Die Cornish-Sprache erhält neue Rechte, während Russland seinen Einfluss in Zentralasien ausbaut
Am 24. Januar 2026 erregten zwei Geschichten, die von der windgepeitschten Halbinsel Cornwall und dem Herzen Zentralasiens berichteten, weltweit Aufsehen: Beide drehten sich um die ungebrochene Kraft der Sprache, die sowohl Identität, Politik als auch geopolitische Einflussnahme prägt. Während die Cornish-Sprache, Kernewek, einen bedeutenden Sieg im langen Kampf um Anerkennung und Wiederbelebung feierte, intensivierte Russland seinen Einsatz, die Bedeutung des Russischen in Zentralasien zu sichern – ein Beleg dafür, wie Sprachen sowohl als Schutz der kulturellen Identität als auch als Instrumente der weichen Macht dienen können.
Cornish erhält mehr Schutz und Förderung
Die Cornish-Sprache, die von einer kleinen, aber leidenschaftlichen Gemeinschaft im südwestlichen England gesprochen wird, erhielt einen wichtigen Schub, als sie unter die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen aufgenommen wurde. Diese Entscheidung, die im Dezember 2025 von der britischen Regierung bekannt gegeben wurde, erhöht den rechtlichen Schutz von Kernewek auf die gleiche Ebene wie andere keltische Sprachen wie Walisisch, Manx und Schottisch-Gälisch. Die Entscheidung wurde vom Europarat begrüßt, der erklärte, dass dies „den Schutz und die Förderung der Cornish-Sprache erheblich stärkt.“
Für Cornwall bedeutet dieser Schritt mehr als nur Symbolik. Die britischen Behörden haben sich verpflichtet, 36 Maßnahmen zu ergreifen, um das Wachstum von Kernewek zu unterstützen. Dazu gehören der Unterricht der Sprache in Schulen, die Zulassung von offiziellen Dokumenten in Cornish und die Erweiterung ihrer Präsenz in den Medien, bei kulturellen Aktivitäten und im Alltag. Bereits 26 Grundschulen haben sich dem Go Cornish-Programm angeschlossen, das Kindern die Sprache näherbringt. Bilinguale Schilder und das Sprechen von Kernewek in den Ratssitzungen sind zunehmend sichtbare und hörbare Zeichen im ganzen Land.
„Es ist ein stolzer Tag“, sagte Leigh Frost, der Vorsitzende des Cornwall Council, und blickte auf die Reise zurück, die es erforderlich machte, Kernewek in der breiten Öffentlichkeit zu etablieren. „Bilinguale Schilder zu sehen und Kernewek in den Ratssitzungen zu hören, ist inzwischen alltäglich. Das zeigt, wie weit wir gekommen sind, und es ist ein weiterer Schritt, um das Wachstum der Sprache zu sichern.“
Die letzten Jahre waren hart und langwierig, erinnerte sich der Abgeordnete Andrew George von St. Ives. „Wir sind so weit gekommen, seit ich unsere Kampagne Ende der 1990er Jahre durch fünf Ministerien trug, bis die Minister merkten, dass wir nicht aufgeben würden. Mit der Cornish-Gemeinschaft haben wir 2002 die offizielle Anerkennung durchgesetzt.“ Für George war die Nachricht ein Grund zu feiern: „Pur da! Spladn! (Sehr gut. Brilliant.)“
Russland verstärkt Einfluss in Zentralasien
Weniger als 5000 Kilometer entfernt entfaltet sich eine ganz andere sprachliche Auseinandersetzung: Russland hat 2025 den russischsprachigen Fernsehsender „Nomad TV“ in Kirgisistan ins Leben gerufen, um die Kreml-freundliche Berichterstattung rund um die Uhr in Zentralasien zu verbreiten. Das Redaktionsteam des Senders wird von Anna Abakumova, einer ehemaligen RT-Journalistin, geleitet, die für ihre pro-kremlfreundliche Haltung bekannt ist. Die Gründung von Nomad TV ist nur ein Teil der umfassenderen Strategie Moskaus, seinen Einfluss in der Region zu bewahren, die zunehmend von China, den USA und der EU beeinflusst wird.
