Britische Regierung kürzt Klimahilfen für ärmste Länder drastisch
Das britische Schatzamt hat im Alleingang eine massive Reduzierung der Klimafinanzierung für Entwicklungsländer beschlossen. Trotz Warnungen der eigenen Geheimdienste vor Sicherheitsrisiken wird das Budget im Vergleich zur vorherigen Fünfjahresperiode um rund 40 Prozent in realer Rechnung gekürzt.
Buchhalterischer Trick statt substantieller Hilfe
Konkret sinkt der zugesagte Betrag von 11,6 Milliarden britischen Pfund für die letzten fünf Jahre auf nur noch neun Milliarden Pfund für die kommende Periode. Um den vollen Umfang des Rückzugs zu verschleiern, sind Beamte laut Berichten angewiesen, bis zu 30 Prozent der bestehenden Hilfe für die am wenigsten entwickelten Länder einfach als „Klimafinanzierung“ umzudeklarieren – selbst wenn Projekte aus den Bereichen Gesundheit oder Bildung kaum Klimabezug haben.
Diese als „Rebadging“ bekannte Praxis wird kritisiert, da sie den tatsächlichen Mangel an neuen Mitteln kaschieren soll. Die Folge wird eine deutlich reduzierte Unterstützung für Projekte zur Anpassung an den Klimawandel und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit in ohnehin von Klimakatastrophen gezeichneten Regionen sein.
Die Entscheidung des Schatzamts steht im direkten Widerspruch zu Warnungen der britischen Geheimdienstchefs. Diese hatten die Regierung darauf hingewiesen, dass der Kollaps von Ökosystemen in Regionen wie dem Kongo oder Amazonien eine direkte Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellt und zu Nahrungsmittelpreisspitzen und Krieg führen kann.
Diplomatische Signalwirkung und gebrochene Versprechen
Die Kürzung erfolgt zudem nur ein Jahr nachdem reiche Nationen, darunter auch das Vereinigte Königreich, zugesagt hatten, die globale Klimafinanzierung bis 2035 auf jährlich 300 Milliarden US-Dollar zu verdreifachen. Experten halten die Erreichung dieses Ziels durch den britischen Schritt für nahezu unmöglich.
Mohamed Adow, Direktor der Denkfabrik Power Shift Africa, verurteilt die Kürzung scharf. Für verletzliche Länder sei die britische Klimafinanzierung keine abstrakte Haushaltsposition, sondern entscheide über Widerstandsfähigkeit oder Katastrophe. Sein eindringlicher Appell lautet: „Diese Kürzung wird Leben und Lebensgrundlagen kosten.“
Die geopolitischen Auswirkungen könnten weitreichend sein. In einer Zeit, in der die USA unter Donald Trump aus dem Pariser Abkommen ausgetreten sind, biete der britische Rückzug anderen Nationen diplomatischen Deckung, sich ebenfalls nicht an ihre Zusagen zu halten. „Wenn Großbritannien seine Verpflichtungen bricht, ermutigt es andere, es ihm gleichzutun“, warnt Adow und sagt verheerende Konsequenzen für das globale Klimahandeln voraus.
Die Botschaft aus London sei damit eindeutig: Wenn es schwierig wird, schmelzen die Versprechen dahin. Den ärmsten Menschen der Welt bleibe so das sprichwörtliche „Ertrinken“ überlassen, während das Schatzamt den Gürtel enger schnalle.