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DeutschlandTrend: Mehrheit begrüßt Kemmerichs Rückzieher

Thomas Kemmerichs überraschende Wahl zum Thüringer Ministerpräsidenten – mit Stimmen der AfD – war der Skandal der Woche. Keine 24 Stunden später zog er zurück und hinterlässt einen politischen Scherbenhaufen – auch beim Meinungsbild zu den Parteien.

Nach seiner überraschenden Wahl zum Ministerpräsidenten von Thüringen am gestrigen Mittwoch hat Thomas Kemmerich (FDP) heute angekündigt, die Auflösung des Landtages im Freistaat von seiner Fraktion beantragen zu lassen. Mit diesem Schritt und seinem Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten, den er in diesem Zusammenhang ebenfalls ankündigte, wolle er den Weg für Neuwahlen in Thüringen frei machen.

61 Prozent begrüßen Kemmerichs Rücktritt

Dass der 54-Jährige nach nur einem Tag im Amt eben dieses wieder zur Verfügung stellen will, finden 61 Prozent der Bundesbürger richtig, während 24 Prozent diesen Schritt für falsch halten. Das hat eine Blitz-Umfrage von infratest dimap für den ARD-DeutschlandTrend ergeben.

Danach gefragt, wie sich die Meinung der Bundesbürger über die Parteien durch die Geschehnisse in Thüringen seit gestern verändert hat, zeigen sich entsprechend der Umfragewerte klare Auswirkungen auf das jeweilige Ansehen der Parteien.

Großer Imageschaden für CDU und FDP

Massiv verloren haben hier die CDU und die FDP. Fast jeder Zweite (CDU 41 Prozent, FDP 44 Prozent) hat ein schlechteres Bild der jeweiligen Partei. Vergleichbar sind die Werte derjenigen Befragten, die eine unveränderte Meinung haben (46 Prozent CDU, 43 Prozent FDP), wobei beide Parteien bei jeweils 4 Prozent ihr Ansehen durch Tolerierung der AfD-Stimmen verbessern konnten.

Bei knappem Drittel sinkt Ansehen der AfD

Mit Blick auf die AfD hat sich die Einstellung bei 56 Prozent der Befragten nicht geändert. Bei knapp einem Drittel (28 Prozent) jedoch sinkt das Ansehen der Partei im Vergleich zu vor der Ministerpräsidentenwahl, wohingegen 8 Prozent ihre Meinung über die AfD ins Positive geändert haben.

Bei der Linkspartei, die bei der Landtagswahl die meisten Stimmen holte, bleiben 60 Prozent der Befragten bei ihrer Meinung zur Partei. Dennoch verliert die Partei des bisherigen Ministerpräsidenten Ramelow bei 19 Prozent im Ansehen, wobei auch 10 Prozent angeben, ihre Meinung habe sich mit den Ereignissen von Mittwoch verbessert.

Bei SPD und Grünen bleiben mit jeweils knapp über 60 Prozent die meisten Befragten bei ihrer bisherigen Meinung. Dennoch verlieren beide Parteien auch an Ansehen – die SPD bei 23 Prozent; die Grünen bei 19 Prozent. Nichtmal jeder zehnte Befragte (jeweils 7 Prozent) steht beiden Parteien positiver gegenüber als vor dem Wahlgang von Kurzzeit-Ministerpräsident Kemmerich.

Mehr als die Hälfte der Befragten gegen Zusammenarbeit mit AfD – fast 40 Prozent dafür

Bereits am Mittwoch hatten führende Bundespolitiker erneut die Zusammenarbeit mit der AfD prinzipiell ausgeschlossen. Bei den Befragten kommt diese Ausschluss-Erklärung mehrheitlich gut an: 58 Prozent halten sie für richtig, 17 Prozent halten sie für falsch. 22 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Parteien von Fall zu Fall über eine Zusammenarbeit mit der AfD entscheiden sollten, was auch bedeutet, dass 39 Prozent der Befragten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht gänzlich ausschließen würde.