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Burgau: Das KZ und das geheime Waldwerk der Nazis

Im schwäbischen Burgau wurde erst wenige Monate vor Kriegsende im Februar 1945 ein KZ als Außenlager zu Dachau errichtet. Häftlinge sollten den Nazis helfen, eine geheime Waffe zu bauen. Das Werk dafür lag gut versteckt in einem nahen Waldstück.

Wer nur mal schnell durch den Wald geht, wird sie kaum sehen, die fast zugewachsenen Betonfundamente im Scheppacher Forst. Sie sind die Überreste von einem streng geheimen Bauprojekt der Nationalsozialisten. In den letzten Kriegsmonaten sollte hier im Wald noch eine Art Wunderwaffe gefertigt werden.

Eine geheime Montagehalle

Lange war darüber wenig bekannt, bis Maximilian Czysz und Hans-Peter Englbrecht, ein Journalist und ein einheimischer Hobby-Historiker in Archiven zu recherchieren begannen. “Die Flugzeuge waren in acht Taktschritten zusammengebaut, wurden hier rausgezogen auf die Autobahn. Dieses Rolltor da hinten können wir noch gut am Boden erkennen, wo das Rolltor links und rechts entlang lief.”

Der Düsenjäger Me262 der Firma Messerschmidt wurde hier im Geheimen fertig gestellt und sollte direkt auf einem geraden Stück Autobahn neben dem Wald starten können. Beim Bau mussten Zwangsarbeiter helfen – unter widrigsten Bedingungen: “Das ist mehr oder weniger im Dreck passiert, man hat hier im Dreck diese Hightechflugzeuge montiert”, so Maximilian Czysz.

Ein Gedenkstein für die Arbeits-Sklaven der Nazis

Im Konzentrationsaußenlager Burgau, nur wenige Kilometer vom Waldwerk entfernt, mussten die Zwangsarbeiter dann ab Februar 1945 überleben. Wo früher die Barracken waren, steht heute eine Wohnsiedlung. In der Nähe hat die Stadt einen Gedenkstein errichtet, allerdings erst im Jahr 2011.

Über die Kirchen kam die Initiative, dass man im Gedenken an die Befreiung des KZ Dachau auch hier ein Außenlager hatte und man sich dieser Erinnerung auch stellen wollte, sagt der Bürgermeister. Denn auch in Burgau kamen Menschen zu Tode: “Wenn es auch kein Vernichtungslager war, aber ein Arbeitslager – zur Ausbeutung eben von Menschen.”

Ein Gedenkweg entsteht

Michael Czysz und Hans-Peter Eng lbrecht haben zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten dafür gesorgt, dass im Scheppacher Forst ein Gedenkweg entsteht. Infokisten zeigen die Schicksale der Zwangsarbeiter. Eine Kartoffelpresse in einer der Kisten erzählt eine ganz besondere Geschichte.

“Es gab Zwangsarbeiter im Herbst 1944, die diese Kartoffelpresse einer Bäuerin aus einem Dorf hier in der Gegend geschenkt haben”, berichtet Maximilian Czysz. “Das war ein kleines Dankeschön dafür, dass diese Bäuerin den Zwangsarbeitern heimlich immer wieder Essen zugeschoben hat. Im Grunde ist das ein ganz starkes Zeugnis von Menschlichkeit.”

Das dürfte aber nur ein kleiner Lichtblick gewesen sein – im Scheppacher Forst, in den letzten Kriegsmonaten.