die Regierung mit einer brutalen Härte niederschlug. Tausende Menschen starben, zehntausende wurden festgenommen. US-Präsident Donald Trump drohte in einem NBC-Interview angesichts der Lage mit militärischen Konsequenzen und richtete eine Warnung an den Obersten Führer, Ayatollah Ali Khamenei: „Er sollte sehr besorgt sein.“ Bereits am 5. März 2025 hatte Trump in einem persönlichen Schreiben an Khamenei vor den Folgen einer militärischen Auseinandersetzung gewarnt.
Die Spannungen manifestieren sich auch direkt vor Ort. Erst am Dienstag schoss ein US-Flugzeugträger in der Arabischen See eine iranische Drohne ab, die sich „aggressiv genähert“ habe, wie das US-Zentralkommando mitteilte. Gleichzeitig bedrohten iranische Schnellboote einen unter US-Flagge fahrenden Tanker in der Straße von Hormus. Solche Vorfälle unterstreichen das latente Risiko einer unbeabsichtigten Eskalation.
Globale wirtschaftliche Konsequenzen
Die Gespräche haben unmittelbare Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die Nachricht, dass die Verhandlungen stattfinden werden, ließ die Ölpreise am Donnerstag um mehr als zwei Prozent fallen. US-Rohöl notierte bei 63,80 Dollar pro Fass, Brent bei 68,04 Dollar. Analysten wie Saul Kavonic von MST Marquee weisen jedoch darauf hin, dass die massive militärische Aufrüstung der USA und ihrer Verbündeten in der Region weiterhin ein Risikoprämium im Ölpreis rechtfertige. Die strategisch vitale Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird, bleibt ein möglicher Brennpunkt.
Ein kleiner, aber bedeutsamer Zug der iranischen Positionierung ist die Stationierung ihrer fortschrittlichsten ballistischen Langstreckenrakete, der Khorramshahr 4, auf einem unterirdischen Gelände der Revolutionsgarden – ein symbolträchtiger Akt kurz vor den Gesprächen.
Die Erwartungen auf amerikanischer Seite sind verhalten. Ein hochrangiger US-Beamter äußerte gegenüber Axios deutliche Skepsis: „Wir sind nicht naiv, was die Iraner betrifft.“ Die iranische Seite betont unterdessen ihr Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomenergie. Ein Sprecher des Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, erklärte, man sei verpflichtet, die Rechte der iranischen Nation einzufordern und diplomatische Chancen zum Schutz der nationalen Interessen zu nutzen.
Mit Jared Kushner, einem engen Berater Trumps, der nach Vorverhandlungen in Doha erwartet wird, ist auch ein Protagonist der unkonventionellen US-Außenpolitik vor Ort. Ob die Gespräche in Maskat eine Wende einleiten oder nur eine weitere Station eines langen Konflikts bleiben, wird die internationale Gemeinschaft aufmerksam verfolgen. Die Spannungen zwischen Konfrontation und Diplomatie bleiben jedenfalls allgegenwärtig.