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Das Ende der alten Ordnung: Draghi und Kallas warnen vor einer dunklen neuen Ära

Europäische Führungspersönlichkeiten Mario Draghi und Kaja Kallas warnten auf der Osloer Sicherheitskonferenz davor, dass der US-amerikanische Rückzug aus Europa dauerhaft ist und die alte Weltordnung endgültig gestorben ist, wodurch die EU gezwungen wird, sich selbst zu verteidigen.

Die liberale internationale Ordnung, die die Welt seit 1945 regiert hat, ist nicht nur schwer erkrankt, sie ist tot. Diese düstere Botschaft übermittelten europäische Spitzenpolitiker wie Mario Draghi und Kaja Kallas auf der Osloer Sicherheitskonferenz. Sie zeichneten ein Bild einer zerrissenen Welt, in der die Ära der Zusammenarbeit vorbei ist und die Ära des Überlebens begonnen hat.

Ein neuer geopolitischer Wandel

Die Warnungen waren eindeutig und unverblümt. Mario Draghi, der als ehemaliger Präsident der Europäischen Zentralbank den Euro-Raum gerettet hatte, betonte, dass sich die geopolitische Landschaft dauerhaft verändert habe. Die aggressive Außenpolitik Russlands, die wirtschaftliche Erpressung durch China und der isolationalistische Kurs der Vereinigten Staaten haben Europa verwundbar gemacht. Kaja Kallas, die EU-Außenbeauftragte, bestätigte dies und erklärte, dass der US-amerikanische Kurswechsel nicht nur eine Anomalie unter Präsident Trump gewesen sei, sondern eine „langfristige“ strukturelle Veränderung.

„Europa muss nun seine eigene Sicherheit gewährleisten, da die Versicherungspolice, die es jahrzehntelang von Washington erhielt, abläuft“, erklärte Kallas. Sie wies darauf hin, dass dieser Wandel nicht erst mit Trump begonnen habe, sondern über mehrere US-Administration hinweg eine klare Tendenz zur Isolation und Fokussierung auf Asien festzustellen sei.

Draghi machte zudem darauf aufmerksam, dass die europäische Wirtschaftsstruktur, die auf billiger russischer Energie und freiem Welthandel basierte, mittlerweile überholt sei. Europa müsse nun „aufrüsten, sich neu industrialisieren und sein gesamtes existierendes Modell überdenken“, um in der neuen Weltordnung überleben zu können.

Der drohende russische Einfluss und die Problematik mit China

Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre, der die Gespräche leitete, hob die Notwendigkeit hervor, die nordische und europäische Integration zu vertiefen, um den wachsenden Bedrohungen durch Russland entgegenzutreten. Während die russische Kriegswirtschaft auf Hochtouren läuft, bleibt die Bedrohung für den Norden real und unmittelbar.

Des Weiteren betonten die europäischen Führungskräfte, dass die Abhängigkeit von China sowohl in technologischer Hinsicht als auch bei den Märkten zu einem strategischen Risiko werde. Die „Weltordnung“ des freien Handels werde zunehmend durch Protektionismus und Sicherheitsbündnisse ersetzt, was Europa zu neuen Überlegungen zwinge.

In Oslo war die Stimmung nicht von Panik geprägt, sondern von einer entschlossenen Entschlossenheit. „Die aktuelle Weltordnung ist tot“, erklärte Draghi. Das regelbasierte System werde von Autokraten zerstört, und Europa habe nun zwei Möglichkeiten: Es müsse entweder eine souveräne Macht werden, die in der Lage ist, ihre eigenen Interessen zu verteidigen, oder es müsse sich als Spielplatz für Großmächte ergeben.

Der geopolitische Wandel hat auch weitreichende Auswirkungen auf Afrika. Ein „Festung Europa“ werde wahrscheinlich protektionistischer und sicherheitsorientierter werden und möglicherweise weniger großzügig bei der Bereitstellung von Entwicklungshilfe auftreten. Der globale Machtumschwung bedeutet, dass Nationen nicht mehr problemlos auf beiden Seiten spielen können. Die Welt teile sich in Blöcke auf.

„Wir müssen uns an die neuen Realitäten anpassen“, sagte Støre. Dies ist eine höfliche Weise zu sagen, dass der Winter kommt und dieses Mal die Amerikaner vielleicht keine Decken mitbringen werden. Europa erkennt, wenn auch vielleicht zu spät, dass man in der neuen Weltordnung entweder ein Spieler oder das Spielfeld ist.

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Thomas Kufus

Thomas Kufus ist Redakteur und Medienanalyst mit Schwerpunkt auf Film, Kultur und digitale Medien. Er schreibt über internationale Kino- und Streamingtrends sowie über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Medienbranche.

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