Russlands Kontrolle über Zentralasien hat seit der Invasion in der Ukraine 2022 abgenommen. China ist mittlerweile der größte Handelspartner der Region, während die USA und die EU bedeutende wirtschaftliche Fortschritte gemacht haben. Trotzdem bleibt Zentralasien für Russland von strategischer Bedeutung. Die Region dient als wichtiger Handelsweg, der Moskau hilft, internationale Sanktionen zu umgehen und den Krieg in der Ukraine zu unterstützen. Doch mit zunehmendem fiskalischen Druck fällt es Russland schwerer, politischen oder wirtschaftlichen Einfluss auszuüben. In diesem Kontext wird die russische Sprache zu einem kostengünstigen Mittel, um weiterhin Einfluss zu bewahren.
Russisch bleibt die Lingua franca für Handel, höhere Bildung und Diplomatie in Zentralasien, insbesondere unter den städtischen Eliten. In Kasachstan und Kirgisistan hat Russisch den Status einer Amtssprache, während es in Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan als „Sprache der interethnischen Kommunikation“ anerkannt ist. Viele Eltern bevorzugen russische Schulen, da sie glauben, dass diese bessere wirtschaftliche Perspektiven für ihre Kinder bieten. Die Arbeitsmigration zwischen Zentralasien und Russland sorgt dafür, dass die russische Sprache auch weiterhin relevant bleibt, obwohl die Zahl der russischen Sprecher in der Region seit dem Zerfall der Sowjetunion insbesondere in ländlichen Gebieten zurückgegangen ist.
Doch die sprachliche Landschaft verändert sich. Zentralasiatische Regierungen setzen zunehmend auf Reformen zur Förderung der lokalen Sprachen. Usbekistan stellt schrittweise von der kyrillischen auf ein modifiziertes lateinisches Alphabet um, und auch Kasachstan strebt eine Lateinisierung an. Die Organisation der Turkstaaten, zu der Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Aserbaidschan und die Türkei gehören, hat kürzlich ein 34-Buchstaben starkes lateinisches Alphabet verabschiedet, um die sprachliche Einheit zu fördern. In Turkmenistan wird die russische Sprache in Schulen zunehmend abgelehnt, und in Kirgisistan wurde ein Gesetz eingeführt, das vorschreibt, dass 60 Prozent der Radio- und Fernsehprogramme in Kirgisisch ausgestrahlt werden müssen.
Russland erkennt diese Herausforderungen an. 2025 beauftragte das russische Außenministerium das Allrussische Zentrum für Meinungsforschung (VCIOM) mit einer Studie zur Verwendung der russischen Sprache im Ausland, wobei der Fokus auf Ländern wie Aserbaidschan, Usbekistan, China und Indien lag. Eine ähnliche Studie fand 2024 in Kasachstan statt. Obwohl die Ergebnisse noch nicht veröffentlicht wurden, zeigt die laufende Forschung, dass Russland seine Sprachförderungsmaßnahmen weiter anpassen will, insbesondere in den ehemaligen Sowjetrepubliken, in denen der geopolitische Wettbewerb zunimmt.
Die Bewahrung der russischen Sprache geht für Russland über Nostalgie hinaus: Sie stellt eine Schutzmauer gegen die zunehmende Einflussnahme von Rivalen wie China, den USA und der EU dar. Wie die Webseite Eurasianet feststellt, „ist die russische Sprache in Moskaus Augen ein Bollwerk gegen die weitere Einflussnahme von Großmächten in Zentralasien.“ Doch angesichts des Bestrebens der Zentralasiaten, ihre eigenen Wege zu gehen, wächst der Widerstand gegen die russische Sprache.
Diese beiden Geschichten verdeutlichen, wie Sprache nach wie vor ein Schlachtfeld für Identität, Einfluss und Souveränität darstellt. Sei es eine kleine keltische Sprache, die ihren Platz in Cornwall zurückerobert, oder eine globale Macht, die ihre Sprache in fernen Regionen am Leben erhalten will – die Auswirkungen dieser Entwicklungen werden Gemeinschaften und ganze Regionen noch über Generationen hinweg prägen.