Der ehemalige Standort der Nördlinger Mikwe.

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Der ehemalige Standort der Nördlinger Mikwe.

Während der NS-Verwaltung kaufte die Stadt ein jüdisches Ritualbad, an das ein Denkmal erinnert. Das Bauwerk wurde einige Jahre später abgerissen.

Der ehemalige Standort der Mikwe in Nördlingen

Die Nördlinger Hausnummern “An der Baldinger Mauer 13 und 15” sind verschwunden. Werner Eisenschink und Wilfried Sponsel haben dort, wo früher das jüdische Ritualbad, die sogenannte Mikwe, stand, ein Denkmal errichtet. Darin wird allerdings erwähnt, dass es in Nördlingen einst ein Bad gab.

Die Mikwe, was so viel wie “Wasseransammlung” bedeutet, ist eine der ältesten Einrichtungen einer jeden jüdischen Gemeinde. Dieses Bad muss laut Vorschrift mehr als 800 Liter quellendes oder fließendes Wasser aufnehmen. Nach der Menstruation und der Entbindung waren und sind Frauen verpflichtet, das rituelle Tauchbad zu besuchen. Auch Menschen, die zum Judentum konvertieren, müssen sich dem Tauchbad unterziehen: Das frische, lebendige Wasser soll Sünde, Altes und Überwundenes abwaschen und forttragen.

Die Juden und die Zeugnisse ihrer Existenz in Nördlingen, vor allem die Mikwe in der Nähe der Glatzenmauer, wurden von den Nazis erbarmungslos abgeschlachtet. Bereits am 15. November 1938 wurden die deutschen Gemeinden gefragt, ob sofort frei werdende Grundstücke nicht anderweitig verwendet werden könnten: “Soweit im Zuge der Maßnahmen gegen die Juden Grundstücke frei werden oder beschlagnahmt werden sollten…” wurde um Prüfung gebeten, ob diese Grundstücke nicht für polizeiliche oder Luftschutzzwecke geeignet seien.

Noch im selben Monat wurde das Anwesen Baldinger Mauer 13/15 polizeilich abgesperrt. Es bestand aus einem Stall, dem eigentlichen rituellen Bad mit Hof und einem Garten, allesamt etwa 170 Quadratmeter groß und seit 1871 in jüdischem Besitz. “Bis heute diente die bescheidene Behausung neben der Stadtmauer im Stadtgraben den jüdischen Bewohnern als rituelles Bad”, heißt es in der Stadt weiter. Daher wird es auch in Zukunft weder benötigt noch gewünscht. Abgesehen davon, dass sich die jüdische Gemeinde Nördlingens, die derzeit etwa 90 Personen zählt, in naher Zukunft durch Abwanderungen drastisch reduzieren würde… Zum anderen hat sich die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Badehaus in Form von kleineren Beschädigungen manifestiert. “Für die Bedürfnisse der Polizei und des zivilen Luftschutzes”, wünschte man sich dieses Badehaus. Der Bau war ziemlich… Dies ist eine gekürzte Version der Information. Lesen Sie eine andere Nachricht weiter.

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